Reproduktionsklavier

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Steinway-Duo-Art-Reproduktionsflügel von 1920

Das Reproduktionsklavier ist ein automatisches Klavier, das von einem Pianisten in einem speziellen Aufnahmestudio eingespielte Musikstücke inklusive der Anschlagsdynamik weitestgehend authentisch wiedergeben kann, eben reproduziert. Diese pneumatisch gesteuerten Instrumente benutzen als Tonträger Lochstreifen aus Papier, die sogenannte „Notenrolle“ oder „Klavierrolle“. Das erste Reproduktionsklavier kam 1905 mit dem Welte-Mignon genannten Instrument der Firma M. Welte & Söhne auf den Markt. Weitere Hersteller von Reproduktionsklavieren waren in Deutschland die Leipziger Ludwig Hupfeld AG 1908 mit einem DEA genannten Instrument, das später vom verbesserten Modell Triphonola abgelöst wurde. Des Weiteren die J. D. Philipps A.G. in Frankfurt am Main mit dem Modell Duca. In den Vereinigten Staaten entwickelte die Aeolian Company in New York City das Duo-Art-Klavier, das ab 1913 verkauft wurde und die American Piano Company ebenfalls in New York City, 1913 ein nach seinem Entwickler Charles F. Stoddart benanntes Modell Stoddart-Ampico. Die benutzten Aufnahmeverfahren sind unterschiedlich und nur zum Teil dokumentiert, im Falle des Welte-Mignon gar nicht, da es geheim gehalten wurde.

Das Kunstspielklavier benötigte zur ansatzweise künstlerischen Wiedergabe eine Person zur Bedienung, den Pianolisten, das Elektrische Klavier bzw. das Pianola ist dazu gar nicht in der Lage.

Von 1986 an produzierte der bedeutende Klavierhersteller Bösendorfer in Wien den Computerflügel Bösendorfer SE290. Dieser konnte durch eine elektronische Aufnahmeeinrichtung das Spiel eines Pianisten perfekt aufnehmen und reproduzieren. Die Aufnahmen konnten anschließend elektronisch editiert werden. Auch zur Komposition wurde der Flügel benutzt.

Im Jahr 1987 brachte die Firma Yamaha das Disklavier auf den Markt, das Aufzeichnung und Wiedergabe aller Spielparameter über Disketten problemlos ermöglichte. Das Instrument ist auch über MIDI mit entsprechender Peripherie verbindbar.

Literatur[Bearbeiten]

  • Jürgen Hocker: Faszination Player Piano - Das selbstspielende Klavier von den Anfängen bis zur Gegenwart. Bergkirchen 2009. ISBN 978-3-937841-80-9
  • Gerhard Dangel und Hans-W. Schmitz: Welte-Mignon Klavierrollen: Gesamtkatalog der europäischen Aufnahmen 1904 - 1932 für das Welte-Mignon Reproduktionspiano/Welte-Mignon piano rolls: complete library of the European recordings 1904 - 1932 for the Welte-Mignon reproducing piano. Stuttgart 2006. ISBN 3-00-017110-X
  • Automatische Musikinstrumente aus Freiburg in die Welt - 100 Jahre Welte-Mignon: Augustinermuseum, Ausstellung vom 17. September 2005 bis 8. Januar 2006 / [Hrsg.: Augustinermuseum]. Mit Beitr. von Durward R. Center, Gerhard Dangel, ... [Red.: Gerhard Dangel]. Freiburg : Augustinermuseum, 2005.
  • Hermann Gottschewski: Die Interpretation als Kunstwerk: musikalische Zeitgestaltung und ihre Analyse am Beispiel von Welte-Mignon-Klavieraufnahmen aus dem Jahre 1905. Laaber: Laaber-Verlag 1996. ISBN 3-89007-309-3
  • Gerhard Dangel: Geschichte der Firma M. Welte & Söhne Freiburg i. B. und New York. Freiburg: Augustinermuseum 1991.
  • Quirin David Bowers: Encyclopedia of automatic musical instruments: Cylinder music boxes, disc music boxes, piano players and player pianos... Incl. a dictionary of automatic musical instrument terms. Vestal, N. Y.: The Vestal Press, 1988
  • Peter Hagmann: Das Welte-Mignon-Klavier, die Welte-Philharmonie-Orgel und die Anfänge der Reproduktion von Musik. Bern [u.a.]: Lang, 1984. Online-Version 2002
  • Christine Mange: Le Piano reproducteur Welte-Mignon: son histoire, sa conception, son répertoire. Strasbourg, 1982
  • William Braid White: The player-piano up-to-date: a comprehensive treatise ... New York 1914.

Siehe auch[Bearbeiten]

Das Pianola Museum in Amsterdam mit mehr als 20.000 Notenrollen und circa 50 Musikinstrumente.

Weblinks[Bearbeiten]