Päpstliche Kanzlei

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Papst Gelasius II., er war von 1088 bis 1118 der erste „Kanzler der Heiligen Römischen Kirche“

Die Päpstliche Kanzlei (Cancellaria Apostolica) war eines der ältesten Ämter der Römischen Kurie, ihre Gründung geht bis auf das 4. Jahrhundert zurück. Sie war anfänglich für die Ausfertigung, Beglaubigung, Versiegelung und Archivierung von Apostolischen Schreiben und päpstlichen Anordnungen zuständig. Sie wurde bis zum 12. Jahrhundert auch als „Scrinium Apostolica“ (Päpstliches Archiv) bezeichnet. Seit 1088 wurde sie vom „Kanzler der Heiligen Römischen Kirche“ geleitet. Der „Cancellarius“ darf nicht mit dem Camerlengo verwechselt werden. Der erste päpstliche Kanzler war von 1088 bis 1118 Johannes von Gaeta, der spätere Papst Gelasius II. (1118/19). Zwischen 1088 und 1187 trugen einige Amtsinhaber gleichzeitig die Bezeichnung „Bibliothecarius“, also „Bibliothekar der Heiligen Römischen Kirche“. Von 1187 bis 1908 trug der Amtsinhaber den Titel „Vize-Kanzler der Heiligen Römischen Kirche“. Ab 1532 erhielt der „Kanzler-Kardinal“, wie er auch benannt wurde, die Titelkirche San Lorenzo in Damaso. Seit 1908 wandte man wieder die Bezeichnung „Kanzler der Heiligen Römischen Kirche“ an, der letzte Kanzler der Heiligen Römischen Kirche war von 1968 bis 1972 Kardinal Luigi Traglia. Nach 1973 wurde die Päpstliche Kanzlei in das Staatssekretariat eingegliedert.

Geschichte[Bearbeiten]

Der ursprüngliche Anlass zur Gründung einer Papstkanzlei lag darin, Spenden zum Aufbau der päpstlichen Streitkräfte zu sammeln und zu verwalten. Seit dem 11. Jahrhundert wurde die Päpstliche Kanzlei von einem Cancellarius geleitet, der gleichzeitig Bibliothecarius war. Um 1100 entstand die noch heute gebräuchliche Form der Bleibulle, die in der päpstlichen Kanzlei aufbewahrt wurde. Seit 1187 lautet nun die Amtbezeichnung „Vize-Kanzler der Heiligen Römischen Kirche“. Wichtige päpstliche Schreiben wurden nach der Reinschrift mit der Bulle versiegelt und erhielten dadurch einen urkundlichen Status. Die Arbeitsabläufe und Verantwortlichkeiten waren in Kanzleiregeln wie im „Liber Diurnus“ und „Liber Cancellariae“ niedergeschrieben und unter Papst Johannes XXII. (1316–1334) in einer eigenen Sammlung publiziert. Zu den wichtigsten Quellensammlungen zählen die Papstregister, die die Kopien der Urkunden und Briefe von Päpsten enthalten. Von den Päpsten Leo I. und Gregor I. sind nur Bruchstücke erhalten, dafür liegen die Schriftstücke Gregors VII. und Innozenz III. komplett vor.

Das erhöhte Aufkommen an Briefen, Urkunden, Anweisungen und anderen Schriftstücken führte dazu, dass immer mehr Schreiber, Archivare und Verwalter notwendig wurden um den päpstlichen Schriftverkehr in geordnete Bahnen zu leiten. Mit Papst Martin V. (1417–1431) begann in Folge des Konstanzer Konzils (1414/18) ein vermehrter Schriftverkehr und das Erstellen von Dokumenten. Das wiederum hatte zur Folge, dass die Kanzlei personell vergrößert werden musste.

