Resopal

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Resopal, Kunstwort, gebildet aus Resina, dem lateinischen Wort für Harz, und Opal, einem Mineral mit charakteristischem Farbglanz. Es handelt sich um einen geschützten Markennamen. [1] Der Name hat sich in Deutschland nicht zuletzt durch den Eintrag im „Duden – Die deutsche Rechtschreibung“ [2] fälschlicherweise als Gattungsbegriff für einen Kunststoff oder als Umschreibung für glanzlose Charaktere verselbstständigt, was dem Material jedoch damals (Bordküche eines Zeppelins aus rotem Resopal) wie heute (moderne Einrichtungs- und Ladenbauprojekte[3]) nicht gerecht wird. Ein vor allem bei Architekten wegen seiner Funktionalität und Robustheit beliebtes Material zur Raumgestaltung. Wurde bekannt vor allem durch den Einsatz in Küchen, bei Frühstücksbrettchen oder Nierentischen aus den 1950er Jahren.

Die Marke[Bearbeiten]

Der Siegeszug von Resopal hat aus der Bezeichnung eines Materials einen Markennamen gemacht: wie bei Pritt, Tempo oder Tesa. Resopal wurde am 5. September 1930 als Warenzeichen eingetragen.[4] Es prägte die deutsche Kultur- und Produktgeschichte nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Ästhetik der 1950er Jahre ist ohne Resopal, den Nierentisch oder die Resopalküche, nicht denkbar. Der Werkstoff, seine ästhetische und funktionale Qualität, war der Inbegriff der Modernität.[5][6]

Ihren damaligen Erfolg verdankt die Marke dem Grafiker und Industriedesigner Jupp Ernst. 1950 entwarf er das Resopal-Logo. Fortan verantwortete er die Werbung, die Messeauftritte und die Dekorentwicklung bei Resopal.[7] Durch die aktive Entwicklung in der Nachkriegszeit entstand eine Produktmarke, die einen Bekanntheitsgrad von über 85 Prozent erreichte. Ihr breitenwirksamer Markenauftritt verhalf ihr zu einem Erinnerungswert, der bis heute anhält. Die in nahezu jedes Lexikon eingegangene Marke Resopal steht noch immer für die kulturhistorische Einrichtungsästhetik der 1950er und frühen 1960er Jahre.

Neben Resopal existieren Marken wie Dekodur, Duropal oder Sprelacart. Bei Übersetzungen aus dem Englischen/Amerikanischen wird der Markenname Formica meist durch Resopal ersetzt.[8]

Material[Bearbeiten]

Resopal ist ein dekorativer Schichtstoff, der als Hochdruckschichtpressstoffplatte/High Pressure Laminate (HPL) bzw. Kompaktwerkstoff hergestellt wird. Das Patent wurde am 19. Dezember 1930 von der Hermann Römmler AG in Spremberg angemeldet und am 6. Juni 1935 rückwirkend erteilt. Es bildet die Basis für die industrielle Herstellung von extrem mechanisch wie chemisch belastbaren Oberflächen mit langer Haltbarkeit. Das duroplastische Aminoplast-Produkt brachte die Römmler AG unter dem Namen Resopal heraus.[9]

Resopal besteht aus mehreren mit Harz imprägnierten Papierbahnen, Kern- und Dekorpapieren, die unter Hitze und hohem Druck zwischen Stahlblechen zu einer homogenen Platte verpresst werden, die stoß-, kratz- und abriebfest, hitze- und lichtbeständig, fleckenunempfindlich, leicht zu reinigen und zu desinfizieren, wasser-, lösungsmittel- und weitgehend chemikalienbeständig ist. Resopal wirkt feuerhemmend, isoliert elektrisch und kann schwer entflammbar, hygieneaktiv, akustisch wirksam, selbstklebend oder magnethaftend ausgerüstet werden.[10]

Das Aussehen der Platte bestimmen durchgefärbtes oder bedrucktes Papier, Textilien, Holzfurniere, Metallfolien usw. Die Oberfläche kann mit einer fühlbaren Struktur oder verschiedenen Glanzgraden versehen werden. Resopal kann auf verschiedene Träger (Holzwerkstoffe wie Spanplatten, mineralische und wasserfeste Träger oder Leichtbauträger) aufgebracht werden.[11]

