Katastrophe

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Katastrophe (Begriffsklärung) aufgeführt.
Eine antike Katastrophe in der Rezeption der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts: Der letzte Tag von Pompeji, Gemälde von Karl Pawlowitsch Brjullow, 1830–1833

Eine Katastrophe (griechisch καταστροφή „Umwendung“, zusammengesetzt aus κατά katá für „herab-“ oder „nieder-“ und στρέφειν stréphein für „wenden“, also eigentlich „Wendung zum Niedergang“; auch Verheerung oder „Weltuntergang“ genannt) ist ein folgenschweres Unglücksereignis mitsamt dessen Folgen.

Allgemeines[Bearbeiten]

Eine Katastrophe ist im Zivil-, Bevölkerungs- und Katastrophenschutz eine größere Gefährdungs- und Gefahrenlage oder ein Schadenereignis. Ersteres umfasst drohenden, zweiteres eingetretenen Schaden.

Der Ausdruck „Wendung“ (Peripetie) „zum Schlechten“ stammt ursprünglich aus dem antiken griechischen Drama, und ist ein (im Drama zwingend erforderlicher) dramaturgischer Kunstgriff der Handlung, um durch neuerliche „Wendung zum Guten“ die Protagonisten – und mit ihnen das Publikum – einer Katharsis (Läuterung) zuzuführen oder für Fehlverhalten der Verdammnung anheim fallen zu lassen. Dadurch ist der Begriff bis heute sowohl ethisch besetzt und auch sozialromantisch verklärt, wie auch Gegenstand der Sensationslust. Eine nüchterne Bestimmung des Begriffs bereitet daher gewisse Schwierigkeiten. Eine fachliche Definition, die Kriterien zur Katastrophenfeststellung (Einstufung als Katastrophenzustand) gibt, lautet etwa:

„Katastrophen sind durch elementare oder technische Vorgänge oder von Menschen ausgelöste Ereignisse, die in großem Umfang das Leben oder die Gesundheit von Menschen, die Umwelt, das Eigentum oder die lebensnotwendige Versorgung der Bevölkerung gefährden oder schädigen.“

– Tiroler Katastrophenmanagementgesetz[1]

Eine andere Sichtweise zur Definition präzisiert den schwammigen „großen Umfang“ weiter durch das Verhältnis des Schadens zu den regionalen Hilfsmöglichkeiten:

„Katastrophen sind […] Großschadenereignisse, die […] von den für die Gefahrenabwehr zuständigen Behörden mit eigenen Kräften und Mitteln nicht angemessen bewältigt werden können.“

– Katastrophenschutzgesetz Berlin[2]

Solche Definitionen seitens des Gesetzgebers sind Basis der Anforderung weiterer Hilfsmaßnahmen, personeller und technischer Natur ebenso wie unbürokratischer schneller Hilfsgeldzahlungen. In diesem Sinne beschreibt der Begriff, dass die lokalen Strukturen und Kräfte mit der Situation überfordert sind, und ist von der Größenordnung (der Geographie wie der Betroffenen) unabhängig, kann also eine einzelne Wohnstelle oder Gemeinde ebenso betreffen wie einen ganzen Landstrich oder eine Nation. Typischerweise wird die Katastrophe in den Grenzen einer Verwaltungseinheit festgestellt.

Kriterien zur Definition[Bearbeiten]

Katastrophe im engeren Sinn ist eine länger andauernde und meist großräumige Schadenlage, die mit der normalerweise vorgehaltenen Gefahrenabwehr (Feuerwehr, Rettungsdienst, Polizei) nicht angemessen bewältigt werden kann und die nur mit überregionaler (oder internationaler) Hilfe und zusätzlichen Ressourcen (Militär sowie nicht-organisierte Bevölkerungsteile) unter Kontrolle gebracht werden kann.

Typisch dabei ist, dass durch das Ereignis (wie etwa Erdbeben, Hochwasser, Waldbrandserie)

  • die Infrastruktur (Straßen, Brücken, Wasserversorgung, Energieversorgung) beeinträchtigt und teilweise zerstört ist und/oder
  • die örtlichen Hilfskräfte und Hilfsressourcen (wie Polizei, Feuerwehr, Krankenhäuser) selbst geschädigt sind.

Regelmäßig kommt es zum Ausfall der Telekommunikationssysteme; sowohl wegen Überlastung als auch technischer Funktionsunfähigkeit. Mobilfunkanlagen können wie Festnetze beschädigt werden, aber auch bei Stromausfall nach einigen Stunden Batteriepufferung versagen.

