Sandlaufkäfer

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Sandlaufkäfer
Dünen-Sandlaufkäfer (Cicindela hybrida)

Dünen-Sandlaufkäfer (Cicindela hybrida)

Systematik
Überklasse: Sechsfüßer (Hexapoda)
Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Käfer (Coleoptera)
Unterordnung: Adephaga
Familie: Laufkäfer (Carabidae)
Unterfamilie: Sandlaufkäfer
Wissenschaftlicher Name
Cicindelinae
Latreille, 1802
Cicindela theatina - Sandlaufkäfer aus den USA

Die Sandlaufkäfer (Cicindelinae), in älteren Texten auch Sandkäfer genannt[1], sind eine Unterfamilie innerhalb der Familie der Laufkäfer (Carabidae). Sie sind weltweit mit etwa 2000 Arten in 130 Gattungen verbreitet.[2] In Europa kommen sie mit 121 Arten und Unterarten vor,[3] In Mitteleuropa sind 12 Arten bekannt.[4] Von manchen Systematikern werden die Sandlaufkäfer als eigene Familie gesehen.[2] Im südlichen Europa wird diese Gruppe schnell artenreicher (beispielsweise Italien mit über 20 Arten).[3]

Merkmale[Bearbeiten]

Käfer[Bearbeiten]

Die Käfer sind 10 bis 70 Millimeter lang. Ihr Körper ist bei den basalen Gruppen, wie etwa den Gattungen Omus und Amblycheila schwarz und hat verhältnismäßig gedrungene Beine. Die übrigen Gattungen haben eine auffällige, farbige Musterung, mit metallisch glänzenden Bereichen und lange und sehr schlanke Beine, wie etwa die Arten der Gattungen Cicindela und Megacephala, oder haben einen sehr schlanken, ameisenartigen Körperbau, wie jene Gattungen, die auf Bäumen leben. Die Facettenaugen sind groß und treten bei den tagaktiven Gattungen hervor. Das Labrum ist lang und verbreitert. Die Fühler sind an der dorsalen Seite des Kopfes eingelenkt. Die langen Mandibeln haben mehrere spitz zulaufende Enden. Sie überkreuzen sich in der Ruheposition.[2]

Der Prothorax ist langgestreckt. Der Prosternalfortsatz und die postcoxale Brücke sind ungewöhnlich breit. Das Organ, das zur Reinigung der Fühler dient, und die Sporne an den vorderen Schienen (Tibien) sind endständig. Die Deckflügel (Elytren) tragen keine Rillen. Die Flügel sind bei der Gattung Omus vollständig zurückgebildet, ansonsten gut entwickelt. Ein Oblongum fehlt. Die Thoraxsegmente sind ähnlich denen der Unterfamilien Elaphrinae und Loricerinae.[2]

Larven[Bearbeiten]

Die Larven sind in ihrem Aussehen stark an ihre Lebensweise angepasst. Der Kopf und das Pronotum sind im Verhältnis zum übrigen schlanken und langen Körper stark vergrößert und stark sklerotisiert. Die Mundwerkzeuge am Kopf sind nach vorne, oben gerichtet (hyperprognath). Die Dorsalseite des Kopfes und das Protergum bilden eine funktionelle Einheit. Gemeinsam bilden sie in Lauerposition einen Deckel für den Bau der Larve. Der Kopf ist seitlich stark abgerundet. Die ventrale Seite ist stark konvex. Die Larven haben sechs, unterschiedlich große Punktaugen (Stemmata). Zwei Paar stark vergrößerter Stemmata befinden sich auf der dorsalen Seite des Kopfes. Die Frons ist deutlich nach hinten verlängert. Der Posterodorsale Rand des Kopfkapsel ist ausgerandet und erreicht fast, oder erreicht den Hinterrand der Frontale. Die ersten drei Glieder der Fühler sind langgestreckt und nahezu gleich groß. Das vierte Glied ist etwas kürzer. Der Sinnesbereich am dritten Glied ist durch ein kleines Feld von Poren ersetzt. Die Mandibeln sind schlank. Ihr apikaler Teil ist länger als der basale und umfasst auch ein dreieckiges Retinaculum. Die Retractoren des Prämentums ist sehr kräftig und in unüblicher Weise angeordnet. Ein dichter präoraler Filter ist ausgebildet.[2]