„Die Posten in der Kanzlei werden seit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts in käufliche Ämter umgewandelt (officia venalia vacabilia), um den steigenden Finanzbedarf der Kurie zu decken. Der Interessent erwirbt das Amt vom Papst für eine feste Summe; die mit dem Amt verbundenen Einnahmen (z. B. die Taxen) bilden gewissermaßen die Verzinsung der Kaufsumme. Der Inhaber erhält das Amt auf Lebenszeit und kann es sogar weiterverkaufen; nur wenn er vorher stirbt, fällt es an den Papst zurück, der es erneut verkaufen kann. Zum Schutz ihrer Rechte sind die meisten Ämter als Kollegium organisiert; d. h. sie verwalten ihre dienstlichen Angelegenheiten selbständig.“

Päpstliche Kanzlei[1]
Palazzo della Cancelleria

Zwischen ca. 1485 und 1513 wurde der Palazzo della Cancelleria erbaut, den Leo X. (1513–1521) an seinen Cousin Giulio de’ Medici, dem späteren Papst Clemens VII. (1523–1534) übergab, dieser richtete dort die Päpstliche Kanzlei ein. Unter den beiden Medici-Päpsten stieg das Amt des Vize-Kanzlers, gemeinsam mit den Päpsten, zu Prunk und Macht auf. Die größten Verdienste um die Reform der römisch-katholischen Kirche gehörten Papst Sixtus V. (1585–1590), durch die Reorganisation der römischen Kurie, hierzu gehörte auch die Päpstliche Kanzlei. Während des Pontifikats von Papst Klemens XII. (1730–1740) blähte sich der Verwaltungsapparat immer mehr auf und die Missstände und Schuldenlasten nahmen erheblich zu. Papst Pius VII. (1800–1823) reformierte 1808, nach dem Einmarsch Napoleons in Rom, die Kanzlei, übertrug ihr neue Aufgaben und wollte somit den Zugriff der Besatzer Roms verhindern.

Im 20. Jahrhundert[Bearbeiten]

Mit der Apostolischen Konstitution Sapienti consilio[2] vom 29. Juni 1908 führte Papst Pius X. (1903–1914) eine große Umstrukturierung der römischen Kurie durch. Sein Ziel war, eine strikte Trennung zwischen Verwaltung und Gerichten herbeizuführen. Die Päpstliche Kanzlei wurde personell reduziert und bestand nun aus dem Leiter (Kanzler der Heiligen Römischen Kirche), einigen Apostolischen Protonotaren, einem Notar, einem Sekretär und Archivar, einem Protokollführer und vier Schreibern. Nach dieser Kurienreform erfolgte die Ausfertigung und der Versand Päpstlicher Bullen ausschließlich durch die Päpstliche Kanzlei.

Bei der nächsten Kurienreform im Jahre 1968 durch Papst Paul VI. wurde die nun vom Kanzler-Kardinal geleitete Abteilung zur Zentralstelle bei der Ausfertigung und Versendung wichtiger Dokumente. Mit dem Apostolischen Schreiben in Form eines Motu Proprio „Quo aptius“[3] ordnete Papst Paul VI. am 27. Februar 1973 an, dass die Päpstliche Kanzlei in das Staatssekretariat eingegliedert wurde, somit endete die Eigenständigkeit der Päpstlichen Kanzlei.

Bedeutende Kanzler/Vize-Kanzler der Heiligen Römischen Kirche[Bearbeiten]

  • Johannes von Gaeta (1088–1118), erster Kanzler und späterer Papst Gelasius II. (1118/19)
  • Gerardus Caccianemici (1141–1144), späterer Papst Lucius II. (1144/45)
  • Rolandus Bandinelli (1153–1159), späterer Papst Alexander III. (1159–1181)
  • Albertus de Morra (1178–1187), erster Vize-Kanzler und späterer Papst Gregor VIII. (1187)
  • Cencius camerarius (1194–1198), späterer Papst Honorius III. (1216–1227); er bezeichnete sich nie als Kanzler
  • Sinibaldus Fieschi (1226–1227), späterer Papst Innozenz IV. (1243–1254)
  • Rodrigo Lanzol-Borja y Borja (Borgia) (1457–1492), späterer Papst Alexander VI. (1492–1503)
  • Giulio de’ Medici (1517–1523), späterer Papst Clemens VII. (1523–1534)

Kanzler der Heiligen Römischen Kirche von 1908 bis 1973[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Päpstliche Kanzlei
  2. Constitutio Sapienti consilio, 29 Iunius 1908: § III. OFFICIA, 1.º -- CANCELLARIA APOSTOLICA. (Online)
  3. LITTERAE APOSTOLICAE MOTU PROPRIO DATAE „QUO APTIUS“ MUNERA CANCELLARIAE APOSTOLICAE IN SECRETARIAM STATUS SEU PAPALEM TRANSFERENTUR. PAULUS PP. VI. (Online)