Sassen (Gau)

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Altpreußische Landschaften und Stämme

Sassen war eine Landschaft in Ostpreußen im heutigen Polen. Sie bestand schon als Gau der Prußen vor der Eroberung durch den Deutschen Orden.

Geografische Lage[Bearbeiten]

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Sassen lag östlich von Pomesanien (Grenze etwa am Fluss Drewenz), südlich von Pogesanien, westlich von Galinden (Grenze etwa am Fluss Omulef) und nördlich des polnischen Masowien. Sassen war Heimat des gleichnamigen prußischen Stammes (Sassen).

"Vom Einfluß der Brannitza ab bildete die Drewenz die Grenze bis zum Drewenzsee, der noch zur prussischen Landschaft Sassen gehörte. Der Name Sassen ist prussischen Ursprungs: Sasins = Hase. In Urkunden finden man auch Soysim, Sausin, Sassin. Der Südzipfel Sassens, der wie ein Keil nach Masowien hineinragt, wurde schon in der vorordenszeit von den Masowiern in Besitz genommen. Seit 1384 taucht für ihn die Bezeichnung Zakre auf, die polnische Bezeichnung für Sassen. Die prussische Landschaft heißt polnisch "Ziema saska"; "saski" heißt auch sächsisch. Die Grenzen der Landschaft haben sich sehr früh verändert." [1]

"Das Land Sassen entspricht ungefähr den beiden Kreisen Osterode und Neidenburg, reichte aber in der frühesten Ordenszeit noch ziemlich weit über die spätere Grenze nach Süden hinaus. Dieser Teil jenseits der Grenze ist 1343 vom Orden an Masovien abgetreten worden und führte (urk. seit 1384) den Namen Zakrze (sprich Saksche), der somit der mitteldeutschen Aussprache des Namens Sachsen entspricht, während Sassen die niederdeutsche Form ist. Dies Gebiet ist keine altpreußische Landschaft; es wird beim Ordenschronisten Peter v. Dusburg nicht als solche genannt. Der Name ist auch nicht prußischer Herkunft, da die versuchten Ableitungen von sause (trocken) und sasins (Hase) für eine wasser- und großwildreiche Gegend durchaus nicht passen. Der Sassenpils an der Westgrenze ist urkundlich ein vallum, ein Grenzwall, wohl erst aus der Ordenszeit, und hat erst damals den Namen von den preußischen Einwohnern erhalten. Die frühe volkstümliche Übersetzung Hasenberg dürfte auf einem Missverständnis beruhen. Sie ist auch in Bezug auf die Wiedergabe von pils als Berg (richtig: Burg) verkehrt. Würde sie stimmen, hätte auch der Orden das Land Hasen und nicht Sassen genannt. Es handelt sich um eine Namenswanderung, die wohl auch durch landschaftliche Ähnlichkeit bedingt ist. Die Umgebung der alten Welfenburg Osterode am Harz zeigt viel Übereinstimmung mit der um die gleichnamige Ordensburg von 1302. Offenbar ist nach der Ankunft des Ordens das zwischen dem Orden, Masovien und Kujawien strittige Gebiet östlich des Kulmerlandes und der Löbau so bezeichnet worden, angeregt von den zahlreichen niedersächsischen Kreuzfahrern, die sich durch das äußere Bild an ihre Heimat erinnert fühlten. Es setzte sich aus Teilen von drei preußischen Landschaften zusammen: Pomesanien, Pogesanien und Galinden und war deshalb ohne neue Bezeichnung zu umständlich zu umschreiben. Sassen ist also keine Stammes-, sondern eine Siedlungslandschaft." [2]

Name[Bearbeiten]

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Wie aus dem obigen Text zu entnehmen, ist die linguistische Deutung umstritten. Bisher hat jedoch niemand die Analogie zur schalauischen Burg Sasavo bei Ragnit gesehen, die letzte vom Ritterorden eroberte Burg, in lateinischen Chroniken Sassowia genannt, deutsch Sassau. Sie befand sich etwa am Zusammenfluss von Šešuvis und Jura.