Das Pronotum ist rhombusförmig und unterscheidet sich deutlich vom kleineren, seitlich gerundeten Meso- und Metanotum. Die Beine sind gedrungen und haben sehr kurze Tarsen. Die vorderen Klauen sind größer als die hinteren. Die ersten vier und das sechste bis neunte Hinterleibssegment sind nahezu gleich geformt. Nur das fünfte Segment ist stark abgewandelt und dorsal zu einem Buckel mit getrennten vorderen, seitlichen und hinteren Skleriten modifiziert. Zwischen den Skleriten befinden sich 23 Häkchen. Urogomphi fehlen. Bei den Collyrini und Ctenostomatini ist die Breite der Nasale reduziert, der Körper abgeflacht und außer bei den Pogonostoma sind die Klauen mit den Tarsen verwachsen.[2]

Lebensweise[Bearbeiten]

Die Imagines mehrerer Gattungen sind tagaktiv. Sie können sich am Boden extrem schnell fortbewegen und sind ausgezeichnete Flieger. Die Larven leben in vertikalen oder horizontalen Bauen in Erde, sandigem Boden (die meisten Arten) oder verrottendem Holz (Collyrini und Ctenostomatini) und leben räuberisch. Sie jagen ihre Beute durch einen sehr speziellen Überraschungsangriff, bei dem ihnen ihre morphologischen Anpassungen behilflich sind.[2]

Taxonomie und Systematik[Bearbeiten]

Die Unterfamilie wird in folgende Tribus unterteilt:[2]

Arten (Auswahl)[Bearbeiten]

In Deutschland sind acht Arten bekannt, die sich auf zwei Gattungen verteilen:

Auswahl weiterer europäischer Arten:

Belege[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Z. B.:
    Karl Degeer, Johann August Ephraim Goeze (Hrsg.): Abhandlung zur Geschichte der Insekten, Bd. 4 und 5. Nürnberg 1781, S. 66 in der Google-Buchsuche
    Theodor Storm: Zur Chronik von Grieshuus. In: Theodor Storm: Am grauen Strand am grauen Meer. Büchergilde Gutenberg Berlin 1938. -- Im ersten Absatz
  2. a b c d e f g h  Rolf G. Beutel, Richard A. B. Leschen: Handbuch der Zoologie - Coleoptera, Beetles, Volume 1: Morphology and Systematics (Archostemata, Adephaga, Myxophaga, Polyphaga partim). 1. Auflage. de Gruyter, 2005, ISBN 3-11-017130-9, S. 129ff.
  3. a b Cicindelinae. Fauna Europaea, abgerufen am 28. März 2013.
  4.  Karl Wilhelm Harde, František Severa: Der Kosmos-Käferführer. Die mitteleuropäischen Käfer. Franckh-Kosmos, Stuttgart 2000, ISBN 3-440-06959-1, S. 96ff.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Rolf G. Beutel, Richard A. B. Leschen: Handbuch der Zoologie - Coleoptera, Beetles, Volume 1: Morphology and Systematics (Archostemata, Adephaga, Myxophaga, Polyphaga partim). 1. Auflage. de Gruyter, 2005, ISBN 3-11-017130-9.

Literatur[Bearbeiten]

  • J. Acorn: Tiger Beetles of Alberta: Killers on the Clay, Stalkers on the Sand. - University of Alberta Press 2001.
  • J. Trautner, P. Detzel: Die Sandlaufkäfer Baden-Württembergs (Col., Cicindelidae). Verbreitung, Habitatansprüche, Gefährdung und Schutz. - (= Ökologie und Naturschutz 5). Margraf, Weikersheim 1994, 60 S.
  • Ekkehard Wachmann, Ralph Platen, Dieter Barndt: Laufkäfer - Beobachtung, Lebensweise, Naturbuch-Verlag, Augsburg 1995, ISBN 3-89440-125-7.
  • K. Werner: Die Käfer der Welt, Bände 13, 15, 18, 20, Sciences Nat, Venette 1991–1995.
  • Jiři Zahradnik, Irmgard Jung, Dieter Jung et al.: Käfer Mittel- und Nordwesteuropas, Parey, Berlin 1985, ISBN 3-490-27118-1.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sandlaufkäfer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien