Morbus Osgood-Schlatter

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Klassifikation nach ICD-10
M92.5 Juvenile Osteochondrose der Tibia und der Fibula
- Tuberositas tibiae (Osgood-Schlatter-Krankheit)
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Morbus Osgood-Schlatter (en: Osgood Schlatter disease, rugby knee) ist eine schmerzhafte Reizung der Insertion (Ansatz) der Patellasehne (Kniescheibensehne) am vorderen Schienbein. Dabei können sich Knochenstücke aus dem Schienbein lösen und absterben (Nekrose). Die Erkrankung wird deshalb zu den aseptischen (d. h. nicht infektionsbedingten) Osteonekrosen gerechnet.

Der amerikanische Chirurg Robert Bayley Osgood (1873–1956) und der Schweizer Chirurg Carl Schlatter (1864–1934) veröffentlichten Fallberichte über die Erkrankung unabhängig voneinander, beide im Jahr 1903.[1][2][3] Eine bei Haushunden auftretende ähnliche Erkrankung ist aufgrund einiger Unterschiede besser als Tuberositas-tibiae-Avulsion zu bezeichnen.[4]

Ursache, Vorkommen und Symptome[Bearbeiten]

Man nimmt an, dass trainingsbedingte Mikroverletzungen die Ursache sind. Männliche Jugendliche und Sportler sind häufig betroffen, Männer sind zehnmal häufiger betroffen als Frauen. Das typische Alter der Patienten liegt bei 11–12 Jahren bei Mädchen und 13–14 Jahren bei Jungen. Die Häufigkeit wird mit 5–20 % angegeben je nach sportlicher Aktivität, die Erkrankung tritt in 25 % der Fälle beidseits auf.

Seitliche Kernspintomografie. Beachte das abgelöste Knochenstück (Pfeil) am Schienbein
Röntgenaufnahme mit dem Befund eines Morbus Osgood-Schlatter

Die Schmerzen treten unter Belastung, beim Anspannen der Oberschenkelmuskulatur und bei manuellem Druck auf den Schienbeinrand unterhalb der Kniescheibe auf; sie bessern sich in Ruhe und verschwinden innerhalb von 6 Monaten bis einem Jahr.

Diagnostik[Bearbeiten]

Bei den typischen klinischen Symptomen wie ventraler Knieschmerz über der Tuberositas tibiae nach Sport oder Belastung, eventuell auch tastbarer Schwellung ist keine weitere Diagnostik erforderlich.

Eine Bildgebung kommt bei atypischer Symptomatik in Betracht, dann je nach Fragestellung und Differentialdiagnose Sonographie des Sehnenansatzes (DD:Bursitis, Abszess), eine Röntgenaufnahme seitlich (DD: Knochenbruch) oder selten eine Kernspintomographie. Diagnostische Kriterien sind dann Fragmentation der Tuberositas, Auftreibung der ansetzenden Sehne, Weichteilödem sowie im MRT angrenzend Ödem in der Tibia.

Therapie[Bearbeiten]

Die Behandlung ist symptomorientiert (Schonung, Kühlung, Schmerzmittel, entzündungshemmende Präparate, Krankengymnastik); die Prognose ist bei frühzeitiger Behandlung gut.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Osgood R.B.: Lesions of the tibia tubercle occurring during adolescence. In: Boston Medical and Surgical Journal. 148, 1903, S. 114–7.
  2. Schlatter C.: Verletzungen des schnabelförmigen Fortsatzes der oberen Tibiaepiphyse. In: [Bruns] Beiträge zur klinischen Chirurgie. 38, 1903, S. 874–87.
  3. Nowinski RJ, Mehlman CT: Hyphenated history: Osgood-Schlatter disease. In: Am J. Orthop.. 27, Nr. 8, 1998, S. 584–5. PMID 9732084.
  4. D.J.F. Pfeil et al.: Does Osgood-Schlatter Diesease exist in the dogs? Review of human and canine literature and proposed classification system for tibial tuberosity avulsions in the immature dog. In: Vet. Comp. Orthop. Traumatol. 22 (2009), S. 257–263.
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