Pharmazeutisch-kaufmännischer Angestellter

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Pharmazeutisch-kaufmännischer Angestellter (PKA) ist in Deutschland die Berufsbezeichnung für einen kaufmännisch orientierten Ausbildungsberuf in der Apotheke. In Österreich lautet die offizielle Bezeichnung Pharmazeutisch-kaufmännischer Assistent, ebenfalls mit PKA abgekürzt. Der Beruf wird hauptsächlich von Frauen ausgeübt. Dieser Artikel beschreibt die Situation in Deutschland; die österreichischen Regelungen sind in allen Bereichen sehr ähnlich.

Geschichte[Bearbeiten]

Der PKA-Beruf wurde 1993 aus dem Beruf des Apothekenhelfers entwickelt, wobei auch das Berufsbild verändert wurde: Die Hauptaufgabengebiete des Apothekenhelfers waren die Warenbewirtschaftung und unterstützende Tätigkeiten (insbesondere mehrmals am Tag Postsendungen bearbeiten und dem pharmazeutischen Personal zuarbeiten).
Beim Berufsbild des PKA liegen zusätzliche Schwerpunkte nunmehr auf den kaufmännisch-verwaltenden Tätigkeiten, die in einer Apotheke typischerweise anfallen. Es wurde beabsichtigt, den PKA vermehrt mit Backoffice-Arbeiten (Buchführung, Rezeptabrechnung, Posteingang, Rechnungen/Lieferscheine schreiben, Büroorganisation etc.) zu betrauen.

Am 1. August 2012 trat die neue Verordnung über die Berufsausbildung zum/zur Pharmazeutisch-kaufmännischen Angestellten (PKA) in Kraft, die damit die Ausbildungsverordnung vom 3. März 1993 ablöste (BGBl. I S. 1456).

Ausbildung[Bearbeiten]

Der folgende Abschnitt berücksichtigt noch nicht die am 1. August 2012 in Kraft tretende Verordnung

Situation in Deutschland[Bearbeiten]

Als Voraussetzung für die Ausbildung zum PKA ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben. In der Praxis verfügen die meisten Auszubildenden über einen Realschulabschluss.[1] Die Ausbildung zum PKA dauert im Regelfall drei Jahre (bei Hochschulreife 2 Jahre). Bei der Ausbildung zum PKA handelt es sich um eine duale Ausbildung, das heißt sie findet in der Apotheke und in der Berufsschule statt. Der Unterricht in der Berufsschule vermittelt Grundkenntnisse in Betriebswirtschaftslehre, kaufmännischem Rechnen (auch Buchführung), Marketing, Werbung und zahlreichen weiteren kaufmännischen Aspekten des Apothekenalltages. Zusätzlich lernt man Wichtiges zu Arzneimitteln, Pflanzenschutz, Kosmetik, Diätprodukten u.v.m.

1. Ausbildungsjahr[Bearbeiten]

Lagerung der Waren; Arzneistoffe und Darreichungsformen; Arzneimittelgruppen; Arbeitssicherheit, Umweltschutz, Energie und Materialverwendung; Fachsprache; Textverarbeitung; Preisbildung; Verkaufsvorbereitung; Stellung der Apotheke im System gesundheitlicher Versorgung und in der Wirtschaft; Arbeits- und Sozialrecht; Berufsbildung

2. Ausbildungsjahr[Bearbeiten]

Preisbildung; Tätigkeiten nach der Apothekenbetriebsordnung; Arbeitssicherheit, Umweltschutz, rationelle Energie- und Materialverwendung; Warenbeschaffung; Arzneistoffe und Darreichungsformen, Arzneimittelgruppen; Warengruppen zur Anwendung am Menschen; Beratung und Verkauf; Anwendung der apothekenspezifischen Fachsprache; Büroorganisation; Informations- und Kommunikationsschwerpunkte, Textverarbeitung; Kaufmännische Steuerung und Kontrolle

