OLAT

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OLAT
OLAT Screenshot
Basisdaten
Entwickler Universität Zürich
Aktuelle Version 7.6
(17. September 2012)
Betriebssystem Microsoft Windows, Linux, Mac OS X, Solaris,
FreeBSD und andere Unix-Varianten (basiert auf Java)
Kategorie Lernplattform
Lizenz Apache-Lizenz 2.0
Deutschsprachig ja
www.olat.org

OLAT ist ein Learning Management System (LMS), welches als Web-Applikation verschiedene Formen von webbasiertem Lernen, Lehren und Moderieren ohne große didaktische Einschränkungen unterstützt. Der Produktname OLAT steht als Kunstwort für Online Learning And Training. OLAT ist freie Software/Open Source und wird seit 1999 an der Universität Zürich entwickelt.

Entwicklung[Bearbeiten]

OLAT nahm seinen Anfang als studentisches Projekt an der Universität Zürich. Im Jahr 2000 gewann OLAT den MEDIDA-PRIX. Mit der Version 3.0 wurde das System im Jahr 2004 komplett neu entwickelt und ist seither als komponentenbasierte Java-Applikation Open Source erhältlich. OLAT unterstützt verschiedene E-Learning-Standards wie etwa IMS Content Packaging, IMS QTI und SCORM. Mit der Version 4.0 wurde OLAT um verschiedene Elemente erweitert, die die Erweiterung der LMS-Funktionalitäten erleichtern. Version 5.0 führte die Funktionen Wiki, Kalender, AJAX Beta Modus und Volltext-Suche ein. Die Version 6.0 beinhaltete in erster Linie ein neues Layout, das auf einer Usability-Studie basiert. Die Version 6.1 bietet volle Skalierbarkeit, kann also mit einem Cluster aus mehreren Servern betrieben werden. Dies ist entscheidend, um eine gute Betriebsgeschwindigkeit auch bei sehr hohen gleichzeitigen Nutzerzahlen zu gewährleisten. OLAT 7 bietet neu die Unterstützung der Standards REST API (für die Anbindung von Plugins), IMS Basic LTI (für die Anbindung von anderen Tools) sowie IMS QTI 2.1 Unterstützung (für Tests und Quizzes). Für Autoren gibt es neu einen Course Wizard, der einen durch die Erstellung von OLAT-Kursen begleitet. Und ebenfalls ab OLAT 7 wird die gesamte Applikation als WAR-file deployed und kann so einfach auf jeder Java Servlet Engine installiert werden.

OLAT-Bausteine[Bearbeiten]

OLAT umfasst viele für E-Learning-Plattformen typische Elemente:

  • Content Management
  • Diskussionsforen
  • Dateidiskussionen
  • Wikis
  • Chat
  • Blog
  • Podcast
  • E-Portfolio
  • Dateiordner mit Versionierungsfunktionen
  • Projektbörse
  • IMS Basic LTI
  • IMS QTI 2.1
  • Kalender
  • Linkliste
  • Fragebogen
  • Tests und Selbsttests mit verschiedenen Fragetypen
  • Aufgabenbaustein (zum Einreichen und Korrigieren von Übungen)
  • Bewertungsbaustein (zur Bekanntgabe von Bewertungen)
  • HTML Editor mit Video Player
  • Skalierbarkeit: OLAT kann mit einem Cluster betrieben werden
  • Mehrsprachigkeit (OLAT ist in vielen Sprachen erhältlich[6] und unterstützt UTF-8)
  • OLAT integriert das Instant-Messaging-System XMPP, um synchrone Kommunikation zu ermöglichen und die Awareness der Benutzer zu erhöhen.