Können dagegen nach mehrstündiger Anlaufphase, großräumiger Nachbarschaftshilfe aus nicht betroffenen Bereichen und Alarmierung von Hintergrunddiensten (dienstfreien Schichten, Freiwilligen Feuerwehren, Hilfsorganisationen wie dem Roten Kreuz, deren Schnelleinsatzgruppen sowie in Deutschland dem THW) die akuten Gefahren etwa binnen eines Tages im Wesentlichen beseitigt werden, so spricht man im engeren Sinn nur von einem „Massenunfall“, einem „Großschadenereignis“ beziehungsweise „Massenanfall von Verletzten der Stufe 1 oder 2“. Lokale Ereignisse werden in aller Regel nicht als Katastrophen eingestuft, weil zum einen das Schadenausmaß begrenzt bleibt, zum anderen aus der näheren Umgebung genügend freie Hilfskräfte herangeführt werden können.

Gemäß dieser Begrifflichkeit (nach DIN 13050, DIN 14011) war beispielsweise

  • das Oderhochwasser 1997 eine Katastrophe, auch wenn auf deutscher Seite keine Menschen zu Schaden kamen, weil die regionalen Kräfte zur Deichverteidigung und damit Gefahrenbeseitigung bei weitem nicht ausreichten. Nationale Unterstützung und massiver Einsatz der Bundeswehr wurde für das mehrwöchige Geschehen erforderlich; „normale“ Bürger befüllten Sandsäcke.
  • das ICE-Unglück von Eschede 1998 noch keine Katastrophe, weil innerhalb einiger Stunden die regionalen Feuerwehren und Rettungsdienste die Verletzten befreien und in Krankenhäuser bringen konnten. „Regional“ meint hier: Osthälfte Niedersachsens einschließlich Hamburg. Der Einsatz einzelner Hubschrauber zur weiteren Fernverlegung fällt dabei unter Nachbarschaftshilfe zur bestmöglichen Wiederherstellung der Gesundheit.

Die Akutphase ist diejenige, in der Gefahren für Menschen (unversorgte Verletzungen, aber auch Hunger, Seuchen, Kälte) weiter bestehen, Feuer unkontrolliert brennen oder das Wasser noch nicht sinkt. Nicht mehr zur Katastrophenlage zählen dagegen Aufräumungsarbeiten, Genesung und Wiederaufbau bei behelfsmäßiger Unterbringung und Versorgung betroffener Menschen.

Interpol verwendet aus polizeilicher Sicht (mit einem Schwerpunkt auf Identifizierung betroffener Personen und Getöteter) folgende Definition für eine Katastrophe:

„Eine Katastrophe ist ein unerwartetes Ereignis, bei dem zahlreiche Menschen getötet oder verletzt werden. Die Ereignisse, die zu Katastrophen führen können, sind vielfältiger Natur. Denkbar sind somit Einsätze nach Verkehrsunfällen, Naturkatastrophen, technischen Unfällen (Brand, Explosionen), terroristischen Anschlägen und kriegerischen Ereignissen. Hierbei ist zwischen einer offenen und einer geschlossenen Katastrophenform zu unterscheiden.
Eine „offene Katastrophe“ ist ein Großschadensereignis, bei dem eine Gruppe unbekannter Personen getötet wurde, über die es keine vorherigen Aufzeichnungen oder Zugehörigkeiten gibt. Bei diesen Ereignissen ist es schwierig, Angaben über die Zahl der Opfer zu erhalten.
Eine „geschlossene Katastrophe“ ist ein Großschadensereignis, bei dem eine Gruppe von Personen getötet wurde, die einem festen Kollektiv (z. B. Flugzeugabsturz mit Passagierliste) angehört. Handelt es sich um eine geschlossene Katastrophe, sind die antemortalen Vergleichsdaten i.d.R. schneller zu erheben. Denkbar sind auch Mischformen (Absturz eines Flugzeuges in ein Wohngebiet).“

– Disaster Victim Identification – Handbuch Interpol 2009[3]

Typologie[Bearbeiten]

Eingetretene oder drohende Katastrophen, pragmatisch aufgezählt, sind unter anderem:

Häufig unterscheidet man zwischen

  • Naturkatastrophen, das heißt Naturereignisse, denen Menschen ausgesetzt sind und die zum Ersticken, Ertrinken, Verdursten, Verhungern, Erfrieren, Verbrennen und Vergleichbarem führen (wie Meteoreinschläge, Vulkanausbrüche, Lawinen, Erd- und Seebeben, Hochwasser, Waldbrände u. a. m.) und
  • „technischen Katastrophen“.
    • Diejenigen sogenannten „technischen Katastrophen“, die eine verheerende ökologische Beeinträchtigung bedeuten, bezeichnet man auch als Umweltkatastrophen. Katastrophen im Straßenverkehr gehören häufig zu den technischen Katastrophen; sie sind unter anderen Kategorien, z. B. Brückeneinstürze oder Brand- und Explosionskatastrophen, zu finden.

Naturkatastrophen bis hin zur Klimakatastrophe sind in ihren Auswirkungen stets auch sozial beziehungsweise kulturell beeinflusst (sogar Man Made Disasters – siehe Hungersnot): Wenn Menschen Vulkanabhänge nicht besiedelt hätten, wäre ein Ausbruch oft keine „Katastrophe“.

