Panik

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt das psychologische Phänomen. Zu weiteren Bedeutungen siehe Panik (Begriffsklärung).
Panik, Fourth National Bank, New York, 1873

Panik ist ein Zustand intensiver Angst vor einer tatsächlichen oder angenommenen Bedrohung. Sie ist eine starke Stressreaktion des Organismus auf eine oft unerwartete und erschreckende Situation und geht einher mit vielfältigen vegetativen und körperlichen Symptomen.[1] Dabei kann es unter Umständen zu einer Einschränkung der höheren menschlichen Fähigkeiten kommen.

Das Wort Panik ist vom griechischen Hirtengott Pan abgeleitet, von dem die Sage ging, dass er in der größten Mittagsstille durch einen lauten Schrei auf einmal ganze Herden zu plötzlicher und anscheinend sinnloser Massenflucht aufjagen könne („panischer Schrecken“ – siehe auch: Stampede).[2]

Individuelle Panik[Bearbeiten]

In bedrohlichen Situationen kann ein Mensch je nach seinen Persönlichkeitseigenschaften, dem jeweiligen sozialen Kontext und dem subjektiv empfundenen Gefährdungsgrad sehr unterschiedlich reagieren. Die Leistungsfähigkeit des Gehirns ist dabei im Bereich mittlerer Aktivierung am größten, und es erfolgt zweckmäßiges und zielgerichtetes Handeln. Mit wachsendem Belastungsgrad können das Verhaltensspektrum des Menschen eingeschränkt und die Angst zunehmend zum handlungsleitenden Motiv werden. Die Reaktionen des Menschen können bei zunehmender Angst nicht-rational und nicht-sozial werden, oder es kann beispielsweise zu einer lähmenden Starre bzw. einem kopflosen Fluchtverhalten kommen. Dieses unvernünftige und unzweckmäßige Verhalten wird als Panikverhalten bezeichnet.[3] Empirische Untersuchungen (Herbst 1996) haben jedoch gezeigt, dass selbst bei Lebensgefahr nur ein geringer Anteil der betroffenen Menschen in diesem Sinne panisch reagiert.

Viele Panikforscher stimmen darin überein, dass der Begriff Panik insbesondere in den Medien oft ungerechtfertigt und eher aus Gründen einer dramatisierenden Darstellung verwendet wird. In Wirklichkeit handele es sich bei dem sogenannten Panikverhalten oft um eine nachvollziehbare Reaktion auf eine extreme Belastungssituation, die einem unbeteiligten und außenstehenden Betrachter lediglich unlogisch und unerwartet erscheint.[4]

Die Psychologie versteht Panik unter anderem als psychisches und physisches Ausdrucksmittel des Individuums, um andere Menschen auf die eigene lebensbedrohliche Situation aufmerksam zu machen, um deren Hilfe zu aktivieren.[5] Panksepp (1999) unterscheidet aufgrund von Ergebnissen aus der Tierforschung zwischen einem Panik-System und einem Furcht-System. Weitere Ergebnisse aus der Bindungs- und Säuglingsforschung legen nahe, dass auch bei Menschen ähnlich den Tieren in einer Gefahrensituation derartige Systeme aktiviert werden. Wird das Furcht-System aktiviert, welches mit dem Sympathikus assoziiert ist, so erfolgt ein auf die Gefahr fokussiertes Kampf- oder Fluchtverhalten, während das Panik-System mit dem Parasympathikus assoziiert ist und zu Distress Vocalisations (Weinen oder Schreien) oder einer Freeze-Reaktion (muskuläres Erstarren bei hochgradiger vegetativer Erregtheit) führt. Eine weitere Reaktion, die über die Freeze-Reaktion des Panik-Systems hinausgeht und offenbar nur beim Menschen vorkommt, ist die Dissoziation (Unterbrechung der integrativen Funktionen des Bewusstseins oder des Gedächtnisses).[6] Das Panik-System wird vor allem dann aktiviert, wenn Flucht unmöglich und Kampf aussichtslos erscheinen.

