Sangiran II

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Das Fossil Sangiran II (Original)

Sangiran II (auch: Pithecanthropus II) ist die Bezeichnung für ein besonders gut erhaltenes Fossil des Homo erectus. Es wurde benannt nach dem Ausgrabungsgebiet Sangiran auf der indonesischen Insel Java. Bei diesem Fossil handelt es sich um ein fast vollständiges Schädeldach mit einem markanten, durchgehenden Querwulst des Stirnbeins oberhalb der Nasenwurzel („Überaugenwulst“). Der Fund bestand aus insgesamt 33 Bruchstücken, die am 12. und 13. August 1937 an Gustav Heinrich Ralph von Koenigswald übergeben wurden. Dessen Fossiliensammler Atmowidjojo hatte die Bruchstücke in den als Fossilienlagerstätte bekannten Ablagerungen eines ehemaligen Flusses entdeckt, etwa einen Kilometer nordöstlich der Ortschaft Bapeng. Das Gehirnvolumen des Schädel betrug mehr als 800 cm³.

Das Schädeldach glich dem 1891 ebenfalls auf Java von Eugène Dubois entdeckten Fossil Trinil II und entstammte von Koenigswalds Einschätzung zufolge „aus den gleichen Schichten“,[1] so dass von Koenigswald seinen Fund ebenfalls der Art Pithecanthropus erectus zuordnete. Trinil II war das Typusexemplar dieser von Dubois erstmals beschriebenen Art; erst seit den 1980er-Jahren werden auf Vorschlag des US-amerikanischen Paläontologen Albert Santa Luca alle Homo-Funde aus Java als Homo erectus bezeichnet.[2]

Aufgrund der Fundsituation in den Ablagerungen eines ehemaligen Gewässers ist bis heute eine genaue absolute Datierung der in Sangiran entdeckten Fossilien nicht gelungen. Dabei kann nicht ausgeschlossen werden, dass die angeschwemmten Knochen bereits längere Zeit andernorts abgelagert waren, dort durch Bodenerosion wieder freigelegt wurden und an der Fundstelle erneut zur Ruhe kamen. Anhand von zwei Schichten aus Vulkansedimenten, zwischen denen diese Fossilien lagen, konnte jedoch ihr Mindestalter (1,02 Millionen Jahre) und ihr Höchstalter (1,5 Mio. Jahre) bestimmt werden;[3] vom Forschungsinstitut Senckenberg wird das Alter von Sangiran II mit 1,5 Mio. Jahren ausgewiesen.[4]

Der Fund gilt als das bedeutendste Stück der Sammlung von Koenigswald und wird heute im Forschungsinstitut Senckenberg in Frankfurt am Main aufbewahrt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Stephanie Müller u. a.: Sangiran II. Eine Schädelkalotte und ihre wissenschaftliche Deutung. Natur und Museum, Band 138, 2008, S. 31
  2. Albert P. Santa Luca: The Ngandong fossil hominids: A comparative study of a far eastern Homo erectus group. Yale University, 1980
  3. G. J. Sawyer, Viktor Deak: Der lange Weg zum Menschen. Lebensbilder aus 7 Millionen Jahren Evolution. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, 2008, S. 117
  4. Stephanie Müller u. a.: Sangiran II..., S. 30