Tabaksucht

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Klassifikation nach ICD-10
F17 Psychische und Verhaltensstörungen durch Tabak
F17.2 Abhängigkeitssyndrom
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Tabaksucht ist eine Sucht, die durch das Verbrennen und Inhalieren von nicotinhaltigen Pflanzenteilen hervorgerufen wird.

Inhaltsverzeichnis

Wirkung von Nikotin [Bearbeiten]

Nikotin soll eine der am schnellsten süchtig machenden Substanzen sein und nicht nur psychostimulierende Wirkungen wie Kokain oder Amphetamin haben, sondern soll im Gehirn die gesamte Breite der Neuromodulatoren anstoßen.[1]

Nikotin greift an zwei verschiedenen Kompartimenten an, den präsynaptischen und postsynaptischen Acetylcholinrezeptoren („Nikotinrezeptoren“). Bei Bindung an die Rezeptoren kommt es zur Ausschüttung unterschiedlicher Neurotransmitter (chemische Stoffe, die dem Informationsaustausch zwischen den einzelnen Nervenzellen dienen) wie Dopamin, Serotonin, Noradrenalin und Endorphinen. Diese beeinflussen verschiedene funktionale Strukturen des Gehirns, wobei es individuelle Variationen gibt. Die nikotinischen Acetylcholinrezeptoren haben einen sehr engen Bezug zum präfrontalen Cortex. Dadurch werden womöglich zeitweise Hirnfunktionen wie Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Lernen durch Nikotin verbessert. Andere Untersuchungen hingegen kamen zu dem Schluss, dass Gedächtnisleistungen durch Nikotinmissbrauch nachlassen.[2]

Abhängigkeitspotenzial [Bearbeiten]

Nikotin ist verantwortlich für die Abhängigkeit von Tabakerzeugnissen. Nikotin hat ein extrem hohes Abhängigkeitspotenzial und kann sehr schnell zu einem abhängigen Verhalten führen. Laut einem im Jahr 2007 veröffentlichten Papier von D. Nutt et al. liegt das Abhängigkeitspotenzial von Tabakrauch zwischen Alkohol und Kokain. Genauer gesagt, liegt das physische Abhängigkeitspotential bei dem von Alkohol bzw. Barbituraten und das psychische Abhängigkeitspotenzial bei dem von Kokain.[3] Ein Vergleich mit der Sucht nach Opiaten wie Heroin ist nicht angezeigt, weil diese weitaus komplizierter zu behandeln ist und die Entzugserscheinungen schwerwiegender sind. Es reichen wenige Zigaretten oder wenige Tage mit kleinem Zigarettenkonsum bis zum Eintritt der körperlichen Abhängigkeit.

Diese Aussagen betreffen aber nur Nikotin, das in einer vergleichsweise hohen Konzentration im Blut vorliegt, die nur durch Inhalieren oder intravenöse Gabe entstehen kann. Das Suchtpotenzial von oral aufgenommenem Nikotin ist deutlich geringer, Pflaster haben fast kein Suchtpotenzial.[4]

Ob schon der Konsum einer einzigen Zigarette genügt, um typische Abhängigkeitssymptome, wie innere Unruhe, Reizbarkeit und Konzentrationsschwierigkeiten hervorzurufen und einen Verlust der persönlichen Selbstbestimmung (Autonomie) herbeizuführen, versuchten die Wissenschaftler Scragg et al. 2007 herauszufinden. Sie äußerten in ihrer Studie die Vermutung, dass bereits eine Zigarette zum Verlust der pers. Selbstbestimmung führen kann.[5] Der ebenfalls an dieser Studie beteiligte Wissenschaftler J. R. DiFranza veröffentlichte 2008 ein Papier, in dem er diese Theorie weiter vertiefte.[6][7] Schließlich wurden von Dar et al. 2010 die wichtigsten Studien zu diesem Thema einer näheren Betrachtung unterzogen und bewertet. Im Fazit ihrer Studie weisen sie auf unhaltbare und eigenwillige Suchtdefinitionen und oberflächliche Kriterien für die Diagnose "Nikotinabhängigkeit" hin und kritisieren die voreingenommene Interpretation der Daten.[8]

Mögliche Entzugssymptome können Gereiztheit, Unruhe, Kreislaufbeschwerden, Kopfschmerzen und Schweißausbrüche sein. Die Symptome verschwinden jedoch in 5–30 Tagen. Weitere Entzugserscheinungen entstehen dadurch, dass die ständige Stimulierung des Belohnungssystems (Nucleus accumbens) durch das Nikotin ausbleibt. Sie können sich durch Gereiztheit, Ungeduld, Aggressivität, schlechte Laune bis hin zu Depression und Konzentrationsstörungen äußern. Dieser Zustand kann Monate andauern und ist einer der Hauptgründe dafür, dass Ex-Raucher wieder rückfällig werden.

