Neudeutsche Schule

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Dieser Artikel beschreibt eine Strömung in der musikalischen Entwicklung. Für eine Richtung der Schachkomposition siehe Neudeutsche Schule (Schach)
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Die Neudeutsche Schule war eine Strömung in der musikalischen Entwicklung weg vom konservativen Verständnis der Musik als absolut hin zur Programmatik in der Musik.

Um Franz Liszt hatte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine Gruppe von Musikern und Musikwissenschaftlern gebildet, die das Wort von der „Musik der Zukunft“ prägte. Der Ausdruck Neudeutsche Schule stammt von Franz Brendel, dem Herausgeber der Neuen Zeitschrift für Musik. Zu den Vorbildern der Neudeutschen zählten neben Liszt die Komponisten Hector Berlioz und Richard Wagner, zu ihren Repräsentanten die Liszt-Schüler Joachim Raff, Peter Cornelius, Alexander Ritter, Felix Draeseke und Wendelin Weißheimer. Als historische Vorbilder wurden Ludwig van Beethoven (als Komponist) und Robert Schumann (als Kritiker) herangezogen. Der Neudeutschen Schule ging es um eine Neudefinition des Künstlers in der Gesellschaft, neben der Komposition von Musik wurde die geistige Auseinandersetzung mit Musik, die Musikkritik, zu einem substantiellen Aufgabenbereich des Künstlers erhoben, der Musiker wurde zum Intellektuellen. Damit war ein wichtiger Grundstein für die musikalische Moderne gelegt.

Eine solch progressive Strömung brauchte auch eine Gegnerschaft. Diese fand Brendel unter anderem in Johannes Brahms, Joseph Joachim und Eduard Hanslick. (Später wandte sich auch der ehemalige Neudeutsche Hans von Bülow gegen die Bewegung.) Hierüber kam es mit den Neudeutschen zu dem sogenannten Musikstreit, der in den gängigen Musikzeitschriften, besonders der Neuen Zeitschrift für Musik und der Rheinischen Musik-Zeitung, ausgetragen wurde. Die Themen und Paradigmen der Neudeutschen Schule prägten die musikästhetischen Debatten bis in den Anfang des 20. Jahrhunderts. Hierbei etablierte sich der Begriff Neudeutsche Schule für jene Richtung in Deutschland, die das Musikdrama und die Programmmusik zum Inbegriff des Fortschritts in der Musik erklärte. Im 20. Jahrhundert wurden etwa Friedrich Klose, Richard Strauss und Siegmund von Hausegger sowie der Musikwissenschaftler Arthur Seidl in diesen Kontext eingeordnet.

Der Begriff neudeutsch impliziert eine politische Zielrichtung oder zumindest eine nationale Zugehörigkeit. Dagegen spricht jedoch deren dezidierte Internationalität (in der Trias Berlioz, Liszt, Wagner). Tatsächlich waren der junge Liszt und der junge Wagner in ihren Schriften von frühsozialistischen Sozialutopien geleitet, die mit dem Bestreben nach einem Nationalstaat verbunden waren. Diese politische Dimension verlor sich aber recht schnell im journalistischen Streit, nur Brendel spricht in seinem Aufsatz „Das Kunstwerk der Zukunft und die Einzelkünste“ von einer Weltgesellschaft, deren Leitkunst das Musikdrama (Wagners) ist. Die Neudeutsche Schule und besonders die Symphonischen Dichtungen Liszts bildete aber für viele europäische Künstler einen Weg, sich mit ihrem Land zu identifizieren und eine eigene „Tonsprache“ zu entwickeln: So sind nahezu alle nationalen Schulen und Stile (z. B. Russland, Tschechien und Finnland) im späten 19. Jahrhundert in direkter oder indirekter Weise von der Ästhetik und der Musik Liszts, Wagners und Berlioz’ herleitbar.

Literatur[Bearbeiten]