Katastrophenmanagement[Bearbeiten]

Ein Katastrophenmanagement soll sicherstellen, dass in einem Notfall angemessen reagiert werden kann.

Es besteht im Allgemeinen aus:

  • Bedrohungs(Worst-Case-)Analysen
  • Definieren von wahrscheinlichen Katastrophenfällen
  • Festlegen von Handlungsanweisungen
  • Beschaffung notwendiger Mittel und Vorhaltung bzw. Bevorratung an geeigneten Orten
  • Simulation von Katastrophenfällen und Überprüfung, ob die für einen Notfall festgelegten Mittel und Verfahren wirksam sind

Katastrophenmanagement umfasst

Eine Auswahl schwerster Katastrophen[Bearbeiten]

Hauptartikel: Liste von Katastrophen
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Naturkatastrophen[Bearbeiten]

  • Die Spanische Grippe im Winter 1918/19 forderte 25 bis 50 Millionen Todesopfer; vor allem in Westeuropa, wo die Menschen nach Ende des Ersten Weltkriegs hungerten und unter anderen Folgeerscheinungen des Krieges litten.
  • 1883 brach der Vulkan Krakatau aus. Die bei diesem Vulkanausbruch in die Luft geschleuderte Asche verursachte weltweit einen kühlen Sommer und katastrophale Missernten.
  • Hurrikane:
    • Beim Hurrikan Katrina August 2005 kamen etwa 1.800 Menschen ums Leben. Der Sachschaden belief sich auf etwa 81 Milliarden US-Dollar. Die Stadt New Orleans war extrem betroffen: zwei Brüche im Deichsystem führten dazu, dass bis zu 80 Prozent des Stadtgebietes bis zu 7,60 Meter tief unter Wasser standen.
    • Beim Großen Hurrikan von 1780 starben 22.000 Menschen an Land und tausende Seeleute
    • Beim Hurrikan Mitch starben im Mittelamerika ca. 11.000 Menschen
    • Der Galveston-Hurrikan zerstörte 1900 die texanische Stadt Galveston und tötete etwa 8.000 Menschen
  • Sturmfluten:
    Die beiden bedeutendsten Sturmfluten im Europa des Mittelalters veränderten den Küstenverlauf drastisch: Inseln wurden zerstört, geteilt oder geschaffen, und große Landstriche des Festlands gingen über Nacht verloren. Es gab Zehntausende von Toten und Dutzende verlorene Dörfer.
    • Die Erste Marcellusflut (1219) schuf die Zuidersee, das heutige IJsselmeer, wobei etwa 36.000 Menschen starben.
    • Die Zweite Marcellusflut oder Grote Mandränke (1362) zerstörte 30 Dörfer in einer Nacht; infolge gebrochener Deiche versanken weitere 14 Dörfer. Viele andere Dörfer wurden für viele Jahre von der Umgebung abgeschnitten und wurden zu Inseln.
  • Eine Hungersnot ist manchmal eine Folge einer anderen Katastrophe, selten eine Katastrophe im Sinne der Definition unerwartetes folgenschweres Unglücksereignis. Missernten sind meist abzusehen; Indizien wie „steigende Preise für Lebensmittel (infolge eines zunehmenden Ungleichgewichts von Angebot und Nachfrage)“ sind regelmäßig Vorboten einer Hungersnot.

Zivilisatorische Katastrophen[Bearbeiten]

  • 1975 brach der Banqiao-Staudamm in der chinesischen Provinz Henan. Durch Kaskadeneffekt brachen insgesamt 62 hintereinander liegende Staudämme. Die Flutwellen töteten rund 85.000 Menschen; 145.000 starben durch Epidemien oder wirtschaftliche Folgeschäden.
  • Katastrophe von Bhopal 1984 : Aus einer Chemieanlage in Indien entweichendes Giftgas tötete zehntausende von Menschen akut oder längerfristig.
  • Nuklearkatastrophe von Tschernobyl 1986: Von diesem Kernkraftwerks-Unfall mit Freisetzung von Radioaktivität wird längerfristig mit 4.000 oder wesentlich mehr Todesfällen gerechnet.

Ein Vergleich mit Kriegsverlusten[Bearbeiten]

  • die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki töteten etwa 92.000 Menschen sofort. Weitere 130.000 Menschen starben bis Jahresende 1945 an den Folgen der beiden Angriffe, zahlreiche weitere an Folgeschäden und -erkrankungen in den Jahren danach.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Katastrophe – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. § 2 Begriffsbestimmungen Z. 1 Tiroler KatastrophenmanagementgesetzVorlage:§§/Wartung/alt-URL LGBl. Nr. 33/2006 St. 15
  2. Katastrophenschutzgesetz Berlin (PDF) § 2 Absatz 1; zuletzt geändert durch Gesetz vom 26. Januar 2004
  3. Disaster Victim Identification – Handbuch Interpol 2009, S. 3, Ziff. 1.4 Klassifizierung Katastrophe (Übersetzung von interpol.int