Richten (Fertigungsverfahren)
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Richten lässt sich zu den Fertigungsverfahren nach DIN 8580 in die Hauptgruppe zwei - Umformen einordnen.
Richten ist vergleichbar mit Biegen. Der Unterschied besteht darin, dass ein Werkstück etwa nach einem Biegevorgang zur Verbesserung der Maßhaltigkeit in einem separaten Richtarbeitsgang nachbearbeitet wird. Häufig müssen auch Stahlteile, die einer Wärmebehandlung (z. B. Härten, Glühen) unterzogen wurden, gerichtet werden.
Als Hilfsmittel zum Richten dienen häufig Pressen und Biegevorrichtungen, die unter Umständen auch hydraulisch angetrieben sind. Modernere Richtbänke fahren ein vollautomatisches, computergesteuertes und überwachtes Programm ab, um Werkstücke bis auf engste Toleranzen zu bearbeiten.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Richten von Rohren
Geradheitsabweichungen bei Rohren
Bei den verschiedenen Rohrherstellungsverfahren fallen die Rohre im allgemeinen in einem so unvollkommenen Geradheitszustand an, dass ein Richtprozess eingeschaltet wird. Während früher die gerichten Rohre nach Augenmaß gerade sein mussten, die Geradheit demnach dem subjektiven Empfinden des Maschinenpersonals überlassen war, werden heute mehr und mehr präzise quantitative Geradheitsanforderungen gestellt, die nur mit modernen Richtmaschinen erreicht werden können.
So wird z. B. gefordert, dass ein Rohr auf 1 Meter Bezugslänge keine größere Geradheitsabweichung als 0,2 mm haben darf. Ein an den Rohrmantel angelegtes Lineal von 1 m Länge darf dann nicht mehr als 0,2 mm Abstand zum Rohrmantel aufweisen. Bei größeren Rohrlängen treten, aufgrund einer linearen Verknüpfung der Geradheitsabweichung und der Bezugslänge, entsprechend proportional größere Abweichungen auf.
[Bearbeiten] Arten von Rohrrichtmaschinen
Als wichtigste Maschinengruppe für Rohre sollten die kontinuierlich arbeitenden Schrägwalzen-Richtmaschinen genannt werden. Die lange Anlagelänge jeder Walze infolge ihrer hyperbolischen Form führt zu einer Einleitung der Biegekräfte als Streckenlast (nicht als Punktlast), was sich positiv auf die Oberfläche auswirkt. Zuerst lassen sich die Schrägwalzen-Richtmaschinen in zwei Kategorien, je nachdem ob sich das Richtgut beim Richtvorgang dreht oder nicht, unterteilen. Sofern die Geradheitsabweichung vor dem Richten sehr groß ist, hat eine Lösung mit lediglich axial verschobenem Richtgut große Vorteile. Zu nennen sind hier die Umlaufrichtmaschine und die Flügelrichtmaschine. Sehr "krummes" Richtgut könnte durch Rotation bei der Einführung in die Maschine schnell beschädigt und unbrauchbar werden. Bei allen anderen Rohrrichtmaschinen dreht sich das Richtgut während des Richtprozesses mit. Je nach Einsatzbereich wird die Anzahl der benutzten Richtwalzen angepasst:
- Zweiwalzen-Richtmaschinen für blanke und verzunderte dickwandige Rohre (und Stangen)
- Sechswalzen-Richtmaschinen für Rohre aus Stahl und Nichteisenmetall mit hoher Oberflächengüte (Präzisionsrohr)
- Siebenwalzen-Richtmaschinen besonders für verzunderte Rohre mit mittleren Wandstärken
- Neunwalzen-Richtmaschinen als Hochleistungsrichtmaschinen (300 m/min) ebenfalls für verzunderte Rohre mit mittleren Wandstärken
- Zehnwalzen-Richtmaschinen (CNC-gesteuert)
[Bearbeiten] Richtprinzip der Schrägwalzen-Richtmaschine für Rohre
Zweiwalzen-Richtmaschine Bei dieser Maschine mit vertikaler Walzenanordnung ist die Oberwalze hyperbolisch und die Unterwalze meist zylindrisch ausgeführt. Die Walzen sind zur Richtgutachse unter einem Winkel von 14° bis 21° geschränkt, so dass dem Richtgut eine Drehung und eine Vorschubbewegung aufgezwungen wird. Von der Unterwalze wird das Rohr plastisch in die konkave Kontur der Oberwalze hinein gebogen. Dieser plastischen Längsbiegung kann eine plastische Ovalverformung des Rohrquerschnitts überlagert werden. Dadurch wird die Gradheit, besonders an den Rohrenden, verbessert. Seitlich wird der Richtspalt durch Führungslineale begrenzt.
[Bearbeiten] Richten gewalzter Bleche
In Walzstraßen gewalzte Bleche werden nach dem Walzen gerichtet. Hierbei unterscheidet man je nach Temperatur des Bleches Warmrichten und Kaltrichten. Dazu wird das Blech durch eine Gruppe oberer und unterer Rollen geführt, so dass es eine Art Schlangenlinie durchläuft und in beide Richtungen durchgebogen wird. Die Durchbiegung wird hierbei so eingestellt, dass ein gerades Blech die Streckgrenze in beiden Biegungsrichtungen erreicht, aber nicht überschreitet. Ungerade Blechabschnitte überschreiten so die Streckgrenze und werden plastisch (dauerhaft) begradigt, während gerade Abschnitte ihre gewünschte Form behalten.
[Bearbeiten] Siehe auch
Hauptgruppen der Fertigungsverfahren nach DIN 8580: Urformen, Umformen, Trennen, Fügen, Beschichten und Stoffeigenschaften ändern

