Microsoft Editor

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Microsoft Editor
Logo von Microsoft Editor
Bildschirmausdruck des Programms Microsoft Editor unter Windows 8
Microsoft Editor unter Windows 8
Basisdaten
Entwickler Microsoft
Erscheinungsjahr 1985
Aktuelle Version siehe Microsoft Windows
Betriebssystem Windows
Kategorie Texteditor
Lizenz proprietär
Deutschsprachig ja

Der Microsoft Editor (kurz Editor oder zur Unterscheidung auch MS-Editor genannt, in der Eingabeaufforderung unter dem englischen Originalnamen Notepad startbar) ist ein einfacher Texteditor der Firma Microsoft für das Betriebssystem Windows zum Erstellen unformatierter Texte im ANSI- oder Unicode-Format.

Geschichte und Funktionsumfang[Bearbeiten]

Nach dem zeilenorientierten Editor EDLIN, der noch unter MS-DOS und älteren NT-Windows-Versionen als Bestandteil des Betriebssystems ausgeliefert wurde, und dem darauf folgenden semigrafischen MS-DOS Editor ist der Editor bereits seit der ersten Windows-Version mit einer grafischen Benutzeroberfläche ausgestattet und als Standard-Texteditor für einfache Textdateien im Betriebssystem voreingestellt.

Seit der Version 4.0 (mit Windows NT) unterstützt das Programm – neben dem bereits zuvor verwendeten ANSI-Textformat (siehe auch Windows-1252) – auch Unicode mit den Zeichenkodierungen UTF-16 („Unicode“), UTF-16 Big Endian („Unicode Big Endian“) und UTF-8 („UTF-8“). ASCII (MS-DOS) wird auf NT nicht unterstützt. Aus den Programmen der Standardausstattung kann dies jedoch WordPad und auf 32-Bit-Versionen der alte MS-DOS Editor.

Aufgrund seiner Beschränkung auf Basisfunktionen eignet sich die Anwendung kaum zum Bearbeiten längerer Quelltexte oder zum Erstellen von ASCII-Art. Lediglich für kleine Bearbeitungen an Konfigurationsdateien, etwa im INI-Format, für die Windows keine grafische Schnittstelle bietet, ist das Programm geeignet. Ebenso können damit Batchdateien erstellt und verändert werden, indem man die entsprechende Datei mit der Endung .bat oder .cmd speichert. Im Unterschied zu sogenannten Textverarbeitungsprogrammen unter Microsoft Windows gibt es im Editor wie auch in allen anderen Texteditoren nur die tatsächlich eingegebenen Zeichen und keinerlei sonstige Informationen wie Formatierungen. Beim Betrachten einer Datei mit Hilfe des Editors wird ihr Inhalt nicht interpretiert, sondern Zeichen für Zeichen dargestellt, wodurch auch Daten, die sonst dem Benutzer verborgen bleiben, sichtbar gemacht werden können. Einen Hex-Viewer oder Hex-Editor kann dies allerdings nicht ersetzen, zumal der Editor für große Dateien sehr viel Zeit zum Laden benötigt, da dieses die Datei zuerst komplett einlädt, bevor die Anzeige erfolgt. Auch kann das Programm nur mit windowsspezifischen Zeilenendungen (CRLF) umgehen, was ihn in einem heterogenen Umfeld nutzlos macht.

Unicode-Erkennung[Bearbeiten]

Notepad (NT-basierte Windows-Versionen) speichert alle Unicode-Texte stets mit vorangestellter Byte Order Mark (BOM) und erkennt auch daran beim Laden das passende Format.

Der Editor kann (beispielsweise im Gegensatz zu WordPad) auch Unicode-Dateien laden, denen das Byte Order Mark fehlt, wobei es die WinAPI-Funktion IsTextUnicode() benutzt.[1] Diese enthält in Windows NT bis Windows XP einen Bug, der als vermeintliches Easter Egg des Editors namens “Bush hid the facts” („Bush hat die Tatsachen verheimlicht“) ausgelegt worden ist. Speichert man diesen Satz mit der Kodierung ANSI, wird er beim nächsten Öffnen nicht mehr korrekt dargestellt, da der Editor den Text als Unicode fehlinterpretiert.

Allerdings tritt der Fehler nicht nur bei diesem Satz auf, sondern bei manchen Sätzen, deren erstes Wort aus einer geraden Anzahl an Buchstaben und alle anderen Wörter aus einer ungeraden Anzahl an Buchstaben bestehen.

Zeitstempel[Bearbeiten]

Wenn in der ersten Zeile einer Datei „.LOG“ steht, hängt der MS-Editor automatisch nach jedem Öffnen der Datei Datum und Uhrzeit als letzte Zeile an.[2][3]

Alternativen[Bearbeiten]

Im Unterschied zu diversen visuellen Programmierumgebungen hat der Benutzer bei einem ASCII-Texteditor die volle Kontrolle über das Geschehen, was besonders von puristischen Webseitenentwicklern und Programmierern genutzt wird, die einen WYSIWYG-Editor oder eine überladene integrierte Entwicklungsumgebung ablehnen, auf Windows-Plattformen arbeiten und den Quelltext ohne Hilfe schreiben wollen. Allerdings bevorzugt gerade diese Anwendergruppe Texteditoren mit farblicher Hervorhebung von Syntaxelementen und anderen Erweiterungen, da der Editor über eine nur begrenzte Anzahl an Rückgängig-Schritten verfügt, nicht universell erweiterbar ist und in keiner Weise die Konfigurierbarkeit eines umfangreicheren Editors wie z. B. Vim bieten kann.

Freie Vertreter dieser Gattung sind neben Vim unter anderem JEdit, Notepad++, Notepad2. Proprietäre Alternativen sind unter anderem TextPad, PSPad und TED Notepad.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. IsTextUnicode
  2. Microsoft Knowledge Base: Features of LOG and Time/Date Command in Notepad (engl.)
  3. Microsoft Knowledge Base: How to Use Notepad to Create a Log File (engl.)