Mothman

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Dieser Artikel beschreibt das Fabelwesen Mothman. Zu dem Spielfilm über den Mothman siehe: Die Mothman Prophezeiungen.
Mothman-Monument in Point Pleasant

Der Mothman (deutsch oft als Mottenmann bezeichnet) ist ein modernes Fabelwesen, dessen Erscheinen angeblich Unglück ankündigen soll. Er wird von Augenzeugen als menschengroßes, geflügeltes Wesen beschrieben, ähnlich einem Engel, jedoch von dunkler Hautfarbe, mit leuchtendroten, runden Augen. Sachbeweise für die Existenz des Geschöpfes gibt es nicht.

Das Ereignis[Bearbeiten]

Die erste Beobachtung, auf der die Legende des Mothman beruht und die zahlreiche weitere Sichtungen auslöste, ereignete sich in der US-amerikanischen Kleinstadt Point Pleasant (West Virginia) in der Nacht zum 15. November 1966 auf dem Gelände der stillgelegten West Virginia Ordnance Works, einer Munitionsfabrik aus dem Zweiten Weltkrieg, von den Einheimischen „TNT area“ genannt.[Anm. 1] Das abgelegene und unübersichtliche Areal war zur Mitte der 1960er Jahre ein Treffpunkt für junge Leute aus der Hot-Rod-Szene.[1]:32

Zwei Ehepaare, Roger und Linda Scarberry sowie Steve und Mary Mallette aus Point Pleasant fuhren im Auto der Scarberrys gegen 23.30 Uhr auf einer durch das Gelände führenden Straße. Es war eine kalte, klare Nacht. Nach der Schilderung von Linda Scarberry sahen sie plötzlich vor dem gegenüberliegenden alten Kraftwerksgebäude eine furchteinflößende, menschenähnliche Gestalt von etwa 7 Fuß (2,13 m) Größe, mit großen Engelsflügeln von 10 Fuß (3,04 m) Spannweite. Die Spitzen der Flügel seien über die Schultern hinausragend sichtbar gewesen. Das Wesen habe große runde, rot leuchtende und hypnotisierend wirkende Augen von ca. 2 Inch (5 cm) Durchmesser gehabt. Der Körper habe kräftig gewirkt, mit muskulösen Armen und Beinen und auffallend langen Händen. Bei der ersten Sichtung habe die Erscheinung auf einem Hügel gehockt und versucht, sich aus einem Draht zu befreien, in den sich ein Flügel verwickelt hatte. Dann sei die Gestalt unter Staubentwicklung flügelschlagend aufgestiegen und, als die beiden Paare fluchtartig den Bereich verließen, mehrmals über das mit hoher Geschwindigkeit wegfahrende Auto geflogen. Das Wesen sei sehr schnell geflogen und man habe lautes Flügelschlagen gehört.[1]:20 u. 37 Die Zeugen meldeten den Vorfall noch in der Nacht dem örtlichen Sheriff, der gegen 02.00 Uhr das Gelände absuchte, ohne jedoch irgendwelche Feststellungen zu treffen.

Am 16. November 1966 erschien ein Artikel in der örtlichen Zeitung Point Pleasant Register unter dem spekulativen Titel: „Couples See Man-Sized Bird ... Creature ... Something”.[2] In den Tagen danach griffen andere Zeitungen das Thema auf und lösten in der Folgezeit eine wahre Welle von weiteren Sichtungen in der Umgebung aus. Auch Linda Scarberry, die Hauptzeugin, will das Wesen in den folgenden Tagen noch mehrere Male gesehen haben, einmal sogar auf dem Dach ihres Apartmenthauses sitzend.[3]

Bald wurden dem „Mothman”, wie die Gestalt nun allgemein genannt wurde, weitere furchteinflößende Attribute hinzugefügt. So soll er angeblich scharfe Krallen statt menschlicher Füße haben, auf 4 m Größe angewachsen, von tiefschwarzer Hautfarbe sein und die Fähigkeit haben, sich plötzlich zu materialisieren und wieder zu verschwinden. In Point Pleasant bildeten sich regelrechte Jagdgruppen, die bewaffnet und mit starken Scheinwerfern versehen, mit Spürhunden nach dem Mothman suchten.

Als exakt 13 Monate nach der ersten Begegnung mit dem Mothman, am Samstag, dem 15. Dezember 1967, um 17:04 Uhr, die Silver Bridge zwischen den Orten Point Pleasant und Kanauga einstürzte, erreichte die Hysterie um den Mothman ihren Höhepunkt. Im dichten, vorweihnachtlichen Einkaufsverkehr fielen 31 Fahrzeuge in den Ohio River, 46 Menschen ertranken. Zurückgehend auf eine Sage der Irokesen, der Tuscarora und der Wyandot, die das Erscheinen eines ähnlich beschriebenen Wesens als Vorbote für Unglück und Not ansahen, wurde nun behauptet, der Mothman habe den Brückeneinsturz angekündigt.[4][5] Wie nach einer vier Jahre dauernden Untersuchung ermittelt werden konnte, waren Materialermüdung, Mikrorisse und nachfolgend Rost an einem tragenden Bauteil die Ursachen des Unglücks.[6]

In der Presse meldeten sich nun weitere Personen zu Wort, die den Mothman als Vorboten von tatsächlichen oder behaupteten Unglücksfällen und Katastrophen bereits Jahre zuvor gesehen haben wollten.

