Repnin-Sejm

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Der russische Botschafter Repnin, eine wichtige Person der Politik Polens und Russlands im 18. Jahrhundert
Bischof Józef Andrzej Załuski, der Gründer der ersten öffentlichen Bibliothek in Polen
Bischof Kajetan Sołtyk, ein führender Oppositioneller des Repnik-Sejms
Wacław Rzewuski, Politiker und Militär (Hetmann)

Der Repnin-Sejm (polnisch: Sejm Repninowski) war ein Sejm, der zwischen 1767 und 1768 in Warschau in Polen-Litauen zusammentrat. Er folgte den Sejms von 1764 und 1766, in denen es König Stanislaw Poniatowski wenigstens teilweise durch Reformen gelungen war die Regierung Polen-Litauens zu stärken. Diese Reformen wurden von Polens Nachbarstaaten, die ein schwaches Polen bevorzugten und denen eine mögliche Bedrohung ihrer eigenen politischen Pläne missfiel, als Gefahr eingeschätzt.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Abgesandte des Russischen Reichs zu Warschau, Botschafter Fürst Nikolai Repnin (nach dem der Sejm benannt wurde), erhielt von der russischen Zarin Katharina der Großen den Befehl, durch Bestechung und Druckmittel die Abgeordneten des Sejms dazu zu bewegen, eine Gesetzgebung nach den Vorstellungen Russlands zu beschließen, tatsächlich ein behutsam entworfener Plan zur Zerstörung der Adelsrepublik. Zu dieser Zeit hatte das Königreich etwa 11,5 Millionen Einwohner, von denen etwa 1 Million nicht katholischer Konfession waren. Bei seinen Vorbereitungen schürte Repnin Unruhe unter den religiösen Minoritäten des Königreichs, den Protestanten (größtenteils im Preußen Königlichen Anteils und Großpolen) und den Orthodoxen (größtenteils im Großfürstentum Litauen), die mit den Katholiken rechtlich gleichgestellt werden wollten.[1]

Repnin war bewusst, dass ein vom katholischen Adel dominierter Sejm diesen Forderungen vehement widersprechen würde. Er rechnete ebenfalls damit, dass diese Forderungen dazu führen würden, dass die Szlachta gegen alle Reformen eingenommen werden würde. Dies beinhaltete auch die Reformen König Stanisław August Poniatowskis und seiner Unterstützer aus der Magnatenfamilie Czartoryski, die bereits aufgrund ihrer Rolle als vom Ausland beeinflusste Neuerer unbeliebt waren. Repnins Kalkulationen erwiesen sich beim Sejm von 1766 als zutreffend, indem nicht nur den Forderungen der religiösen Minderheiten eine Absage erteilt wurde, sondern auch sämtliche Reformen des Königs zurückgenommen wurden. Dies schwächte die Position Poniatowskis und die prosächsische Partei, angeführt von Gabriel Podoski, begann eine Kampagne zu seiner Entthronung.

Repnin wusste zwar, dass man an den anderen Höfen Europas einer solchen Maßnahme niemals zustimmen würde, förderte das Vorhaben jedoch insgeheim zu seinen eigenen Zwecken. Angesichts weiterreichender russischer Zielsetzungen ermutigte er die Bildung zweier protestantischer Konföderationen (zu Sluzk und Toruń) und später eine katholische Konföderation (Konföderation von Radom), angeführt von Karol Stanisław Radziwiłł[2].

Die erste Maßnahme der Radomer Konföderation war die Entsendung einer Gesandtschaft nach St. Petersburg, um der Zarin die Bitte um die Garantie der Freiheiten der Adelsrepublik vorzutragen und um vorzuschlagen, dass eine angemessene Gesetzgebung durch den russischen Botschafter zu Warschau festgesetzt werden sollte. Mit der Gewissheit, dass russische Truppen entsendet worden waren, um die vielen pro-russischen Gruppierungen zu beschützen und dieser carte blanche im Gepäck ging Repnin dazu über die Sejmabgeordneten zu behandeln, als seien sie bereits Untertanen der Zarin.

Trotz des Widerstands durch einige Mitglieder des Sejm, angeführt von Wacław Hieronim Sierakowski (1699–1784), Bischof von Lemberg, Feliks Paweł Turski, Bischof von Chełm (1729–1800), Kajetan Ignaty Sołtyk, Bischof von Krakau (1715–1788), und Józef Andrzej Załuski, Bischof von Kiew (1702–1774), war Repnins Macht zu groß, als dass ihr die Opposition etwas hätte entgegensetzen können. Um der Opposition das Rückgrat zu brechen, ordnete Repnin in der Hauptstadt Warschau die Verhaftung von vier der wichtigsten Oppositionsführer an,[3] darunter: Józef Andrzej Załuski[4], Kajetan Sołtyk[5] und Hetmann Waclaw Rzewuski samt seinem Sohn Seweryn. Alle von ihnen waren Mitglieder des polnischen Senats und wurden von den russischen Truppen am 13. Oktober 1767 verhaftet[6] und in Kaluga für fünf Jahre gefangen gehalten.

