Proaktivität

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Proaktivität (Adj. proaktiv) ist ein Neologismus aus dem Lateinischen (pro lat. ‚vor, für‘; activus lat. ‚tätig‘; wörtlich ‚voraushandelnd‘).

Es bezeichnet initiatives Handeln, im Gegensatz zu einem abwartenden reaktiven und beinhaltet auch eine besondere Bejahung des Handelns als innere Einstellung. Der Fremdwörter-Duden erfasst das Wort seit der 3. Auflage, 2003. Im angelsächsischen Sprachraum ist der Begriff deutlich weiter verbreitet.

Zum Begriff[Bearbeiten]

Während Aktivität nicht zwingend planvoll sein muss (z. B. in Form von blindem Aktionismus), setzt die Proaktivität eine antizipative Haltung und szenarienbasierte Vorüberlegungen voraus.

„Pro“ im Sinne von ‚vor‘[Bearbeiten]

Im deutschen Sprachraum wurde der Begriff Proaktivität 1946 von Viktor E. Frankl im psychologischen Kontext eingeführt. Er bezeichnet dort die bewusste Steuerung des eigenen Verhaltens unabhängig von äußeren Einflüssen, indem das Schema von Reiz und darauf folgender Reaktion durchbrochen wird. Weite Verbreitung fand der Begriff durch den Selbstfindungs-Bestseller 7 Wege zur Effektivität (The Seven Habits Of Highly Effective People, 1989) des US-amerikanischen Schriftstellers Stephen R. Covey. Der Begriff findet sich darüber hinaus vielfach im wirtschaftswissenschaftlichen Schrifttum oder in der Managementliteratur, in der deutschen u. a. bei Christian Scholz, Personalmanagement, 1989, S. 13. Scholz definiert: „Proaktivität bedeutet frühzeitiges Handeln, noch ehe die Umwelt das Unternehmen zu (reaktiven) Maßnahmen zwingt.“ Später erweitert Scholz den Begriff im Sinne einer Szenario-Technik: „[…] frühzeitiges und differenziertes Vorbereiten auf mindestens zwei unterschiedliche Umweltkonstellationen oder bewusstes Gestalten ausgewählter strategischer Tatbestände in eine Richtung […]“ (Personalmanagement, 5. Aufl. 2000).

Für andere Autoren büßt der so verstandene Begriff seine Trennschärfe ein und bezeichnet einen Sachverhalt, der sich auch allgemein mit dem Begriff Planung übersetzen lässt. So begreift etwa Wolfgang H. Staehle den Begriff Proaktivität (vgl. Management, 7. Auflage 1994, S. 575): Planung bedeute gerade das frühzeitige Vorbereiten auf antizipierte Umweltkonstellationen, das die Proaktivität für sich in Anspruch nimmt.

„Pro“ im Sinne von ‚für‘[Bearbeiten]

Die am häufigsten assoziierte Konnotation des Präfix pro ist nicht der vor-zeitliche Bezug zwischen zwei Ereignissen, sondern die parteiische Eingenommenheit für eine bestimmte Meinung, Sichtweise oder Auslegung. Demzufolge wird Proaktivität als produktives Handeln für das Eintreten des Gewünschten verstanden, im Gegensatz zu Verteidigung, der eher destruktiven Bekämpfung des Unerwünschten.

Verwendung in der Alltagssprache[Bearbeiten]

Die tatsächliche Bedeutung des Begriffs in der Alltagssprache hängt stark vom jeweiligen Kontext ab. Oft wird der Begriff floskelhaft und relativ inhaltsleer verwendet, meist soll er generell für positives Denken und entschlossenes, tatkräftiges, zupackendes Handeln stehen.

Seit einiger Zeit findet sich das Adjektiv proaktiv in Stellenanzeigen wieder, wo die ausschreibenden Personalverantwortlichen damit in der Regel die Fähigkeit meinen, vorausschauend tätig zu werden, Gelegenheiten zu erkennen und effizient zu nutzen, eigene Ideen zu entwickeln, einzubringen und zielgerichtet umzusetzen und in Entscheidungssituationen die Initiative zu ergreifen.

Auch in der Werbung kommt der Begriff proaktiv oder proactiv vor, allerdings in einem individuelleren und mehr auf den Körper bezogenen Bedeutungszusammenhang. Hier spielt er z. B. auf die Verwendung von probiotischen Kulturen an und soll assoziativ für vorbeugende Gesundheit und körperliche Leistungsfähigkeit stehen, im Gegensatz zu einer symptomatischen Behandlung schon eingetretener Erkrankungen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  • Viktor E. Frankl, Der Mensch auf der Suche nach Sinn, Ernst Klett Verlag Stuttgart, 1972, ISBN 3-451-01930-2

Weblinks[Bearbeiten]