3. Ausbildungsjahr[Bearbeiten]

Statistiken; Verkaufsvorbereitung; Werbung und Verkaufsförderung; Dienstleistungen; Pflanzenschutzmittel; Gesundheitsschutz und Erste Hilfe; Warengruppen zur Anwendung am Menschen; Beratung und Verkauf; Arbeits- und Sozialrecht; Preisbildung; Rezeptabrechnung; Lagerung; Warenwirtschaftssysteme; Kaufmännische Steuerung und Kontrolle; Warenbeschaffung; Arzneimittelgruppen; Arzneistoffe und Darreichungsformen; Tätigkeiten nach der Apothekenbetriebsordnung.

Situation in Österreich[Bearbeiten]

Grundsätzlich gibt es geringe organisatorische und inhaltliche Unterschiede (z.B. das Unterrichtsfach Laborpraktikum in Österreich) zur Ausbildung in Deutschland.

Der Stundenplan der angehenden Pharmazeutisch - kaufmännischen AssistentInnen beinhaltet die apothekenspezifischen Fachgegenstände Botanik und Pharmakognosie, Somatologie, Pathologie und Pharmakologie, Ernährungslehre, Körper- und Krankenpflegewaren, Apothekenkunde, Laborpraktikum, Chemie und Physik, berufsbezogenes Englisch, Kundenberatung und Werbetechnik sowie die kaufmännischen Fächer Rechnungswesen, Wirtschaftskundund Schriftverkehr und Textverarbeitung.

In Österreich gilt als Zugangsvoraussetzung eine abgeschlossene Ausbildung an einer Hauptschule und/oder einer Polytechnischen Schule. Der Lehrling absolviert eine dreijährige duale Ausbildung und schließt mit der Lehrabschlussprüfung als PKA ab.[2] Diese Prüfung gilt gleichzeitig auch als Abschluss für den Beruf des Einzelhandelskaufmanns. Verwandte Lehrberufe, wie z.B. Drogist oder Pharmatechnologe (Lehrberuf), können mit verkürzter Lehrzeit absolviert werden.[3] Die erfolgreiche Lehrabschlussprüfung ermöglicht in Österreich auch die Zulassung zur Berufsmatura (Berufsreifeprüfung) und in Folge zu weiteren Höherqualifizierungen, z. B. an Fachhochschulen.

Tätigkeitsbereiche[Bearbeiten]

Nach abgeschlossener Berufsausbildung finden pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte Beschäftigungsmöglichkeiten in öffentlichen Apotheken und Krankenhausapotheken. Auch in Drogeriemärkten, in Pharmalabors, in der Pharmaproduktion und im pharmazeutischen Großhandel können sie tätig werden.

Apotheke[Bearbeiten]

Aufgaben in der Apotheke:

  • Bestandsaufnahme der Arzneimittelvorräte
  • Ausführen der Bestellungen
  • Kontrollieren des Wareneingangs
  • Lagern und Auszeichnen sowie Einsortieren der Waren
  • Abfüllen und Abpacken von Arzneimitteln
  • Erledigen von kaufmännischen Arbeiten, z. B. Überprüfen von Lieferscheinen und Rechnungen sowie der Krankenkassenabrechnungen
  • Unterstützung des pharmazeutischen Apothekenpersonals bei der Herstellung von Eigenerzeugnissen, u.a. Rühren von Salben, Kapselherstellung, Mischen von bereits eingewogenen Präparaten
  • Beratung, Information, Verkauf apothekenüblicher Waren wie z. B. Kosmetika, Diätwaren, Verbandstoffe, Krankenpflegeartikel, Pflanzenschutzmittel
  • Gestalten und Dekorieren von Schaufenstern

Medikamente darf der PKA in der Apotheke nicht abgeben.

