Reiterdenkmal (Windhoek)

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Reiterdenkmal
Nationales Denkmal in Namibia Flag of Namibia.svg
Südwest Reiter Windhoek.jpg
Denkmaltyp Reiterdenkmal
Lage Windhoek
Geographische Koordinaten: 22° 34′ 7″ S, 17° 5′ 16″ O-22.56861111111117.087777777778Koordinaten: 22° 34′ 7″ S, 17° 5′ 16″ O
Reiterdenkmal (Windhoek) (Namibia)
Red pog.svg
Entstehung 27. Januar 1912
Anerkennung
durch den Rat für Nationales Erbe
1969
Aberkennung 2014
Trägerschaft Namibisches Nationalmuseum
Website

Das Reiterdenkmal (auch Südwester Reiter) ist ein Standbild in Windhoek und stand bis zu seinem Abbau am 25. Dezember 2013 vor der Alten Feste an der Robert Mugabe Avenue (früher Leutweinstraße). Das Reiterdenkmal wurde am 27. Januar 1912 eingeweiht und soll an die Kolonialkriege des deutschen Kaiserreichs gegen die Herero und Nama von 1903 bis 1907 in Deutsch-Südwestafrika erinnern.

Das Reiterdenkmal nach dem Entwurf des Berliner Bildhauers Adolf Kürle zeigt einen überlebensgroßen Schutztruppenreiter in Uniform. In seiner linken Hand hält er die Zügel seines ruhig dastehenden Pferdes, mit der Rechten umgreift er ein Gewehr, welches er auf seinem Oberschenkel abstützt. Der bronzene Reiter steht auf einem Sockel aus unbehauenen Granitblöcken. Die Statue ist 4,5 Meter hoch, die Gesamthöhe betrug 9,5 Meter [1]. In der Vorderseite des Sockels ist eine Widmungstafel eingelassen, die die Opfer der Kolonialkriege auf deutscher Seite aufzählt.

Generell war das Denkmal in kontroverser Betrachtung und Diskussion, da es als Sinnbild der deutschen Kolonialzeit angesehen wird. So wurde es in der Vergangenheit mehrfach Ziel von Aktionen wie dem Anbringen einer Namibiafahne.[2]

Deproklamierung 2014[Bearbeiten]

Der namibische Denkmalrat hat per Anzeige in zwei Tageszeitungen am 20. Dezember seinen Vorschlag bekanntgemacht, dem Reiter den Status eines Nationalen Denkmals (proklamiert am 2. Januar 1969) abzuerkennen. Dies Aberkennung wurde am 31. Juli 2014 bekannt gegeben. Am letzten Standort wurde Anfang März 2014 ein neuer Sockel mit den Statuen zweier Personen errichtet, die an den Kolonialkrieg erinnern sollen.[3]

Umzug[Bearbeiten]

Das Monument wurde am 20. August 2009 abgebaut, weil an dieser historischen Stelle der Neubau des namibischen Unabhängigkeitsmuseums entsteht.[4] Das Denkmal sollte abgerissen und vernichtet werden, obwohl es zu dem Zeitpunkt den rechtlichen Status eines Nationaldenkmals einnahm. Der Deutsche Kulturrat hat daraufhin einen Umzug auf eigene Faust initiiert und organisiert.[5] Die Verschiebung war dennoch umstritten. So haben sich bei einer Umfrage unter 1.427 Farbigen[6] 87 % gegen den Umzug und für den Verbleib des Denkmals ausgesprochen. Der Umzug hat insgesamt N$ 773.000 an Sach- und Geldwerten gekostet.[7]

An seinem neuen Standort, 100 Meter weiter südlich vor dem Haupteingang der Alten Feste, wurde das Reiterdenkmal am 14. November 2010 erneut eingeweiht.[8]

Erneuter Umzug[Bearbeiten]

Errichtung einer neuen Statue am zweiten Standort des Reiterdenkmals (Februar 2014)

