Rochade in der Schachkomposition
Die Rochade ist ein beliebtes Element in der Schachkomposition, weil sie zusätzliche Möglichkeiten bei Konstruktion und Darstellung bestimmter Ideen eröffnet.
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[Bearbeiten] Wann ist die Rochade erlaubt?
Zunächst ist die Frage zu stellen, ob und wann die Rochade in Schachkompositionen überhaupt erlaubt ist. Schließlich ging der Stellung in einer Schachkomposition kein Spiel voraus, und wir können daher nicht bestimmen, ob König und Turm bereits gezogen haben. Vereinbart wurde folgende Regel: Die Rochade ist nur dann verboten, wenn bewiesen werden kann, dass in jeder zur Stellung führenden Partie König oder Turm bereits gezogen haben.
Tidskrift for Schack, 1921
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Lösung:
- 1. d6-d7 Kb6-c7
- 2. d7-d8D+ Kc7xd8
- 3. 0-0-0+! Rochade als Angriffszug, Doppelangriff
- gewinnt den Turm auf b2. Es lässt sich hier nicht nachweisen, warum die Rochade verboten sein sollte, also ist sie erlaubt.
Tidskrift NSB, 1929
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Weiß setzt matt mittels 1. Tf1-a1 und 2. Ta1-a8#. Schwarz darf nicht rochieren, weil König oder Turm zuletzt gezogen haben müssen.
Wenn der schwarze Bauer hingegen auf h6 steht, könnte der letzte schwarze Zug h7-h6 gewesen sein, und die Rochade wäre nach 1. Tf1-a1? 0-0 legal; Weiß setzt dann mit 1. Tf1-f7 nebst 2. Tb7-b8# matt.
Lässt sich in einer Stellung beweisen, dass nur höchstens eine der beiden Seiten rochieren darf, so gilt der Grundsatz „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“. Man betrachte folgende Stellung:
Shakhmaty Bulletin, 1958 (Version)
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Wenn Weiß noch rochieren darf, konnte der Turm von h1 nicht heraus. Also wurde er geschlagen und der Turm auf d3 entstand dann durch Umwandlung. Der Bauer konnte sich nicht bis nach g8 durchschlagen – dafür fehlen zu wenige schwarze Steine. Also muss er am Damenflügel umgewandelt worden sein und das schwarze Lager über d8 verlassen haben. Dazu muss der schwarze König zwischenzeitlich e8 verlassen haben, also darf Schwarz nicht mehr rochieren. Nimmt man umgekehrt an, dass Schwarz noch rochieren darf, ist es Weiß nicht mehr möglich.
Die Lösung der Aufgabe ist 1. 0-0-0 nebst 2. d2xc3 und 3. Td3-d8#, wogegen sich Schwarz ohne Rochade nicht wehren kann (Ke8-f8 wird immer mit Td3-d8 beantwortet). Nach 1. d2xc3? wäre hingegen 1. ... 0-0 möglich.
[Bearbeiten] Irreversibilität der Rochade
Neben Bauern- und Schlagzügen kann auch die Rochade nicht rückgängig gemacht werden. Auch das ist ein Thema in der Schachkomposition:
Chemnitzer Wochenschach, 1925
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1. Lb7-c6 erzwingt Matt im nächsten Zug.
Themavariante: 1. ... 0-0-0 2. Lc6-b7# - Weiß kann seinen Zug zurücknehmen, Schwarz jedoch nicht.
1. ... d7xc6 2. Sa6-c7#
1. ... Te6xc6 2. Dd5-g8#
1. ... Te6-d6 2. Dd5-g8#
1. ... Ta8-d8 2. Sa6-c7#
1. ... (...) 2. Dd5xd7#
[Bearbeiten] Doppelte Feldräumung
Die Rochade ist der einzige Zug, durch den zwei Felder gleichzeitig geräumt (d. h. für andere eigene Figuren zugänglich gemacht) werden kann. Auch das wurde bereits in künstlerischer Form dargestellt.
Chess Amateur, 1923
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Die weiße Dame könnte entlang der Linien h1-a8 oder e1-a5 matt setzen, weil Schwarz wegen Zugzwang einen Bauer zu ziehen hat. Damit beide Varianten funktionieren, sind die Felder e1 und h1 gleichzeitig zu räumen: 1. 0-0, und nun 1. ... b4-b3 2. Dh4-e1! nebst 3. De1-a5# oder 1. ... c6-c5 2. Dh4-h1! nebst 3. Dh1-a8#.
[Bearbeiten] Mehr als zwei verschiedene Rochaden
Schaakbulletin, 1972
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- 1. e6-e7 droht 2. e7-e8D+ und 3. De8-e2#. Die Themavarianten sind:
- 1. ... g4xf3 2. e7-e8D+ Ke3-d3 3. 0-0-0#
- 1. ... d5-d4 2. e7-e8D+ Ke3xf3 (bzw. Ke3-d3) 3. 0-0# (bzw. 0-0-0#)
- 1. ... Ke3xf3 2. e7-e8T! Kf3-g2 3. 0-0-0-0#
- 1. ... Ke3-d3 2. e7-e8T! Kd3-c2 3. 0-0-0-0#
0-0-0-0 ist die Pam-Krabbé-Rochade mit einem Umwandlungsturm auf e8. 1972 ließen die Regeln formal zu, dass jeder noch nicht gezogene Turm rochieren darf. Diese Scherzaufgabe hatte damals also eine legale Lösung.
[Bearbeiten] Literatur
- Tim Krabbé: Schaakkuriosa (1974) (dt. Schach-Besonderheiten: kuriose, intelligente und amüsante Kombinationen, ECON, Düsseldorf 1988, ISBN 3-612-20336-3)