Die psychische Abhängigkeit durch eingeprägte Verhaltensmuster, die sich im Laufe einer „Raucherkarriere“ entwickeln, kann nach dem körperlichen Entzug auch nach Jahren noch vorhanden sein.

Zusatzstoffe als Abhängigkeitsverstärker [Bearbeiten]

Hauptartikel: Tabakzusatzstoff
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Zahlreiche Substanzen, die das Abhängigkeitspotenzial des Nikotins erhöhen, können dem Tabak beigemischt werden.[9] Die Behauptung der DKFZ-Webseite ist allerdings insofern falsch, als dass in Deutschland Ammoniumverbindungen dem Rauchtabak nicht zugesetzt werden dürfen (siehe Tabakverordnung).

Immer wieder wird postuliert, dass alkalische Zusätze die Aufnahme des Nikotins in der Lunge erhöhen. Der aktuelle Sachstand dazu wird unter Tabakzusatzstoffe dargestellt.

Kosten [Bearbeiten]

In alleiniger Betrachtung des Gesundheitssystems errechneten Forscher vom niederländischen Institut für öffentliche Gesundheit und Umwelt, dass die durch den Tabakkonsum verursachten Kosten für das Gesundheitssystem von den „Einsparungen“ durch das frühere Ableben der Raucher kompensiert werden. Im Alter von 20 bis zu ihrem Tod verursachen Raucher demnach 220.000 Euro Behandlungskosten, Nicht-Raucher hingegen 281.000 Euro. Die geringeren Rentenzahlungen und sinkende Tabaksteuereinnahmen sowie höhere Arbeitsausfälle von Rauchern und Fettleibigen wurden nicht berücksichtigt – also auch nicht die daraus folgenden volkswirtschaftlichen Verluste, die die Behandlungskosten bei weitem überträfen.[10]

Staatseinnahmen [Bearbeiten]

Die Einnahmen der Bundesrepublik Deutschland aus der Tabaksteuer stiegen in den letzten Jahren kontinuierlich an[11]:

  • 2009 - 13,4 Milliarden Euro
  • 2010 - 13,5 Milliarden Euro
  • 2011 - 14,4 Milliarden Euro

Therapiemöglichkeiten [Bearbeiten]

Möglichkeiten zur Raucherentwöhnung sind[12]:

Siehe auch [Bearbeiten]

Weblinks [Bearbeiten]

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Lutz Schmidt auf der 2. Nikotin-Konferenz der Deutschen Gesellschaft für Nikotinforschung in Erfurt
  2.  Tom Heffernan und weitere: Self-rated everyday and prospective memory abilities of cigarette smokers and non-smokers: a web-based study. In: Drug and Alcohol Dependence. 3 Auflage. Bd. 78, 1. Juni 2005, S. 235 ff. (Abruf kostenpflichtig, sciencedirect.com).
  3. Development of a rational scale to assess the harm of drugs of potential misuse. 2007, abgerufen am 9. März 2013 (PDF; 127 kB).
  4. Rethinking Stop-SmokingMedications: TreatmentMyths andMedical Realities. OMA Position Paper. Ontario Medical Association (OMA), Januar 2008, abgerufen am 14. September 2011 (PDF 289 KB, englisch).
  5. R. Scragg et al.: Diminished autonomy over tobacco can appear with the first cigarettes.. In: Addict Behav.. 33, Nr. 5, 2008, S. 689–698. PMID 18207651.
  6. J. R. DiFranza: Hooked from the first cigarette. In: J. Fam. Prac. 56, Nr. 5, 2007, S. 1017–1022. PMID 18444329.
  7. Hooked from the first cigarette. Mai 2008, abgerufen am 9. März 2013 (PDF; 1,1 MB).
  8. Reuven Dar, Hanan Frenk: Can one puff really make an adolescent addicted to nicotine? A critical review of the literature. In: Harm Reduction Journal. 7, Nr. 28, 2010. PMID 21067587.
  9. Chemische Veränderungen der Zigaretten. Abhängigkeitspotenzial von Zigaretten (DKFZ). Nichtraucherkids – online, abgerufen am 29. September 2011 (Auszüge aus der roten Reihe des DKFZ Heidelberg, Tabakprävention und Tabakkontrolle).
  10. Lubbadeh, Jens: Gesundheitskosten: Schlanke Nichtraucher kommen den Staat teurer als Dicke und Raucher. In: Spiegel Online vom 5. Februar 2008, gesichtet am 20. Februar 2010
  11. Statistik über das Steueraufkommen vom Statistischen Bundesamt. Abgerufen am 23. Februar 2013.
  12. Kombinierte Strategiemodule der Raucherentwöhnung (PDF; 131 kB)
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