Rasselatmung

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Mit Rasselatmung, Präfinales Rasseln oder Todesrasseln (engl.: death rattle) [1] wird die geräuschvolle Atmung von Sterbenden in den letzten Stunden oder Tagen vor dem Tod bezeichnet. Eine Einschränkung der Flüssigkeitszufuhr kann die Dauer des Rasselatmens möglicherweise verkürzen.[2]

Das Geräusch entsteht dadurch, dass die betroffenen Personen nicht mehr fähig sind, Speichel reflektorisch zu schlucken oder Schleim hochzuräuspern oder abzuhusten. Dies verursacht wiederum eine lockere Obstruktion (Einengung) in den Luftwegen (vom Glottisbereich bis zu den Hauptbronchien).[3][4] Zudem können die schlaffen Schlundwände mit dem Atemstrom aneinander schlagen und für dieses Geräusch mit verantwortlich sein.[1]

Rasselatmung wird von dem Sterbenden in aller Regel nicht als Dyspnoe (Atemnot) und somit nicht als belastend wahrgenommen und ist sowohl bei wachen, als auch im Koma liegenden Patienten zu beobachten.[5] Angehörige glauben manchmal, in einer länger anhaltenden Rasselatmung den Beleg für Beschwerden und eine Untätigkeit der Behandler zu erkennen. Eine entsprechende, taktvolle Aufklärung ist in aller Regel hilfreich. Da Rasselatmung als Hinweis auf einen baldigen Tod anwesende Mitpatienten sehr belasten kann, ist das mit ein Grund, warum Sterbende in Krankenhäusern in der Regel in Einzelzimmer gebracht werden.

Pathophysiologie[Bearbeiten]

Die Sekretion von Speichel beziehungsweise Schleim erfolgt durch die Speicheldrüsen und die bronchiale Schleimhaut. Der Verlust des Schluck- und Hustenreflexes bewirkt eine Ansammlung der Sekrete in Rachen (Oropharynx) und Bronchien.[5]

Erscheinungsformen[Bearbeiten]

Nach Bennett[6] unterscheidet man zwei Typen des Rasselatmens.

Typ I[Bearbeiten]

Typ I des Rasselatmens entsteht durch eine erhöhte Speichelsekretion in den letzten Stunden eines bewusstlosen oder bewusstseinsgetrübten Patienten. Der Verlust des Schluckreflexes tritt plötzlich ein. Diese Form des Rasselatmens zeichnet sich durch ein besseres Ansprechen auf Anticholinergika aus.[5]

Typ II[Bearbeiten]

Typ II des Rasselatmens zeichnet sich durch eine überwiegend bronchiale Schleim-Sekretion aus, die über mehrere Tage gebildet wird. Der wache Patient ist dabei durch die zunehmende Schwäche nicht mehr in der Lage, wirksam zu husten. Die Wahrscheinlichkeit einer Lungenentzündung (Pneumonie) ist dabei sehr groß.[5] Je größer der zeitliche Abstand zwischen der Unfähigkeit des Abhustens und dem Versterben ist, desto eher entwickelt sich der Typ II.

Häufigkeit[Bearbeiten]

Das Rasselatmen ist das am häufigsten beobachtete Symptom während der letzten Stunden im Leben eines Menschen. Etwa 56 bis 92 % der sterbenden Menschen bekommen in dieser Phase Rasselatmung.[7][8][9]

Indikation[Bearbeiten]

Während die Sterbephase unter Exsikkose (Austrocknung durch Flüssigkeitsmangel und als Folge weniger Sekret und Rasselatmung) als nicht qualvoll beschrieben wird, erzeugt das mitunter laute Todesrasseln den Anschein eines qualvollen Todeskampfes. Daraus ergeben sich aus palliativmedizinischer Sicht oft objektive Zeichen des Stresses, die einer entsprechenden Symptomkontrolle beziehungsweise Behandlung bedürfen.

Das Todesrasseln ist ein für die Angehörigen und das Pflegepersonal unangenehmes Geräusch (Erhöhung der allgemeinen Stresssituation).

Behandlung[Bearbeiten]

Es wurde schon sehr früh versucht, durch Absaugen des Schleimes das Todesrasseln zu verhindern. Diese Maßnahme ist jedoch sinnlos und verursacht mehr Schaden als Nutzen, da der Absaugkatheter nicht tiefer als in den Mund oder Rachen reicht und das sich in der Luftröhre beziehungsweise den Bronchien befindliche Sekret so nicht erreicht werden kann. Ein Absaugkatheter führt daher lediglich zu einer erhöhten Sekretproduktion und kann häufig noch zusätzliche Blutungen auslösen.[3] Somit ist es wichtig, den Angehörigen zu erklären, dass das Rasselatmen ein typisches Symptom der Endphase ist und der Patient dabei im Allgemeinen keine Luftnot hat.[10]

