Prometheismus

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Prometheismus (polnisch Prometeizm) war eine politische Bewegung in Polen und der Ukraine, die sich gegen den geopolitischen Einflussausbau der Sowjetunion richtete.

Sie war während des Ersten Weltkrieges vom polnischen Marschall Józef Piłsudski initiiert worden war. Durch Unterstützung separatistischer Bewegungen sollte die streckenweise Demontage des Vielvölkerstaates vorangetrieben werden, der ab 1918 mehrere ostmittel- und osteuropäische Länder annektiert hatte.

Unterstützt wurden von Polen aus speziell Unabhängigkeitsbestrebungen in der Ukraine, Weißrussland, Karelien, dem Baltikum, dem Kaukasus und in Zentralasien. Ergänzend zur Konzeption des Prometheismus bestand das Projekt einer hauptsächlich polnisch geführten Konföderation in Mittel- und Osteuropa namens Intermarum.[1]

Der Prometheismus war unter anderem aus dem Streben nach vollständiger Wiedererlangung staatlicher Unabhängigkeit aller slawischen Völker und dem Widerstand gegen die Ausweitung der Einflusssphäre der Sowjetunion in den Westen entstanden. Des Weiteren galt er als eine der Leitlinien für die polnische Außenpolitik zwischen 1918 und 1939.

1934 wurde die Organisation Prometeusz mit Sitz in Paris gegründet, deren Aktivität im aktiven finanziellen und technischen Beistand separatistischer Organisationen auf dem Gebiet der Sowjetunion bestand. Bei der Koordinierung der Tätigkeiten halfen auch die beiden gegründeten sowjetologischen Institute Instytut Wschodni in Warschau und Instytut Naukowo-Badawczy Europy Wschodniej in Wilno. Ableger befanden sich des Weiteren in Berlin, Harbin, Helsinki und Teheran.

Nach 1944 wurden die Anhänger des Prometheismus Opfer zahlreicher Repressionen. 1951 begann man damit, Informationen über führende Personen der Bewegung zu sammeln und nach Moskau zu schicken, stellte 1965 jedoch sämtliche Überwachungsoperationen ein.

Bedeutende Prometheaner[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Marek Kornat: Die Wiedergeburt Polens als multinationaler Staat in den Konzeptionen von Józef Piłsudski. Forum für osteuropäische Ideen- und Zeitgeschichte, 1/2011