Andere Komponenten[Bearbeiten]

Neben den typischen LMS-Funktionen bietet OLAT eine Gesamtlösung für E-Learning-Projekte. Die folgenden Aspekte werden durch OLAT abgedeckt:

  • LMS: Lernende und deren Punkte und Fortschritte verwalten, Coachingfunktionen, Loggingdatenbank
  • LCMS: Lerninhalt erstellen mit integriertem HTML Editor, IMS CP Editor und IMS QTI Editor
  • Courseware: Kurse erstellen mit verschiedenen Kursbausteinen, Kursablauf steuern mit Zugangsregeln
  • VLE: Lerninhalte konsumieren, Lernkontrolle, Notizen erstellen, Punktestand einsehen
  • Groupware: In Lern- oder Projektgruppen arbeiten, Kollaborative Elemente wie Wiki, Filesharing, Forum, Chat und IM etc.
  • Campus Management: Kurskatalog zum Aufbau eines Curriculums oder Kursangebots, Rechtemanagement
  • Integration: REST, LDAP, Shibboleth

Aktueller Stand und künftige Entwicklung[Bearbeiten]

Als strategisches LMS der Universität Zürich wird OLAT fortlaufend weiter entwickelt. OLAT wird in den letzten Jahren verbreitet angewendet, besonders im europäischen Hochschulbereich. OLAT hat ähnliche Ziele wie das Sakai-Projekt [7], aber im Vergleich zu dieser amerikanischen Initiative eine längere Entwicklungsphase. OLAT wurde von Anfang an entwickelt, um campusweites E-Learning zu unterstützen und kann verglichen werden mit kommerziellen Plattformen wie Blackboard oder Open-Source-Plattformen wie Moodle.

OLAT ist ein voll ausgebautes LMS, das an Universitäten mit tausenden von Benutzern eingesetzt wird, z. B. Universität Zürich: ca. 50.000 (inkl. ca. 30.000 Benutzer aus anderen Schweizer Universitäten), Bildungsportal Sachsen (unter dem Namen OPAL): ca. 40.000, die Universität Hamburg: ca. 30.000[1] und seit Sommersemester 2011 auch die Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main: ca. 50.000 Benutzer.

Im Jahr 2006 ist aus dem Projekt das Spin-Off-Unternehmen frentix GmbH entstanden mit dem Ziel, OLAT auch außerhalb der Universität Zürich zu positionieren und auf kommerzieller Basis Dienstleistungen rund um das Open-Source-System für Unternehmen wie auch für Ausbildungsinstitutionen anzubieten. frentix ist seit der Firmengründung dem Open-Source-Gedanken treu geblieben und beteiligt sich maßgeblich an der Weiterentwicklung des Systems. Durch die kommerziellen Dienstleistungen hat sich die Verbreitung in Unternehmen, Fachhochschulen, Schulen und anderen Ausbildungsinstitutionen weiter gefestigt.

Im Herbst 2009 hat das OLAT-Team das 10-jährige Jubiläum zum Bestehen des OLAT-Projektes gefeiert. Ein OLAT-Video arbeitet dabei die Entstehungsgeschichte humorvoll auf.[2]

Andere Dienstleister sind aus der Open Source Community entstanden. Meist bieten diese Regional spezialisierte OLAT-Dienstleistungen an (z. B. in Griechenland, Polen oder China). Oft wird OLAT auch unter einem anderen Brand vermarktet, ein genauer Nachweis der vorhandenen Installationen ist daher äußerst schwierig zu erbringen.

Seit Ende 2009 wird von der chemmedia AG eine speziell für Unternehmen angepasste Version von OLAT unter dem Namen OLAT Enterprise Edition angeboten. In Zürich bietet die Frentix GmbH ebenfalls OLAT-Lösungen für Firmen an.

Im Jahr 2011 wurde von der Universität Zürich ein tiefgreifendes Refactoringprojekt gestartet und auf Mercurial als Codeverwaltungssystem gewechselt. Im Zuge dieser Restrukturierungen wurde der Zugang zum Repository der Entwickler für die Open Source Community gesperrt und jeglicher Einfluss aus der Community abgeblockt. Das Verständnis des OLAT Teams bezüglich Open Source beschränkt sich seit dem Zeitpunkt auf das Veröffentlichen von fertiggestelltem Code unter der Apache Lizenz ohne einen Community Prozess.

