Register (Akkordeon)

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Register bezeichnet beim Akkordeon die verschiedenen Kombinationsmöglichkeiten der eingebauten Stimmplattensätze, die auch als Chöre bezeichnet werden.

Diskantregister[Bearbeiten]

Diskantregister einer Hohner Morino VN, Baujahr 1966

Bis zu fünf Stimmplattensätze können im Diskant vorhanden sein. Die Schweizer Marken Eichhorn und Record stellten in beschränktem Umfang auch sechs-chörige Instrumente her. Die Grundausstattung bildet der Stimmplattensatz in mittlerer Tonhöhe (M, middle octave). Ist ein Chor um eine Oktave tiefer, wird er mit L (lower octave) angegeben. Ist ein Chor um eine Oktave höher, wird dieser mit H (higher octave) angegeben. In Analogie zu Orgelregistern werden die Lagen auch mit 16' (16 Fuß, tiefe Oktave), 8' (mittlere Oktave), und 4' (hohe Oktave) bezeichnet.

Sind mehrere Chöre in gleicher Lage wie M und MM eingebaut, sind diese gegeneinander etwas verstimmt, damit sich ein Schwebungseffekt, auch Tremolo genannt, ergibt. Einige Musiker, vor allem in der Folkszene, verzichten auf diesen Effekt und stimmen die Platten im Tremolo genau gleich. Dadurch wird ein satterer Klang erzielt. MMM bedeutet eine Doppelschwebung, auch Doppeltremolo genannt. Hier sind also drei Chöre in gleicher Lage jeweils leicht gegeneinander verstimmt, wodurch eine stärkere Schwebung als bei nur zwei Chören (M+MM) entsteht.

Zur Unterscheidung vom M = 8' wird MM alternativ mit 8° und MMM mit 8o bezeichnet. Bei fünfchörigen Instrumenten sind normalerweise die Chöre L+M+MM+MMM+H entsprechend 16' + 8' + 8° + 8o+4' vorhanden. In Einzelfällen gibt es auch die Besetzung mit 16' + 8' + 8' + 4' + 22/3. Diese Besetzung wird auch als Quintmixtur bezeichnet, da der 22/3'-Chor eine Quinte über dem 4'-Chor klingt. Hier sind die beiden 8'-Chöre nicht absichtlich gegeneinander verstimmt und unabhängig voneinander registrierbar. Der 16'-Chor und ein 8'-Chor können sich aber in einem Cassotto befinden. Diese Bauweise gibt es auch bei vierchörigen Instrumenten mit der Besetzung 16' + 8' + 8' + 4'. Solche Instrumente dienen unter anderem der Interpretation von Barockmusik.

Die technische Ausführung der Diskantregister entspricht der einer Schleiflade bei der Orgel. Für die Betätigung der Register existieren zwei Systeme. Bei dem konstruktiv einfacheren System ist jede Schleife direkt mit einem Registerzug verbunden. Die Registerzüge befinden sich, wenn das Instrument in Spielposition gehalten wird, an der Oberseite des Instruments. Bei diesem System erfordert ein Registerwechsel eine Unterbrechung des Spiels auf der Diskantseite. Dieses System findet sich vor allem bei kleineren Instrumenten. Das konstruktiv komplexere System verwendet Wippen, die sich oberhalb der Klaviatur befinden und somit ein schnelles Umregistrieren auf der Diskantseite ermöglichen. Bei diesem System sind üblicherweise alle Einzelchöre mit Ausnahme des Tremolos und Doppeltremolos sowie alle sinnvollen Chorkombinationen über jeweils eine Wippe registrierbar, wobei beim Drücken einer Wippe alle anderen Wippen zurückgesetzt werden. Dieses System entspricht funktional den festen Kombinationen bei einer Orgel. Dieses System wird vor allem bei größeren Instrumenten eingesetzt und ist bei chromatischen Piano- und Knopfgriffakkordeons mit registrierbaren Chören Standard.

Symbole[Bearbeiten]

In der Akkordeonliteratur haben sich grafische Symbole zur Registrierung durchgesetzt. In einem dreigeteilten Kreis wird durch Punkte dargestellt, wie viele Chöre in der jeweiligen Tonhöhe klingen. Dieses System versagt allerdings, wenn als fünfter Chor der sehr seltene 22/3' vorhanden ist. Darüber hinaus findet man vor allem in älterer Literatur noch weitere Notationen, mit Buchstabenkombinationen oder übereinander geschriebenen Ziffern.

