Sam DeStefano

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Sam „Mad Sam“ DeStefano (* 13. September 1909 in Streator, Illinois; † 14. April 1973 in Chicago) war ein italo-amerikanischer Gangster, der vom Chicago Outfit als Kredithai und Auftragskiller eingesetzt wurde.

Das Outfit benutzte den psychisch instabilen, sadistischen DeStefano für die Foltermorde an Leo Foreman und Arthur Adler, den Mord an DeStefanos jüngeren Bruder Michael DeStefano, dem Kredithai und Outfit-Mitglieds William "Action" Jackson und vieler anderer Menschen. Aufgrund seiner instabilen Psyche wurde DeStefano nie als Vollmitglied in die Mafia aufgenommen. Ein Insider des Outfits, Charles Crimaldi, behauptete, DeStefano sei Satanist gewesen.[1]

Der FBI-Agent William F. Roemer, Jr. beschrieb DeStefano als den schlimmsten Folterer und Mörder in der Geschichte der USA. [2]

Frühe Jahre[Bearbeiten]

DeStefano wurde in Streator im US-Bundesstaat Illinois geboren. Die Eltern - Samuel DeStefano, Sr. und Rosalie DeStefano (geborene Brasco) - wanderten aus Sizilien 1903 in die Vereinigten Staaten aus. Als Teenager zog DeStefano mit seinen Eltern nach Chicago, wo der Vater im Stadtteil Little Italy ein gesetzestreues Leben als Gemüsehändler und Immobilienhändler führte und 1942 im Alter von 77 starb. Im Oktober 1960 starb auch seine Mutter, die sich als Hausfrau zeitlebens um die Kinder gekümmert hatte. Insgesamt hatte DeStefano fünf Geschwister.

1930 schloss sich DeStefano der 42-Gang an, wo er weitere spätere Mafiagrößen kennenlernte. Er beging zahlreiche Straftaten, wie Alkoholschmuggel, Banküberfälle, Raubüberfälle, illegales Glücksspiel. 1934 wurde er wegen Bankraubes zu elf Jahren Haft verurteilt, nach 10 Jahren kam er 1944 frei und wurde 1947 wegen Fälschung von Wertmarken verurteilt. Im Gefängnis Leavenworth traf er auf die Outfit-Mitglieder Paul Ricca und Louis Campagna. 1952 arbeitet er für die Stadtverwaltung und obwohl die Fälschung seiner Zeugnisses entdeckt wurde, wurde er weiter beschäftigt.

Geldeintreiber[Bearbeiten]

In den frühen 1950ern stieg DeStefano in das Kreditgeschäft ein und wurde einer der ersten Kredithaie in Chicago. Zur Tarnung investierte Geld aus seinen Raubzügen in legale Immobiliengeschäfte. DeStefano schaffte es, Einfluss auf Lokalpolitiker zu gewinnen und behauptete, es gäbe nichts, was er nicht durch Zahlung von Schmiergelder erreichen könnte.

Er selbst führte eine regelrechte Preisliste, die von Körperverletzung bishin zum Mord reichte. Polizisten sollen ihm sogar Opfer zugeführt haben.

In den frühen 1960ern war die DeStefano ein führender Geldeintreiber für das Outfit. Schuldner waren neben Kleinkriminelle auch Politiker und Anwälte. Die geforderten Zinssätze waren enorm; bis zu 20-25 % Zinsen pro Woche waren üblich und DeStefano genoss es, wenn Schuldner nicht zahlen konnten, da er sie dann foltern und ermorden konnte. Dazu hatte er eine schallsichere Folterkammer in dem Keller seines Hauses eingerichtet. Ehemalige Komplizen sagten später aus, DeStefano hätte vor Erregung Schaum vor dem Mund gehabt, wenn er seine Opfer quälte. Manchmal sollen auch Schuldner einfach nur zu Abschreckungszwecken ermordet worden seien.

Unter normalen Umständen, hätte das Outfit diese exzessive Gewalt nicht geduldet, jedoch brachte DeStefano mit seinem Geschäft sehr viel Geld in die Kassen des Outfits. Giancana und Tony Accardo sollen selbst in diese Geschäfte investiert haben.

