Moses Bar-Kepha

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Mose bar-Kepha (* um 833 in Balad, Irak; † 903) war ein bedeutender Theologe der Syrisch-Orthodoxen Kirche des 9. Jahrhunderts.

Leben[Bearbeiten]

Mose bar-Kepha wurde von Rabban Kyriacus im Mönchskloster Mar Sargis unterrichtet. 863 wurde er Bischof von Mosul, Tigris und damit mitzuständig für Beth-Ramman und Beth-Kionaya. Bei seiner Bischofsweihe nahm er den Namen Severus an. Zeitweise war er Visitator (Periodeutes) der „Tagriter“, einer dem Patriarchen die Gefolgschaft verweigernden Gruppe.

Der Prolog seines Hexaemeronkommentars entspricht im Aufbau den theologischen Summen des Kalam des 9. Jahrhunderts, genauer deren Kapitel zur Einheit Gottes. Diese behandelten Ewigkeit der Welt, Einzigkeit des Schöpfers, Gesandtschaft Muhammads und Befolgung der Gebote. Moses bar Kepha schaltet noch, wie Abu Mansur al-Maturidi, ein erkenntnistheretisches Kapitel vor.[1] Ansonsten schöpft Mose bar Kepha aus den altkirchlichen Kommentaren zum Sechs-Tage-Werk, vor allem aus Basilius von Caesarea. Die Topik in den Einleitungen seiner biblischen Kommentare verdankt sich der Bibelexegese der Alten Kirche, vor allem Theodor von Mopsuestias. In der neutestamentlichen Bibelexegese ist der große Prediger Johannes Chrysostomos der Hauptgewährsmann.

Werke[Bearbeiten]

  • Kommentar zum alten und neuen Testament, im Manuskript erhalten, Johanneskommentar hg. und übers. von Lorenz Schlimme 1981; Paulinenauslegung hg. und übers. von Jobst Reller 1994
  • Traktat über Vorsehung und Willensfreiheit, im Manuskript erhalten (British Museum, Add. 14,731)
  • Kommentar über das Hexaemeron, erhalten (Bibliothèque nationale de France, Syr. 241) und übers. von Lorenz Schlimme 1977
  • Tractatus de Paradiso, syrisches Original verloren, lateinische Fassung hg. Andreas Masius, Antwerpen 1569 (De Paradiso Commentarius), abgedr. in Migne
  • Traktat über die Seele, und Diskussion der Nützlichkeit von Gebet und Opfern für Tote, erhalten (Bibliothek des Vatikans), dt. Übers. O. Braun, Moses Bar-Kepha und sein Buch von der Seele, Freiburg 1891
  • Tractatus de sectis bzw. Liber disputationum adversus haereses
  • Kommentar zur Liturgie, Mysteries of the Oblation, bei R. H. Connolly und H. W. Codrington, Two commentaries on the jacobite liturgy, London 1913, 16-86; Myron-Weihe, hg. W. Strothmann, Wiesbaden 1973
  • Kirchengeschichte
  • Homilien
  • Kommentar zu Schriften von Gregor von Nazianz.

Literatur[Bearbeiten]

  • Jobst Reller: Mose bar Kepha und seine Paulinenauslegung nebst Edition und Übersetzung des Kommentars zum Römerbrief, Göttinger Orientforschung I, 35, Wiesbaden 1994
  • Ulrich Rudolph: Christliche Bibelexegese und muʿtazilitische Theologie: Der Fall des Moses bar Kepha (gest. 903 n.Chr.), in: Oriens 34 (1994), 299-313

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ausführlich dargestellt bei Rudolph, 1994, 305 ff.; vgl. auch seine Monographie al-Maturidi und die sunnitische Theologie in Samarkand, Leiden: Brill 1997