O Captain! My Captain!
O Captain! My Captain! ist ein Gedicht des US-amerikanischen Dichters Walt Whitman (1819–1892), welches dem ermordeten Präsidenten Abraham Lincoln gewidmet ist. Es ist das einzige Gedicht Whitmans, das zu seinen Lebzeiten in einer Anthologie veröffentlicht wurde.[2]
Inhaltsverzeichnis |
Text und Übersetzung [Bearbeiten]
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Original
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Deutsche Übersetzung
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Historischer Hintergrund und Deutung [Bearbeiten]
Die Ermordung Abraham Lincolns am 15. April 1865 inspirierte den diesen verehrenden Walt Whitman zu dem im November 1865 erstmals veröffentlichten dreistrophigem Gedicht. Das siegreiche Ende des amerikanischen Bürgerkrieges war zum Todeszeitpunkt Lincolns absehbar; der Sieg der Nordstaaten mit großer Zerstörung und einer Vielzahl von Opfern erkauft; die amerikanische Nation war zerrissen und lag am Boden. In dieser Situation wirkte der Tod des Präsidenten wie ein Schock.
Der Handlungsrahmen des Gedichts beschreibt die Rückkehr eines Schiffs nach siegreicher Schlacht. Auf den Planken des Oberdecks liegt der im Kampf gefallene Kapitän. Die geschilderte Situation ist zwiespältig; einerseits ist der Krieg gewonnen; an den Ufern stehen die Menschen dicht gedrängt, das siegreiche Schiff - und seinen Kapitän - zu begrüßen. Andererseits kontrastiert die verheißungsvolle Ausgangslage mit: "But O heart! heart! heart!....." mit welchem die Erzählperspektive in der zweiten Hälfte der ersten Strophe von der Siegesfeier zur Totenklage wechselt. Im weiteren Text tritt der alle und alles verbindende Sieg gegenüber Leid und Schmerz des Verlustes fast vollkommen zurück. Der gewonnene Krieg -"...our fearful trip is done" - stellt auf den Sieg der Union über die Konföderierten ab; das Schiff steht für die Nordstaaten und im weiteren Sinne für die US-amerikanische Nation, die mit dem Tod des Captains, des Präsidenten Abraham Lincoln, ihren prophetischen Führer verloren hat. Schon zu Lebzeiten Lincolns wurde dieser - insbesondere von der afroamerikanischen Bevölkerung - als "Mose" bzw. als "Father Abraham" bezeichnet. [3] Mit der Metapher des heimkehrenden, seinen toten Kapitän tragenden Schiffes knüpft Whitman an das biblische Thema des Buches Exodus an, in welchem Moses das bedrängte Volk Israel aus der ägyptischen Gefangenschaft in das gelobte Land führt. Wie in der biblischen Vorlage setzt sich der Führer für die Zielerreichung mit Geduld, Geschick, Nachdruck und Willenskraft ein; er opfert sich selbst. Ihm ist bestimmt, das gelobte Land, in Whitmans Gedicht die geeinte und friedliche Nation, sich nähernd, zu sehen; jedoch schlussendlich nicht zu erreichen. Zugleich greift Whitman mit diesem Bild einen Passus der Gettysburg Address des Präsidenten vom 19. November 1863, - "We have come to dedicate a portion of that field, as a final resting place for those who here gave their lives that that nation might live." - auf. Neben Leid und Trauer des(r) Mitkämpfer - "But I, with mournful tread,..." - um den toten Kapitän verbleibt mit "Exult, O shores, and ring, O bells!" die hoffnungsvolle Vision eines friedlichen demokratischen Gemeinwesens.
Marginalie [Bearbeiten]
In dem Spielfilm Der Club der toten Dichter von Peter Weir wird mehrfach auf das Gedicht verwiesen.
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ O Captain! My Captain!, Historical Period: Civil War and Reconstruction, 1861-1877Library of Congress, http://www.loc.gov/teachers/lyrical/poems/my_captain.html
- ↑ Justin Kaplan: Walt Whitman: A Life. Simon and Schuster, New York 1979, ISBN 0-671-22542-1, S. 309.
- ↑ "Oh Captain, my Captain", Von der Blockhütte ins Weiße Haus, Infoseite der Deutschen Welle zu Abrahma Lincoln, [1]