Kollektive Panik[Bearbeiten]

In eng stehenden Gruppen können Menschen ihre gegenseitigen Reaktionen beobachten, auf diese reagieren und hierdurch miteinander kommunizieren. Dies führte gemäß dem Ansatz der Massenpsychologie von Le Bon zu der Vermutung, dass es aufgrund dieser Interaktion zur Ausbildung einer Massenseele komme.[7] Der Einzelne ist nach Annahme der Massenpsychologie von Le Bon dabei der Masse unterworfen, was zu einem Verlust des Verantwortungsgefühls sowie zu einer Zunahme von norm-verletzenden und irrationalen Verhaltensweisen führt. Dies legt die Vermutung nahe, dass in einer Gefahrensituation sich die Masse mit der Angst einzelner panischer Menschen anstecken könnte und die verängstigten Menschen ihre Panik zusätzlich gegenseitig verstärken. Weiterhin ist die Masse aufgrund der massenpsychologischen Effekte bezüglich des Fluchtimpulses miteinander verbunden. Allein aufgrund einer Panikansteckung drängt eine ganze Menschenmasse plötzlich und kollektiv zu den Ausgängen. Dies wird als Massenpanik bezeichnet.

Massenpaniken sind besonders gefährlich, wenn beispielsweise bei Feuer in einem geschlossenen Raum viele Menschen gleichzeitig ihre Selbstkontrolle verlieren. Im übermächtigen Fluchtreflex werden dann oft Schwächere blindlings umgerannt und niedergetrampelt. Türen werden durch Menschenknäuel verstopft, weil der Drang hinaus ein effektiveres Nacheinander verhindert. In solchen verstopfungsgefährdeten Ausgängen werden sogenannte Wellenbrecher eingesetzt. Das Konzept der Massenpanik als ein Hauptproblem bei Katastrophen ist allerdings wissenschaftlich umstritten.

Siehe auch: Massenpanik

Panikattacke[Bearbeiten]

Hauptartikel: Panikattacke

Eine Panikattacke ist definiert als plötzlicher Anfall mit einem extremen Angstgefühl, welcher ohne spezifischen Anlass aus völligem Wohlbefinden stattfindet. Der Betroffene entwickelt eine subjektiv erlebte dramatische körperliche Symptomatik (z. B. Herzrasen, Schwindel, Schwächegefühl, Atemnot etc.)[8] Die Symptomatik kann von Betroffenen zu Betroffenen variieren. In der Regel steigen die Symptome in den ersten Minuten sehr schnell an und bessern sich nach etwa 10 bis 30 Minuten. Nur in seltenen Fällen halten die Symptome länger an.

Panikstörung[Bearbeiten]

Hauptartikel: Panikstörung

Kommt es wiederholt zu Panikattacken ohne Vorhandensein einer objektiven Gefahr und führt dies zu einer Veränderung im Denken oder im Verhalten des Betroffenen, so spricht man von einer Panikstörung.[9]

Panik beim Sporttauchen[Bearbeiten]

Beim Tauchen kann Panik ausgelöst werden, wenn die bei Nacht oder bei trübem Wasser ungewohnt geringe Sichtweite unter die individuelle Fluchtdistanz sinkt, oder bei Problemen mit der Zufuhr von Atemluft. Der stärkste von der Panik unter Wasser ausgelöste Impuls ist der Drang zum Auftauchen. Das unkontrollierte, schnelle Auftauchen muss aber unter allen Umständen verhindert werden, da sonst potenziell lebensgefährliche Unfälle drohen, wie zum Beispiel eine Dekompressionserkrankung. Eine gewissenhafte Ausbildung und das häufige Trainieren von Notfallmaßnahmen können ein Aufkommen von Panik im Allgemeinen verhindern, wobei auch dem Tauchpartner eine sehr wichtige Rolle zukommt: Vertrauen in die Fähigkeiten des Tauchpartners verstärkt die Selbstsicherheit, und im Notfall kann das umsichtige und schnelle Handeln des Partners Leben retten.