Durch die polnischen Adligen, die er bestach (wie Gabriel Podoski, Primas von Polen), oder bedrohte, durch die Anwesenheit von über 10.000 russischen Soldaten in Warschau[3] und selbst in den Kammern des Parlaments diktierte Repnin – trotz einiger Bedenken angesichts der Methoden, zu denen er angehalten wurde[7]de facto die Bedingungen dieses Sejms.[8] Dieser eingeschüchterte Sejm, der im Oktober 1767 zusammentrat und bis zum Februar 1768 andauerte, berief eine Kommission (den sogenannten Delegierten Sejm), die in „stillen Sitzungen“ (ohne Debatte) zum 27. Februar 1768 einen polnisch-russischen Vertrag ausarbeitete.[9] Der Sejm nahm darüber hinaus einige der königlichen Reformen von 1764 zurück und stellte sicher, dass das politische System Polen-Litauens ineffektiv und vom Ausland leicht zu kontrollieren sein würde. Das Liberum Veto, die freie Wahl, Neminem captivabimus, die Rechte eine Konföderation oder einen Rokosz zu bilden – in anderen Wörtern: alle wichtigen, alten Privilegien des Adels die das politische System (Goldene Freiheit) Polen-Litauens so unregierbar machten[10] – wurden als unveränderliche Kardinalrechte bestätigt.[11]

Der Repnin-Sejm erließ allerdings auch einige fortschrittliche Reformen. Russland, das den Vorwand der zu gewährenden religiösen Freiheiten für Protestanten und Orthodoxe genutzt hatte, um Polen-Litauen zu destabilisieren, musste nun diese Reformen durch den Sejm bringen, um sein Gesicht zu wahren. Der Sejm gewährte somit den religiösen Minderheiten den gleichen Status wie auch den römisch-katholischen Einwohnern und limitierte einige der Privilegien des katholischen Klerus. Darüber hinaus wurde die Strafe für die Tötung von Bauern von einem Bußgeld auf die Todesstrafe verschärft, das Liberum Veto wurde für Sejmiks abgeschafft und eine Münze wurde ins Leben gerufen. Sämtliche dieser Reformen wurden von der russischen Zarin Katherina II. verbürgt.

Der Repnin-Sejm markierte einen wichtigen Meilenstein bezüglich der polnischen Abhängigkeit vom Russischen Reich und seiner Wandlung in ein Protektorat. Diese abhängige Position wurde unverblümt in Nikita Iwanowitsch Panins Brief an König Poniatowski erklärt, in dem er klarstellte, dass Polen nunmehr in der russischen Einflusssphäre lag.[3]

Die darauf folgende Reaktion des römisch-katholischen Adels, die einerseits die rechtliche Gleichstellung der Protestanten und andererseits Russlands Einmischungen in die polnische Politik ablehnten, führten zur Konföderation von Bar,[3] die sich gegen den König einerseits und Russland andererseits richtete und mit einem Sieg Russlands und der Ersten Teilung Polens endete.

Weiterführende Literatur[Bearbeiten]

  • The Russian empire and the world, 1700-1917: the geopolitics of expansion and Containment. Oxford University Press, Oxford 1997, ISBN 978-0195109276.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. The Russian empire, 1801–1917 Hugh Seton-Watson, Oxford, Oxford University Press, 2004,978-0198221524, S. 44
  2. Poland's last king and English culture: Stanislaw August Poniatowski, 1732–1798Richard Butterwick, Oxford, Oxford University Press, 1998, ISBN 978-0-19-820701-6, S. 169
  3. a b c d Hamish M. Scott: The emergence of eastern Powers 1756–1775 Cambridge University Press, 2001, ISBN 0-521-79269-X, S. 182.
  4. Various, The Story of My Life, Penguin Classics, 2001, ISBN 0-14-043915-3, Google Print, S. 528
  5. Letters from prison and other essays Adam Michnik, Maya Latynski, Berkeley, University of California Press, 1987, ISBN 978-0-520-06175-0, S. 185.
  6. Literary activities and attitudes in the Stanislavian age in Poland (1764–1795): A social system? Jan IJ. van der Meer, Rodopi, Amsterdam, 2002, ISBN 978-90-420-0933-2, S. 142
  7. Slavonic Europe: a political history of Poland and Russia from 1447 to 1796 Robert Nisbet Bain, Michigan, University Press, 1908, ISBN 978-1-113-46973-1, S. 387.
  8. Frederick the Great: A Historical Profile Gerhard Ritter, Berkeley, University of California Press, 1974, ISBN 978-0-520-02775-6, S. 189.
  9. Poland: the Confederation of Bar, 1768–1772 World history at KMLA, 2003, abgerufen am 13. Juli 2010.
  10. Hugh Seton-Watson, The Russian Empire, 1801–1917, Oxford University Press, 1967, ISBN 0-19-822152-5, Google Print, S.44
  11. Richard Butterwick: Poland’s Last King and English Culture: Stanislaw August Poniatowski, 1732–1798. Oxford University Press, 1998, ISBN 0-19-820701-8, Google Print, S. 163

Dieser Artikel beinhaltet Texte aus der Encyclopædia Britannica, elfte Auflage, einer Publikation, die nun gemeinfrei ist.