Neocortex

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Unter Neocortex wird der multisensorische und motorische Teil der Großhirnrinde von Säugetiere verstanden, im Abgrenzung der Archicortex (u.a. Hippocampus) und der Paläocortex (u.a.: Riechkolben). Der Cortex oder Rinde ist der äussere, graue Schicht des Palliums, der die weiße Substanz umgibt.[1]

Der Begriff Neocortex wurde von dem Frankfurter Neurologen Ludwig Edinger (1855–1918) geprägt. Im frühen 20. Jahrhundert zeigte der Neurologe Korbinian Brodmann dass der Neocortex sich in allen Säugern aus sechs Schichten entwickelt.[2] Beim Menschen bildet der Neocortex den Großteil der Oberfläche des Großhirns (rund 90 %), darunter die Repräsentationen der Sinneseindrücke (sensorische Areale), den für Bewegungen zuständigen Motorcortex und die weiträumigen Assoziationszentren.

Traditionell wurde häufig behauptet dass der Neocortex stammesgeschichtlich „jung“ ist. Dies ist schwer zu argumentieren, denn Säugetiere formen eine frühe Abzweigung der Amniontiere. Gedacht wurde dass Säugetiere das am weitesten entwickelte Gehirn haben. Jedoch besitzen auch anderen Amniontieren ein Neopallium, in das der graue Substanz in Ganglien organisiert ist. Nach heutigem Wissensstand ist das Neopallium der Vögel sehr ähnlich mit dem der Säuger und vergleichbar komplex und leistungsfähig.[3]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Nieuwenhuys, R., Voogd, J., and van Huijzen, C. (2008). The human central nervous system. Springer, Berlin, 4th edition.
  2. Brodmann, K. (1909). Vergleichende Lokalisationslehre der Großhirnrinde; in ihren Prinzipien dargestellt auf Grund des Zellenbaues. Joh. Ambrosius Barth, Leipzig.
  3. The Avian Brain Nomenclature Consortium (2005) Avian brains and a new understanding of vertebrate brain evolution. Nat. Rev. Neurosci., 6:151–159, doi:10.1038/nrn1606.

Siehe auch[Bearbeiten]

  • Blue Brain: Projekt mit dem Ziel den Neocortex auf zellulärer Ebene zu simulieren