Blutspur[Bearbeiten]

1961 wurde der Kredithai William „Action“ Jackson fälschlich vom Outfit verdächtigt, ein FBI-Informant zu sein. DeStefano entführte und folterte ihn mit Messern. Außerdem wurde er lebendig an einen Fleischerhaken aufgehängt, was dann zum Tod führte. Im November 1963 ermordete er Leo Foreman, einen ehemaligen Kollegen[3]

Peter Cappelletti ein Gehilfe von DeStefano floh mit 25.000 Dollar aus Chicago. DeStefano fand ihn und kettet ihn an eine Heizung und folterte ihn drei Tage lang. Dann zerrte er den verbrannten Körper in ein Restaurant, in dem sich Cappellettis Familie aufhielt. DeStefano zwang die Familie auf Cappeletti zu urinieren.

Im Umfeld DeStefanos war letztlich niemand mehr sicher, er soll einen Passanten entführt haben, ihn zu sich nach Hause gebracht haben und ihn gezwungen haben, mit DeStefanos Ehefrau Oral-Sex zu haben. Dies war als Strafaktion an seiner Frau gedacht.[4]

Das Ende[Bearbeiten]

1965 wurde DeStefano zu einer 3-5 jährigen Haftstrafe verurteilt. Am 22. Februar 1972 wurde er erneut zu einer dreieinhalbjährigen Haftstrafe verurteilt, da er das Leben eines Zeugen bedroht hatte. Bei dem Zeugen handelte es sich um Crimaldi, einen Komplizen beim Mord an Foreman. DeStefano wurde einer Öffentlichkeit durch seine bizarren Auftritte bekannt. Er verteidigte sich selbst, trug Pyjamas, trötete durch Hörner und brabbelte unverständlich vor sich hin. Outfit-Bosse begannen sich Sorgen zu machen und fürchteten, dass DeStefano den Irren nicht nur spielte. Sie fürchteten, er könnte damit auch anderen Angeklagten schaden und baten seine Crew, ihn zu beseitigen. Am 14. April 1973 wurde DeStefano zu einem Treffen seiner Crew geladen. In einer Garage in Chicago wartete Spilotro auf ihn und schoss zweimal mit einer Schrotflinte auf ihn. Der rechte Arm wurde unter dem Ellenbogen abgerissen und der Schuss in die Brust tötete ihn sofort.[5][6][7]

Literatur[Bearbeiten]

  • Devito, Carlo. Encyclopedia of International Organized Crime. New York: Facts On File, Inc., 2005. ISBN 0-8160-4848-7
  • Kelly, Robert J. Encyclopedia of Organized Crime in the United States. Westport, Connecticut: Greenwood Press, 2000. ISBN 0-313-30653-2
  • Sifakis, Carl. The Mafia Encyclopedia. New York: Da Capo Press, 2005. ISBN 0-8160-5694-3
  • Dark, Tony. A Mob of His Own: Samuel Mad Sam DeStefano and the Chicago Mob's Juice Rackets, H.H. Productions, Chicago, 2008. ISBN 978-0-615-17496-9
  • McCluskie, Norma. "Decade of Fear", Lulu.com, LaVergne, Tennessee, 2010. ISBN 978-0-557-44970-5
  • A Report on Chicago Crime Chicago: Chicago Crime Commission Reports, 1954-1968.
  • Chiocca, Olindo Romeo. Mobsters and Thugs: Quotes from the Underworld. Toronto: Guernica Editions, 2000. ISBN 1-55071-104-0

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. May, Allan: 'Mad Sam' DeStefano: The Mob's Marquis DeSade (Part 2). In: americanmafia.com. 17. Mai 1999. Abgerufen am 30. Mai 2012.
  2. Roemer, Jr., William F., The Enforcer (1994), S.12
  3. ibid, S.39
  4. Touhy, John William, "Mad Sam," Dezember 2001, americanmafia.com
  5. Sam DeStefano's murder scene
  6. Roemer, Jr., William F., The Enforcer (1994), S.90
  7. Roemer, Jr., William F., Accardo: The Genuine Godfather (1995), S.271