Es wurde spekuliert, dass das Erscheinen des Mothman auf einen Fluch zurückzuführen sei, den Häuptling Cornstalk über die Stadt verhängt haben soll. Cornstalk war ein berühmter Anführer der Shawnee zur Zeit der amerikanischen Unabhängigkeitsbewegung, der am 10. November 1777 im Fort Randolph bei Point Pleasant ermordet worden war.[3]

Als ein schießfreudiger Einwohner von Point Pleasant mit einer Flinte auf den Mothman schoss und dabei einen der seltenen Virginia-Uhus erlegte, ebbten die Sichtungen ab. Dazu trug auch der plötzliche Tod der Reporterin Mary Hyre bei, die weiterhin fleißig über den Mothman berichtet hatte.[3]

Eine nüchterne Erklärung für die Erscheinung ist, dass die Augenzeugen eine große Eule oder einen Kanadakranich gesehen haben. Die Anhänger der zahlreichen Verschwörungstheorien nehmen hingegen an, der Mothman sei ein Außerirdischer, ein Geist oder die körperliche Manifestation eines Dämons aus dem Jenseits. Angeblich soll es Koppelungen mit UFO-Sichtungen und Besuchen der geheimnisvollen Men in Black geben. Andere vertreten die Meinung, der Mothman sei ein Kryptid.

Rezeption[Bearbeiten]

Die Legende wird immer wieder durch Buchveröffentlichungen, Internetbeiträge und Zeitungsartikel bis in die Gegenwart am Leben erhalten. Am bekanntesten ist das 1975 erschienene und mehrfach neu aufgelegte Buch des US-amerikanischen Ufologen John A. Keel mit dem Titel: „The Mothman Prophecies“, das auch die Grundlage für den gleichnamigen Hollywood-Film aus dem Jahr 2002 mit Richard Gere in der Hauptrolle bildete (deutscher Titel: Die Mothman Prophezeiungen). Der Film hatte zahlreiche Mothman-Sichtungen aus allen Teilen der USA zur Folge.

Point Pleasant veranstaltet im September eines jeden Jahres das dreitägige Mothman Festival, das Tausende in die Kleinstadt lockt und vorübergehend für einen kleinen wirtschaftlichen Aufschwung sorgt. In der Stadt gibt es auch ein kommerzielles Mothman-Museum mit angeschlossenem Devotionalienhandel. Die dankbaren Einwohner haben dem Mothman ein Denkmal gewidmet, das im Gunn Park in der Ortsmitte steht.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Heute ist das Gelände zum größten Teil ein dicht bewachsenes Naturschutzgebiet, die McClintic Wildlife Management Area, etwa 9 km nordöstlich von Point Pleasant in der Nähe des Mason County Airport

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Donnie Sergent Jr. & Jeff Wamsley: Mothman: The Facts Behind the Legend. Mark S. Phillips Publishing 2001, ISBN 978-0-9667-2467-7
  2. Mary Hyre: Couples See Man-Sized Bird ... Creature ... Something. Point Pleasant Register, Point Pleasant, WV, vom 16. November 1966, Titelseite
  3. a b c Mark Moran, Mark Sceurman, Matt Lake: Weird U.S. – Travel Guide to Americas Local Legends and Best Kept Secrets. Sterling Publishing Co., New York 2008, ISBN 978-1-4027-4544-7, S. 260
  4. Lorenza Munoz: Based on a True-Life Story, but Was That Story for Real? Artikel in der Los Angeles Times vom 23. Januar 2002
  5. Loren Coleman: Mothman and Other Curious Encounters. Paraview Press, 2002, ISBN 1931044-34-1
  6. Chris LeRose: The Collapse of the Silver Bridge. In: West Virginia Historical Society Quarterly, Vol. XV, Nr. 4, vom Oktober 2001 [1]

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Donnie Sergent Jr. & Jeff Wamsley: Mothman: The Facts Behind the Legend. Mark S. Phillips Publishing 2001, ISBN 978-0-9667-2467-7 (sachlich geschriebenes, gut recherchiertes Werk, enthält ein Interview mit Linda Scarberry und eine umfangreiche Sammlung von Zeitungsausschnitten; in englischer Sprache)
  • John A. Keel: The Mothman Prophecies. Tödliche Visionen. Das Buch zum Film. Heyne, München 2002, ISBN 3-453-21511-7, (sehr spekulatives Buch von einem UFO-Gläubigen).
  • Michael Schneider: Mothman: Schrecken von Point Pleasant. Twilight-Line, Wasungen 2014, ISBN 978-3-944315-09-6 (Das Fabelwesen aus kryptozoologischer Sicht)

Filme[Bearbeiten]