Panik beim Sportfliegen[Bearbeiten]

Wenig geübte Motorflieger geraten bisweilen in Panik, wenn eine ungewohnte Situation beim Fliegen eintritt. Diese kann durch das Schütteln des Fluggeräts beim Durchqueren einer Wetterfront, aber auch durch eine plötzliche Veränderung oder gar einen technischen Ausfall der Intrumentenanzeigen ausgelöst werden. Am häufigsten ereignet sich Panik im Flug jedoch bei Orientierungsverlust, etwa bei einer Sichtbeeinträchtigung. In manchen Schulflugzeugen findet sich zur Einstellung der Flugschüler auf diese Situation im Cockpit ein (nicht funktionierender) verspottender Panic button (Panikknopf) angebracht. Warwitz[10] beschreibt und kommentiert den Albtraumflug eines Drachenflugschülers, der von Panik zu Panik taumelt, indem er den Strömungsabriss bei einer Windböe, dann die Saugkraft einer Wolke und schließlich das Nichtfinden des Landeplatzes fürchtet.

Umgang mit Panik[Bearbeiten]

In einer Paniksituation verliert der Akteur die Selbstbeherrschung und damit die Beherrschung einer Situation, was bei einer akuten realen Gefährdung höchst bedrohlich werden kann. Die Vermeidung einer solchen Lage lässt sich nur durch eine psychische Stabilisierung auf der Basis einer gefestigten Selbstsicherheit erreichen. Diese muss auf dem Bewusstsein eigenen Könnens und dem immer wieder bewiesenen erfolgreichen Risikomanagement in simulierten Situationen aufbauen. Beim Fliegen und anderen wagnishaltigen Handlungen müssen mögliche Krisensituationen immer wieder unter Anleitung eines sachkundigen Lehrers durchgespielt werden. Die Methode der graduellen Annäherung an gefahrenträchtige Ereignisse und das Sammeln entsprechender Notfallerfahrungen gehört zur normalen Ausbildung in Wagnissportarten. Zudem muss es vermieden werden, sich bereits vorgestresst in eine stresshaltige Gefahrenlage zu begeben. Es gehört zur Selbsterkenntnis und Selbstdisziplin der verantwortungsfähigen Persönlichkeit, die Lebenssituationen zu akzeptieren, die nachweislich das eigene Leistungsvermögen übersteigen, um panische Ausfälle zu vermeiden. Der Umgang mit Gefahrensituationen ist jedoch grundsätzlich erlernbar und lernpflichtig.[11]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Panik – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Referenzen[Bearbeiten]

  1. Horst Berzewski: Der psychiatrische Notfall. Springer-Verlag, S. 146.
  2. Agata Maria Schabowska: Prädiktion von Panikstörungen, Agoraphobien und somatoformen Störungen nach akutem einseitigen Ausfall des Gleichgewichtsorgans. (Dissertation) Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Carite, Universitätsmedizin Berlin.
  3. Bernhard Schneider: Die Simulation menschlichen Panikverhaltens. Springer, S. 48.
  4. Bernhard Schneider: Die Simulation menschlichen Panikverhaltens. Springer, S. 23.
  5. Manuel Rupp: Notfall Seele: Ambulante Notfall- und Krisenintervention in der Psychiatrie. S. 42.
  6. Ulrich Sachsse: Traumazentrierte Psychotherapie. Schattauer, 2004, S. 34.
  7. Christian Zacherle: Crowd Management – Möglichkeiten der Prävention und Intervention. GRIN Verlag, S. 16.
  8. Fabian Andor: Panik ist nicht gleich Panik. (Dissertation) Philosophische Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, Offenburg 2008, S. 10–14.
  9. Fabian Andor: Panik ist nicht gleich Panik. (Dissertation) Philosophische Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, Offenburg 2008, S. 5.
  10. Siegbert A. Warwitz: Fliegen - die Erfüllung eines Traums. In: Ders.: Sinnsuche im Wagnis. Leben in wachsenden Ringen. Baltmannsweiler 2001. Seiten 87 - 92
  11. Siegbert A. Warwitz: Die wundersame Wirkung des Wagens. In: Ders.: Sinnsuche im Wagnis. Leben in wachsenden Ringen. Baltmannsweiler 2001. Seiten 13 - 25
Gesundheitshinweis Bitte den Hinweis zu Gesundheitsthemen beachten!