Protuberanz

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Dieser Artikel befasst sich mit Sonnenprotuberanzen.

Protuberanz ist auch ein Fachbegriff

  • aus der Geflügelzucht und bezeichnet dort eine starke Erhöhung der Schädelplatten bei Hühnervögeln.
  • aus der Medizin bzw. Osteologie für z.B. wulstige Verdickungen an den erneut zusammengewachsenen Frakturstellen vormals gebrochener Knochen.
  • aus der Zahnradfertigung für das Freischneiden des Zahnfußes mit speziellen Verzahnungsfräsern. Dies geschieht, damit bei nachfolgenden Schab- oder Schleifarbeiten der Zahngrund nicht mehr berührt werden muss.
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Große Protuberanz, aufgenommen von Skylab. Weitere kleine Protuberanzen sind darüber und am linken Bildrand erkennbar

Protuberanzen sind heftige Materieströme auf der Sonne, die am Sonnenrand als matt leuchtende Bögen beobachtet werden können. In kleineren Dimensionen können sie auch innerhalb der Sonnenscheibe vorkommen und im roten H-alpha-Licht beobachtet werden. Erscheinen sie als dunkle, fadenförmige Strukturen vor der Sonnenscheibe, so werden sie Filamente genannt.

Arten[Bearbeiten]

Man unterscheidet zwei Arten von Protuberanzen:

  • Ruhende Protuberanzen sind Strukturen, deren Form sich oft Monate lang kaum verändert. Sie treten häufig in der Nähe von Sonnenflecken auf und werden durch starke Magnetfelder erzeugt und in ihrer Form gehalten. Dabei fließt Materie entlang der magnetischen Feldlinien oberhalb der Sonnenoberfläche. Sie kühlt ab und erscheint dunkler als die Umgebung. Bei Störungen der Magnetfelder fällt das Material auf die Oberfläche zurück. Die dabei auftretenden Leuchterscheinungen werden auch Hyder Flares genannt.[1]
  • Eruptive Protuberanzen (Koronale Massenauswürfe, auch aktive Protuberanzen genannt, oft auch allgemein Sonneneruption) sind Phänomene, die nur einige Minuten oder Stunden dauern. Hierbei wird Materie mit bis zu 1.000 km/s von der Sonne weggeschleudert. Sie entstehen manchmal aus ruhenden Protuberanzen, die nach dem Ausbruch meist wieder ihre alte Form annehmen.

Besonders starke Sonnenprotuberanzen treten etwa alle 11 Jahre auf. Während dieser Zeit sind in den Polgebieten der Erde häufiger als gewöhnlich Polarlichter zu beobachten.

Entstehung[Bearbeiten]

Die Entstehung einer Protuberanz beruht auf magnetischen Rekonnexionen in der Chromosphäre der Sonne. Effektiv winden sich magnetische Feldlinien aus dem komplexen Magnetfeld der Sonne heraus und ziehen dabei solares Plasma mit sich. Ähnlich dem Sonnenfleckenzyklus mit einer Länge von 11 bzw. 22 Jahren, beobachtet man auch bei Protuberanzen eine zyklische Veränderlichkeit der Indikatoren über einen Zeitraum von mehreren Jahren. Die Sonnenaktivität ist mit der Erscheinung von Protuberanzen außerordentlich stark korreliert.

Beobachtung[Bearbeiten]

Sonnenprotuberanz auf einer astronomischen Zeichnung des 19. Jahrhunderts (Trouvelot, 1881)
eruptive Protuberanz

Am besten lassen sich Protuberanzen bei einer totalen Sonnenfinsternis beobachten, bei denen sie als große Bögen erscheinen, die weit ins Weltall hinausragen. Oft haben sie eine Länge von einigen hunderttausend Kilometern, Höhen bis 40.000 km und 5.000 km Dicke. Besonders starke Ströme können auch über eine Million Kilometer weit über die Sonnenoberfläche aufsteigen, wobei der Bogen abheben kann und dabei die Materie ins Weltall schleudert.

Die Beobachtung von Protuberanzen war bis vor einigen Jahrzehnten nur während einer Sonnenfinsternis möglich, da die Leuchtkraft dieser Eruptionen um vieles schwächer als jene der Photosphäre ist. Seit der Erfindung von Geräten, die eine Art künstlicher Sonnenfinsternis erzeugen, sind jederzeit Beobachtungen und Messungen möglich. Beispiele sind:

Siehe auch[Bearbeiten]

Verweise[Bearbeiten]

  1. Nach Charles Hyder, der sie 1967 ausführlich beschrieb ([1])

Weblinks[Bearbeiten]