Sächsische Weltchronik

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Abbildung der Schlacht von Bornhöved in der Sächsischen Weltchronik (Manuskript aus dem 14. Jahrhundert)

Die Sächsische Weltchronik (SW) ist die erste deutschsprachige Chronik in Prosa. Abgefasst wurde sie in mittelhoch- und mittelniederdeutscher Sprache. Im Gegensatz zu anderen Chroniken ihrer Zeit, ist sie in Prosa statt in Reimform niedergeschrieben. Die Entstehungszeit ist unklar; die Vorschläge der Forschung reichen von Phasen zwischen 1225 und 1229[1] bis zwischen 1260 und 1275.[2] Sie liegt in drei sich unterscheidenden Rezensionen (genannt A, B und C) vor.

Verfasser[Bearbeiten]

Verfasst wurde sie vermutlich im Bereich des Erzbistums Magdeburg. Lange galt sie als das Werk Eikes von Repgow, des Autors des Sachsenspiegels. Diese Zuschreibung gilt heute nicht mehr als stichhaltig. Vermutet wurde sie aufgrund eines Zitats in der Reimvorrede der Chronik: „daz ist des van Repegouwe rat“.

Inhalt[Bearbeiten]

Die SW erzählt die Geschichte der Welt nach. Beginnend mit der Schöpfung der Welt durch Gott, geht der Chronist schnell zur Geschichte Roms über, um dann ausführlicher die Ereignisse im zunächst fränkischen, dann Heiligen Römischen Reich zu berichten. Ihr Ende findet die Chronik in der Herrschaftszeit Friedrich II., die der Gegenwart des Chronisten entspricht. Je nach Handschrift sind Fortsetzungen beigefügt. Im Gegensatz zu den Verschroniken dieser Zeit (siehe Rudolf von Ems, die Christherre-Chronik oder Jans der Enikel) zeigt sie wenig Interesse an biblischen Erzählstoffen und bleibt in ihren Fassungen A und B nahezu nüchtern-annalistisch, was für den Typ der Weltchronik nicht untypisch ist.

Überlieferung[Bearbeiten]

Die Sächsische Weltchronik ist in über 50 Handschriften und Fragmenten überliefert und wurde mehrfach mit Fortsetzungen versehen.

Ausgabe[Bearbeiten]

  • Deutsche Chroniken und andere Geschichtsbücher des Mittelalters 2: Sächsische Weltchronik. Eberhards Reimchronik von Gandersheim. Braunschweigische Reimchronik. Chronik des Stiftes S. Simon und Judas zu Goslar. Holsteinische Reimchronik. Herausgegeben von Ludwig Weiland. Hannover 1877, S. 1–384 (Monumenta Germaniae Historica, Digitalisat)
  • Das Buch der Welt [Faksimile und Kommentarband:] Das Buch der Welt. Kommentar und Edition zur 'Sächsischen Weltchronik'. Ms. Memb. I 90 Forschungs- und Landesbibliothek Gotha, hg. von Hubert Herkommer, Luzern 2000 (mit Abdruck).

Literatur[Bearbeiten]

  • Hubert Herkommer: Überlieferungsgeschichte der Sächsischen Weltchronik. Ein Beitrag zur deutschen Geschichtsschreibung des Mittelalters. Beck, München 1972, ISBN 3-406-02838-1.
  • Karl Heinrich Krüger: Die Universalchroniken. (Typologie des Sources du Moyen âge occidental 16). Brepols, Turnhout 1985.
  • Michael Menzel: Die Sächsische Weltchronik. Ihre Quellen und Stoffauswahl. Jan Thorbecke, Sigmaringen 1985, ISBN 3-799-56694-5.
  • Gabriele von Olberg-Haverkate: Zeitbilder – Weltbilder. Volkssprachige Universalchronistik als Instrument kollektiver Memoria. Eine textlinguisitische und kulturwissenschaftliche Untersuchung. (Berliner sprachwissenschaftliche Studien 12). Weidler, Berlin 2008, ISBN 978-3-89693-526-7.
  • Friedrich Scheele: Die Sächsische Weltchronik. In: Hans Höfinghoff, Werner Peters, Wolfgang Schild, Timothy Sodmann (Hrsg.): Alles was Recht war. Rechtsliteratur und literarisches Recht. Festschrift für Ruth Schmidt-Wiegand zum 70. Geburtstag. (Item mediävistische Studien 3). Item-Verlag, Essen 1996, ISBN 3-929-15112-X, S. 123–138.
  • Jürgen Wolf: Die Sächsische Weltchronik im Spiegel ihrer Handschriften. Überlieferung, Textentwicklung, Rezeption. (Münstersche Mittelalter-Schriften 75). Fink, München 1997, ISBN 3-770-53221-X (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00050027-7).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sächsische Weltchronik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Michael Menzel: Die sächsische Weltchronik. Quellen und Stoffauswahl. Sigmaringen 1985, S. 177ff.
  2. Hubert Herkommer: Überlieferungsgeschichte der Sächsischen Weltchronik. Ein Beitrag zur deutschen Geschichtsschreibung des Mittelalters. München 1972.