Abnehmer für die Schichtstoffplatte sind u.a. Küchenhersteller (Arbeitsplatten, Fronten). Resopal wird aber auch im Innenausbau, in Nasszellen, in Verkehrsmitteln (Züge, Kreuzfahrtschiffe), im Krankenhaus, im Ladenbau, in Schulen, in Sportstätten und im Laborbereich eingesetzt. Es wird in Möbeln und Türen verbaut sowie zur Herstellung von Fußböden genutzt. Auch im Außenbereich finden Resopalplatten mit speziellem Witterungsschutz Verwendung: Sie dienen dort als Fassaden- oder Balkonverkleidungen für eine Vielzahl von Gebäuden. Und es gibt Resopal sogar wieder als Frühstücksbrettchen wie schon in den 1950ern.[12][13]

Unternehmen[Bearbeiten]

August-Hermann Römmler gründete das Unternehmen am 16. November 1867 in Spremberg. Sein Sohn Hermann Römmler junior entwickelte 1905 unter Verwendung der im Betrieb anfallenden Kunststoffe die Fabrikation von elektrotechnischem Isoliermaterial zur Serienreife. Die elektrotechnische Abteilung verselbstständigte sich und stieg zur führenden Spezialfabrik für hochwertiges Isoliermaterial auf.[14]

Die Umstellung der Produktion auf das Druck-Hitze-Verfahren gilt in der Unternehmensgeschichte der heutigen Resopal GmbH als entscheidender, unverrückbarer Meilenstein. Bis 1931 sicherte die Entdeckung dieses Verfahrens durch den belgischen Chemiker Hendrik Leo Baekeland der Bakelit-Gesellschaft den Alleinvertrieb. Zeitgleich entwickelte aber auch die Hermann Römmler AG dieses Verfahren und besaß dadurch seit 1919 als einzige deutsche Firma ein lizenzfreies Mitbenutzungsrecht am Patent Baekelands. Am 19. Dezember 1930 meldete Römmler das von dem Bakelit-Patent Baekelands variierende Resopal-Patent an und fertigt die ersten dekorativen Platten.[15] Die Bordküche eines Zeppelins wird in rotem Resopal ausgeführt.[16]

Zeitgleich erwirbt die Firma Brown, Boveri & Cie. die Majorität am Unternehmen, bevor sie es 1938 ganz übernimmt. 1945 werden die Werksanlagen in Spremberg von der sowjetischen Besatzungsmacht vollständig demontiert. 1946 nimmt das Unternehmen als Abteilung Isolierstoffe der BBC in der alten Zuckerfabrik auf dem heutigen Betriebsgelände in Groß-Umstadt die Produktion wieder auf. Mit der modernen Einbauküche und dem Nierentisch gelingt der unmittelbare Wiederaufstieg. Anfang der 1970er Jahre beginnt das Unternehmen die großindustrielle Produktion von Postforming-Arbeitsplatten und wird zum führenden Küchenarbeitsplattenhersteller in Deutschland. Wegen der hohen Bekanntheit der Marke Resopal wird das Unternehmen 1971 entsprechend umbenannt.[17]

1987 übernimmt die schweizerische Forbo AG die Mehrheit an der BBC-Tochter. 1997 wird Resopal von der Premark FEG GmbH & Co. KG gekauft. Seit 1998 gehört das Unternehmen zum weltweit operierenden Laminathersteller Wilsonart, Temple/Texas/USA, der Teil des ITW-Konzerns (Illinois Tool Works) ist.[18]