  • Buchstaben: Hier werden die Buchstaben P (piccolo) für die hohe, E (einchörig) für die mittlere und O für die tiefe Oktave verwendet. Mehrere Chöre in mittlerer Oktave werden mit T (Tremolo) und das volle Werk, also alles was vorhanden ist, mit V abgekürzt. Natürlich gibt es auch hier alle möglichen Kombinationen (siehe nachfolgende Tabelle). Daneben finden sich auch die oben erwähnten englischen Buchstabenkürzel (L, M, MM, MMM, H).
  • Ziffern: In diesem Fall werden meist 3 Ziffern übereinander geschrieben. Die jeweilige Ziffer sagt aus, wie viele Chöre in der jeweiligen Tonhöhe gespielt werden. So bedeutet 0/3/1: keine hohe Oktave (0), mit Doppeltremolo (3) und mit tiefer Oktave (1).

Gelegentlich, vor allem bei „klassischer“ Literatur, findet sich auch die oben erwähnte Angabe der Fußlagen. Hier eine Tabelle mit den verbreitetsten Registern in der jeweiligen Notation.

Akkordeonregister P.jpg P H 1/0/0 4' hohe Oktave
Akkordeonregister E.jpg E M 0/1/0 8' einchörig, mittlere Oktave
Akkordeonregister O.jpg O L 0/0/1 16' tiefe Oktave
Akkordeonregister OE.jpg OE L+M 0/1/1 16' + 8' einchörig, mittlere Oktave + tiefe Oktave
Akkordeonregister EP.jpg EP M+H 1/1/0 8' + 4' einchörig, mittlere Oktave + hohe Oktave
Akkordeonregister OEP.jpg OEP L+M+H 1/1/1 16' + 8' + 4' einchörig, mittlere Oktave + hohe Oktave + tiefe Oktave
wird auch als Grundreihe bezeichnet
Akkordeonregister OP.jpg OP L+H 1/0/1 16' + 4' tiefe Oktave + hohe Oktave
Akkordeonregister T2choerig.jpg T M+MM 0/2/0 8' + 8° zwei gleiche Chöre (Tremolo)
Akkordeonregister OT2choerig.jpg OT L+M+MM 0/2/1 16' + 8' + 8° Tremolo + tiefe Oktave
Akkordeonregister TP2choerig.jpg TP M+MM+H 1/2/0 8' + 8° + 4' Tremolo + hohe Oktave
Akkordeonregister OTP2choerig.jpg V L+M+MM+H 1/2/1 16' + 8' + 8° + 4' volles Werk (4-chöriger Diskant)
Akkordeonregister T.jpg T M+MM+MMM 0/3/0 8' + 8° + 8o drei gleiche Chöre (Doppeltremolo)
Akkordeonregister OT.jpg OT L+M+MM+MMM 0/3/1 16' + 8' + 8° + 8o Doppeltremolo + tiefe Oktave
Akkordeonregister TP.jpg TP M+MM+MMM+H 1/3/0 8' + 8° + 8o + 4' Doppeltremolo + hohe Oktave
Akkordeonregister OTP.jpg V L+M+MM+MMM+H 1/3/1 16' + 8' + 8° + 8o + 4' volles Werk (5-chöriger Diskant)

Ergänzend sei noch erwähnt, dass eine Unterscheidung zwischen Tremolo und Doppeltremolo so gut wie nicht vorkommt, da nur wenige Instrumente unterschiedliche Register für diese beiden Klangfarben haben.

Ausführung[Bearbeiten]

Die Registerschalter können als Kippschalter über der Diskantseite angeordnet sein oder als Hebel auf der Rückseite der Diskanttastatur. Es gibt auch sogenannte Kinnregister, die als Knöpfe ähnlich den Bassknöpfen ausgeführt sind und das schnelle Umregistrieren mit dem Kinn ermöglichen ohne den Spielfluss unterbrechen zu müssen.

Bassregister[Bearbeiten]

Die Registerschalter für den Bass sind meist als Kippschalter zwischen Basstastatur und Balg angeordnet. Auch damit können verschiedene Kombinationen der in Oktavabständen stehenden Stimmplattensätze ausgewählt werden. Kleine Instrumente haben oft keine solchen Bassregister. Dafür kann bei Instrumenten, die nur über Grundbässe und Durakkorde verfügen, mit einem Registerschalter die Terz aus den Durakkorden abgeschaltet werden, wodurch behelfsmäßig ein Spiel in Molltonarten mit Bassbegleitung ermöglicht wird.

Im Gegensatz zu den Diskantregistern sind im Standard- oder Stradella-Bass sowohl die Oktavlagen der Einzelchöre als auch die Registerzusammensetzungen vom Einzelinstrument abhängig, ohne dass sich herstellerübergreifende Standards etabliert hätten. Viele Instrumente verzichten auf eine Bezeichnung der Register, und Komponisten verzichten meist auf Bassregisterangaben in ihren Stücken, soweit diese nicht auf Melodiebass zu spielen sind.