In der Folge wurde Ende 2011 ein Fork unter dem Namen OpenOLAT ins Leben gerufen. OpenOLAT ist eine alternative Entwicklung zu OLAT, welche einen transparenten Entwicklungsprozess und den Einbezug der Community fördert. Initiator dieses neuen Projektes ist frentix GmbH, ein Unternehmen das von einem der ursprünglichen OLAT Erfinder gegründet wurde und kommerzielle Dienstleistungen für OLAT anbietet und in der Vergangenheit wesentliche Funktionen für OLAT beigetragen hatte.[3]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • OLAT hat aktuell die höchste Bewertung in der Courseware-Sektion des Open-Source-Portals der UNESCO.[4]
  • OLAT gewann den MedidaPrix 2000.[5][6]
  • OLAT gewann den Swiss Open Source Award 2008. Siehe[7].
  • OLAT gewann im 2009 den IMS Learning Impact 'Leadership Award' 2009 für beste Open Source Lernplattform. Siehe[8].

Spezifikation[Bearbeiten]

OLAT läuft ohne Änderungen auf Unix, Linux, OpenBSD, FreeBSD, Windows, Mac OS X. Die Anforderungen für OLAT sind hauptsächlich:

Die aktuelle OLAT-Version ist 7.2.1, die Version 7.3 ist für Mitte 2011 angekündigt worden. Ende 2011 wurde eine erste Betaversion veröffentlicht.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Didaktischer Einsatz von OLAT:

  • Clematide, S., Bünzli, A., Roth, S., Mahlow, C., Hess, M. (2008). Dialogbasiertes Lernen und Evaluieren in OLAT. Vortrag an der OLAT-Konferenz 2008, 26.-28. März 2008, Universität Zürich. (Zusammenfassung online verfügbar unter: [8])
  • Mahlow C. (2010). Choosing the Appropriate E-Learning System for a University. In Y. Kats (Hrsg.): Learning Management Systems Technologies and Software Solutions for Online Teaching: Tools and Applications (S. 57-80). Hershey PA, New York: IGI Global. ISBN 978-1-61520-853-1 (Preprint online erhältlich unter: [9])
  • HAMBURGER eLEARNING MAGAZIN Nr. 3: Olat im Einsatz. Dezember 2009. (Online erhältlich unter: [10]; PDF-Datei; 8,18 MB).
  • Streule, R. , Oberholzer, R., Läge, D. (2008). Der E-Learning Kurs "Psychopathology Taught Online" - Flexibilität und Adaptivität dank OLAT und eLML. ortrag an der OLAT-Konferenz 2008, 26.-28. März 2008, Universität Zürich. 26.-28. März 2008, Universität Zürich. (Folien online erhältlich unter [11])
  • Zimmermann, T., Hurtado, D., Berther, M., Winter, F. (2008). Dialog mit 200 Studierenden – geht das? Blended Learning in einer Vorlesung mit hoher Teilnehmerzahl. Das Hochschulwesen. 56 (6), S. 179–185. (Online erhältlich unter: [12])
  • Zimmermann, T., Bucher, K.-L., Hurtado, D. (2010). Hybrid Dialog: Dialogic Learning in Large Lecture Classes. In Y. Kats (Hrsg.), Learning Management System Technologies and Software Solutions for Online Teaching: Tools and Applications (S. 314-331). Hershey PA, New York: IGI Global. ISBN 978-1-61520-853-1

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. [1]
  2. [2]
  3. [3]
  4. www.unesco.org (englisch)
  5. www.medidaprix.org (Version vom 12. Dezember 2007 im Internet Archive), die wichtigste E-Learning-Auszeichnung im deutschsprachigen Raum.
  6. www.medidaprix.org
  7. [4]
  8. [5]