Aus Anlass des Heldentages am 26. August 2013 hat Staatspräsident Pohamba den endgültigen Abbau des Reiterdenkmals empfohlen.[9] Da am jetzigen Standort des Reiterdenkmals zwei Statuen durch das nordkoreanische Bauunternehmen Mansudae Overseas Projects erbaut werden sollen, soll das Reiterdenkmal erneut umziehen. Diesmal soll es in den Innenhof der Alten Feste versetzt werden.[10]

Das Standbild wurde unter strengen Sicherheitsmaßnahmen am Abend des 25. Dezember 2013 erneut abgebaut[11] und anschließend in den ebenfalls abgeriegelten Hof der Alten Feste transportiert. Dort soll es in einer Ecke auf einer Betonfläche aufgestellt werden.[12] Der Sockel wurde in den folgenden Tagen zerstört, die Gedenktafel durch schweres Gerät beschädigt und ebenfalls in den Innenhof verbracht.[12] Innerhalb der Einspruchsfrist zur Aberkennung des Status als Nationaldenkmal gingen mindestens 2200 Einsprüche beim namibischen Denkmalrat ein.[13]

Während der Wunsch nach einer erneuten Versetzung auch bei Kritikern auf Verständnis traf, löste die überraschende nächtliche Aktion unter großem Polizeiaufgebot Empörung aus.[14]

Inschrift der Widmungstafel[Bearbeiten]

Inschrift der Widmungstafel

Zum ehrenden Angedenken an die tapferen deutschen Krieger, welche fuer Kaiser und Reich zur Errettung und Erhaltung dieses Landes waehrend des Herero- und Hottentottenaufstandes 1903 bis 1907 und waehrend der Kalahari-Expedition 1908 ihr Leben ließen. Zum ehrenden Andenken auch an die deutschen Buerger, welche den Eingeborenen im Aufstande zum Opfer fielen. Gefallen, Verschollen, verunglueckt, ihren Wunden erlegen und an Krankheiten gestorben, von der Schutztruppe: Offiziere 100, Unteroffiziere 254, Reiter 1180, von der Marine: Offiziere 7, Unteroffiziere 13, Mannschaften 72, im Aufstande erschlagen: Maenner 119, Frauen 4, Kinder 1.

Fotos[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Reiterdenkmal Windhoek – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten]

  • Namibia Wissenschaftliche Gesellschaft (Hrsg.): Reiterdenkmal - 1912–2014 - Eine chronologische Dokumentation anhand von Berichten, Zeitungsartikeln und Bildermaterial. Kuiseb Verlag, 2014, ISBN 978-99945-76-24-1 (online)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. [1]
  2. Allgemeine Zeitung Windhoek, 24. Oktober 2008
  3. Notice of Removal of Equestrian Statue Monument as National Monument from National Heritage Register, National Heritage Act 2004. National Heritage Council of Namibia, 31. Juli 2014, Nr. 274
  4. namibiansun.com: Historic museum nears completionHISTORIC, 29. Dezember 2011, Zugriff am 3. Januar 2012
  5. AZ - Allgemeine Zeitung - Standbild in Windhoek zieht jetzt um
  6. [2]
  7. Teurer Umzug, Allgemeine Zeitung, 5. Mai 2010
  8. Dirk Heinrich: Reiterdenkmal am neuen Standort eingeweiht, Allgemeine Zeitung, 15. November 2010, Zugriff am 8. April 2012
  9. Der Reiter muss weg. Allgemeine Zeitung, 27. August 2013 abgerufen am 27. August 2013
  10. Kompromiss zum Reiterdenkmal. Allgemeine Zeitung (Windhoek), 22. Oktober 2013, abgerufen am 24. Oktober 2013.
  11. 26.12.2013 Nachrichten am Morgen. Hitradio Namibia, 26. Dezember 2013 abgerufen am 26. Dezember 2013
  12. a b Beschädigte Gedenktafel in der Alten Feste. Allgemeine Zeitung, 8. Januar 2014 abgerufen am 8. Januar 2014
  13. 18.02.2014 Nachrichten am Morgen. Hitradio Namibia, 18. Februar 2014 abgerufen am 15. März 2014
  14. Namibier äußern Erstaunen und Entsetzen. Allgemeine Zeitung, 27. Dezember 2013 abgerufen am 28. Dezember 2013