2012 wird Resopal Teil der Wilsonart International, LLC, die sich zu 51 Prozent im Besitz des Fondsverwalters Clayton, Dublier & Rice befindet und noch zu 49 Prozent zu ITW gehört. Seit 2000 macht das Unternehmen immer wieder durch seine nachhaltige Unternehmensstrategie „Projekt M“ auf sich aufmerksam, mit der es 2012 den Sprung unter die TOP 3 beim Deutschen Nachhaltigkeitspreis in der Kategorie „Nachhaltigste Produkte und Dienstleistungen“ schaffte.[19] Das Unternehmen ist FSC- und PEFC-zertifiziert und kann Zertifikate für ein Umwelt- und Energiemanagementsystem nach ISO 14001 und 50001 vorweisen. In Groß-Umstadt arbeiten derzeit rund 630 Menschen.[20]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Website Resopal
  2. Duden
  3. Möbelfertigung 1/2014 vom 4. Februar 2014: "Von Dortmund hinaus in die ganze Welt - Dula setzt bei vielen Projekten auf die Schichtstoffe von Resopal", Seite 104-105
  4. Markenregister
  5. Corinna Wodarz: Nierentisch und Petticoat – Ein Bummel durch die 50er Jahre, Seite 74 – 90. Isensee Verlag, Oldenburg 2003, ISBN 3-89598-945-2
  6. Jaeger’s Katalog der 50er. Anonymes Design eines Jahrzehnts. Fricke Verlag, Frankfurt 1988, ISBN 3-88184-093-1
  7. Romana Schneider: „Etwas Außergewöhnliches und Wertvolles“ – Eine kleine Kulturgeschichte über den Werkstoff „Resopal“ vom letzten Jahrhundert bis heute. In: Holz-Zentralblatt Nummer 17 vom 27. April 2007, Seite 468 - 469
  8. INSIDE Wohn-Markt-Magazin vom 11.10.2013: „Resopal: Harry Potter auf Hessisch“, Seite 6-7
  9. Eva Brachert: „Hausrat aus Plastic“ Alltagsgegenstände aus Kunststoff in Deutschland in der Zeit von 1950 – 1959. Verlag VDG, Weimar 2002
  10. Resopal GmbH: Perspektiven >2018, Groß-Umstadt 2013
  11. Resopal GmbH: Perspektiven >2018, Groß-Umstadt 2013
  12. Romana Schneider: „Etwas Außergewöhnliches und Wertvolles“ – Eine kleine Kulturgeschichte über den Werkstoff „Resopal“ vom letzten Jahrhundert bis heute. In: Holz-Zentralblatt Nummer 17 vom 27. April 2007, Seite 468 - 469
  13. Resopal GmbH: Perspektiven >2018, Groß-Umstadt 2013
  14. Resopal GmbH: Perspektiven >2018, Groß-Umstadt 2013
  15. Eva Brachert: „Hausrat aus Plastic“ Alltagsgegenstände aus Kunststoff in Deutschland in der Zeit von 1950 – 1959. Verlag VDG, Weimar 2002, ISBN 3-89739-257-7
  16. Resopal GmbH: Perspektiven >2018, Groß-Umstadt 2013
  17. Resopal GmbH: Perspektiven >2018, Groß-Umstadt 2013
  18. Resopal GmbH: Perspektiven >2018, Groß-Umstadt 2013
  19. Nachhaltigkeitspreis
  20. Resopal GmbH: Perspektiven >2018, Groß-Umstadt 2013

Literatur[Bearbeiten]

  • Eva Brachert: „Hausrat aus Plastic“ Alltagsgegenstände aus Kunststoff in Deutschland in der Zeit von 1950 – 1959. Verlag VDG, Weimar 2002, ISBN 3-89739-257-7
  • Ingeborg Flagge und Romana Schneider: Original Resopal – Die Ästhetik der Oberfläche/The Aesthetics of the Surface. Jovis-Verlag, Berlin 2006, ISBN 978-3939633044
  • Forbo Resopal GmbH: Resopal-Compendium. Anwendungs- und Verarbeitungsempfehlungen, technische Hinweise, Tabellen und technische Daten. Eigenverlag Resopal, Groß-Umstadt, 1992
  • Forbo Resopal GmbH: Resopal-Handbuch. Anwendungs- und Verarbeitungsempfehlungen, technische Hinweise, Tabellen und technische Daten. Eigenverlag Resopal, Groß-Umstadt, 1992
  • Silvia Glaser: Resopal. In: Historische Kunststoffe im Germanischen Nationalmuseum. Verlag des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg 2008, ISBN 978-3-936688-37-5
  • Gerd Ohlhauser: Living Surfaces, Resopal pur: Das Haus Breitenbach in Lorsch von H2S architekten. Surface Book, 2009, ISBN 978-3939855088
  • Gerd Ohlhauser: Resopal statt Material. Surface Book, 2008, ISBN 978-3939855095
  • Resopal GmbH: Autmundisstat – Von Spremberg bis Groß-Umstadt. Dokumentationen aus der Unternehmensentwicklung. Aus der Schriftenreihe des Umstädter Museums- und Geschichtsvereins e.V. Sonderausgabe, zusammengestellt von Franz Knößlsdorfer, Groß-Umstadt, 2009
  • Resopal GmbH: Perspektiven >2018, Groß-Umstadt 2013
  • Romana Schneider: „Etwas Außergewöhnliches und Wertvolles“ – Eine kleine Kulturgeschichte über den Werkstoff „Resopal“ vom letzten Jahrhundert bis heute. In: Holz-Zentralblatt Nummer 17 vom 27. April 2007, Seite 468 - 469
  • Gert Selle: Design im Alltag: Vom Thonetstuhl zum Mikrochip, Campus Verlag, 2007, ISBN 978-3593383378
  • Gert Selle: Geschichte des Designs in Deutschland. Campus Verlag, 2007, ISBN 978-3593384870

Weblinks[Bearbeiten]