In Österreich ist der PKA Assistent des Apothekers - daher auch "pkAssistent" - und arbeitet unter seiner Aufsicht. Also eher eine Mischung aus den deutschen Berufen PKA und PTA. Sie stellen unter Aufsicht Rezepturen her und unterstützen die Apotheker beim Verkauf von Apothekenpflichtigen Arzneimitteln. Des Weiteren sind sie Spezialisten in den Gebieten; Dermokosmetik, Ernährung, Phytotherapie und Wellness. Hier beraten und verkaufen sie eigenständig, Kosmetika, Nahrungsergänzungsmittel, Medizinprodukte, Arzneimittel aus der "Abgrenzungsverordnung", usw.

"Nebenbei" erledigt der Pharmazeutisch-kaufmännische Assistent noch den Einkauf, und die Warenwirtschaft. Außerdem setzen sie Maßnahmen bei Lieferverzug und fehlerhaften Lieferungen. Auch für die Gestaltung der Apotheke und die Schaufenster ist der PKA zuständig.

Infos rund um den PKA Beruf in Österreich gibt es vom Österreichischen Apothekerveband unter www.pkainfo.at

Stellenmarkt[Bearbeiten]

Die Berufsaussichten für PKA sind eng mit der Situation der Apotheken verknüpft. Im Falle von nicht abwendbaren Stellenreduzierungen werden PKA meist vor PTA (Pharmazeutisch-technischer Assistent) entlassen, da letztere berechtigt sind, Arzneimittel abzugeben.

Verdienst[Bearbeiten]

Das Gehalt der PKA in der Apotheke hängt von den Berufsjahren und dem Bundesland ab, in dem die Tätigkeit ausgeübt wird. Eine Orientierung über die Bezahlung bietet der Gehaltstarif,[4]. Seit 1. Juli 2013 liegt die Vergütung zwischen 1.643 und 2.028 Euro für alle Kammerbezirke außer Sachsen und Nordrhein. Zum 1. Juli 2015 steigt die Vergütung auf 1.668 bis 2.058 Euro an. In Nordrhein gilt ein eigener Tarifvertrag, während in Sachsen keine Tarifbindung besteht. Die Tarifverträge im Apothekenwesen werden zwischen ADEXA - Die Apothekengewerkschaft und dem ADA (Arbeitgeberverband Deutscher Apotheken) bzw. der Tarifgemeinschaft der Apothekenleiter (TGL) Nordrhein abgeschlossen.

Weiterbildung[Bearbeiten]

  • Qualifizierungs- und Spezialisierungsmöglichkeiten
  • Teilnahme an Lehrgängen, Kursen oder Seminaren z. B. über EDV im kaufmännisch-betriebswirtschaftlichen Bereich, Training an Kassensystemen, Dekoration und Warenpräsentation, Ausbildung der Ausbilder, Arbeitstechniken im Handel
  • Aufstiegsfortbildung (nach entsprechender Berufspraxis)
  • Handelsfachwirt
  • Handelsassistent
  • Pharmareferent (geprüft)
  • Betriebswirt an der Abendschule (z. B.Controlling, IOM, Personalmanagement, Marketing als Schwerpunkt)
  • PTA

Berufskammer[Bearbeiten]

Als zuständige Stelle für die betriebliche Seite der PKA-Ausbildung genehmigt die Landesapothekerkammer Ausbildungsverträge, führt die Abschlussprüfungen durch und ist Ansprechpartner für alle Fragen von Ausbildern und Berufsnachwuchs. Grundsätzliche Probleme werden vom Berufsbildungsausschuss und vom Ausbildungsausschuss erörtert.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Pharmazeutisch-kaufmännischer Angestellter im Berufenet der Bundesagentur für Arbeit
  2. Ausbildungsverordnung des österreichischen Wirtschaftsministeriums (PDF; 95 kB), abgerufen am 26. Juli 2010.
  3. Berufs-und Weiterbildungsinfos des Instituts für Bildungsforschung der Wirtschaft: BerufsInformationsComputer (BIC), abgerufen am 26. Juli 2010.
  4. [1] des Arbeitgeberverbands Deutscher Apotheker (ADA) und der Apothekengewerkschaft ADEXA.

Weblinks[Bearbeiten]