Die subkutane Gabe von Scopolamin wird von einigen Autoren[11] als Behandlung vorgeschlagen und häufig auch so durchgeführt.[12] Die Ergebnisse zweier Studien sind bezüglich der Wirksamkeit allerdings widersprüchlich. Zumindest für den Typ I des Rasselatmens scheint die Wirksamkeit eher zweifelhaft zu sein. Glycopyrroniumbromid bewirkt offensichtlich eine deutlich stärkere Verringerung des Todesrasselns als Scopolamin.[13]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b  Cornelia Knipping (Hrsg.): Lehrbuch Palliative Care. 2 Auflage. Hans Huber, Bern 2007, ISBN 978-3-456-84460-2 (S. 472.).
  2. M. Thöns und M. Zenz: Restriktive Flüssigkeitszufuhr in der Terminalphase kann Leiden reduzieren. In: Palliativmedizin. 7, 2006. doi:10.1055/s-2006-954155.
  3. a b B. S. Husebø u. a.: Die letzten Tage und Stunden (PDF-Download; 252 kB)
  4.  E. Aulert, F. Nauck und L. Radbruch (Hrsg.): Lehrbuch der Palliativmedizin. Schattauer, 2007, ISBN 379452361X (S. 386ff).
  5. a b c d H. Husebö: Die letzten Tage und Stunden. Kavli Forschungszentrum für Demenz, Universität Bergen
  6. M. Bennett: Death rattle: an audit of hyoscine (scopolamine) use and review of management. In: J Pain Symptom Manage 12, 1996, S. 229–233. PMID 8898506
  7. R. Fainsinger u. a.: A perspective on the management of delirium in terminally ill patients on a palliative care unit. In: Journ Palliative Care 9, 1994, S. 4–8.
  8. A. Hughes u. a.: Management of death rattle. In: Palliative Medicine 11, 1997, S. 80–81.
  9. S. B. Husebø SB und S. Husebø: Palliativmedizin – auch im hohen Alter? In: Der Schmerz 2001.
  10. Gliemann S, 3. Fachtagung der Bayerischen Stiftung Hospiz am 13. Oktober 2003. Workshop „Allgemeine Symptomkontrolle“
  11. A. C. Hughes u. a.: Management of "death rattle". In: J Pain Symptom Manage 12, 1996, S. 271–272. PMID 8942121
  12. Palliativmedizin für alle alten Menschen. Abgerufen am 2. Oktober 2007
  13. E. Rupacher: Ergebnisse von zwei Studien zur Behandlung von Todesrasseln. (PDF; 624 kB)

Weblinks[Bearbeiten]

Weiterführende Literatur[Bearbeiten]

  • B. Hipp und M. Letizia: Understanding and responding to the death rattle in dying patients. In: Medsurg Nurs 18, 2009, S. 17–21. PMID 19331295 (Review)
  • B. Wee und R. Hillier: Interventions for noisy breathing in patients near to death. In: Cochrane Database Syst Rev 2008, CD005177. PMID 18254072 (Review)
  • K. Bickel und R. M. Arnold: Death rattle and oral secretions – second edition #109. In: J Palliat Med 11, 2008, S. 1040–1041. PMID 18788968
  • B. Wee u. a.: Death rattle: its impact on staff and volunteers in palliative care. In: Palliat Med 22, 2008, S. 173–176. PMID 18372381
  • B. L. Wee u. a.: The sound of death rattle I: are relatives distressed by hearing this sound? In: Palliative Medicine 20, 2006, S. 171–175. PMID 16764221
  • B. L. Wee u. a.: The sound of death rattle II: how do relatives interpret the sound? In: Palliative Medicine 20, 2006, S. 177-181. PMID 16764222
  • E. J. Kompanje: "The death rattle" in the intensive care unit after withdrawal of mechanical ventilation in neurological patients. In: Neurocrit Care 3, 2005, S. 107–110. PMID 16174877
  • J. L. Spiess und S. D. Scott: Anticholinergic agents for the treatment of "death rattle" in patients with myasthenia gravis. In: Journal Pain Symptom Manage 26, 2003, S. 684–686. PMID 12850651
  • M. I. Bennett: Death rattle: an audit of hyoscine (scopolamine) use and review of management. In: J Pain Symptom Manage 23, 2002, S. 310–317. PMID 8898506
  • R. Leinmüller: Schmerztherapie im Alter: Ein Armutszeugnis. In: Deutsches Ärzteblatt 98, 2001, S. A-801/B-661/C-617
  • S. Eychmüller: Flüssigkeitssubstitution in der Terminalphase - eine kontroverse Diskussion. In: Der Schmerz 15, 2001, S. 357–361. doi:10.1007/s004820170010
  • S. Kränzle: Atemnot. (PDF-Datei; 782 kB)
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