Der Sassenpils wird oben als Grenzwall aus der Ordenszeit angenommen; es dürfte sich jedoch um eine möglicherweise geschleifte ehemalige prußische Festungsanlage gehandelt haben, genauso wie die schalauische Sasavopilis. Eine Burg wurde auf trockenem hochgelegenen Gebiet angelegt. Insofern dürfte die Lage der Burg namensgebend für den Gau gewesen sei.

  • prußisch "sausis" = trocken

Nicht auszuschließen ist bei diesem Masowien benachbarten Gau eine slawische Ableitung, welche ebenfalls auf landschaftliche Gegebenheiten hinweisen würde (vgl. dazu pl. „sosna“: Kiefer, Föhre).

Sage[Bearbeiten]

In der Sage wie Widowuto das Land unter seine Söhne teilte, taucht dies Stammesgebiet nicht auf.

Geschichte[Bearbeiten]

„Als die intensive Aufsiedlung des Urwaldgebiets 1320 begann, waren wieder niedersächsische Edelleute überwiegend daran beteiligt, insbesondere der Kulmer Landkomtur Graf Otto v. Lauterberg-Scharzfeld (bei Osterode i. H.). Träger der großangelegten Planung war der Komtur von Christburg, Herzog Luther v. Braunschweig. Im Norden bei Liebemühl legte er damals drei Hagendörfer nach schaumburg-lippischem Muster an: Gr. Altenhagen, Nikkelshagen und einfach Hagen, später Bienau. 1325 erreichte die Siedlung ihren Höhepunkt. Im folgenden Jahre wurde neben dem Ordenshaus die Stadt Gilgenburg angelegt; zwischen 1327 und 1330 entstand die Stadt Osterode. 1331, als Luther Hochmeister wurde, war der Westen des Landes Sassen bis nach Soldau hinunter in einer Breite von 25–30 km aufgesiedelt. Unter den ritterlichen Siedlungsunternehmern finden sich die niedersächsischen Namen v. d. Wense (Wonsin), Ülzen (Ülsen) und Sachse. Noch 1589 kennt der Hamelner Schulrektor Hannibal Nullejus eine »Nova Saxonia«, wohin die hämelschen Kinder von einem als Rattenfänger in die Sage eingegangenen Werber für die Ostsiedlung entführt sein sollen. An die verfallene Dziergunkenmühle bei Kurken knüpft sich ebenfalls eine Rattenfängersage, die einzige in Ostpreußen. Neben diesem, 1257 urkundlich zum ersten Male genannt, gibt es kein anderes neues Sachsen im Osten, wohl aber bietet sich eine Parallele in der 1338 geplanten Übertragung des Namens Bayern auf ein neu zu errichtendes Erzbistum in Litauen. — Als Ortsname kommt Sassen ebenfalls vor, nordwestlich der oben gen. Hagendörfer, neben einem gleichnamigen See. Auch bei Tiefenau, nördlich Marienwerder, wo der niedersächsische Edelherr v. Depenow aus Heeßel östlich Hannover siedelte, gibt es einen Sassensee, ganz außerhalb dieses Gebietes.“[3]

  • Chronologie der Eroberung (Ausgang von Thorn): 1260 Löbau, 1268 Neidenburg, 1272 Gilgenburg, 13. Jh. Osterode, 1306 Soldau

Literatur[Bearbeiten]

  • Blažiene, Grasilda: Hydronymia Europaea, Sonderband II, Die baltischen Ortsnamen im Samland, Wolfgang Schmid Hrsg., Steiner Verlag Stuttgart 2000
  • Gerullis, Georg: Die altpreußischen Ortsnamen, Berlin, Leipzig 1922, S.152
  • Klussis, Mikkels: Deutsch-Prußisches Grundwörterbuch, Institut Européen des Minorités Ethniques Dispersées mit Unterstützung des deutsch-prußischen Vereins Tolkemita, Vilnius 1999, S. 166
  • Kurschat, Alexander: Litauisch-Deutsches Wörterbuch, Vandenhoeck & Ruprecht, 1968
  • Vanagas, A.: Lietuviu Pavardžiu Žodynas, Vilnius 1985

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hermanowski, Georg: Ostpreußen Lexikon, Adam Kraft Verlag Mannheim 1980,S.264
  2. Handbuch der historischen Stätten Ost- und Westpreußen, Kröner Verlag Stuttgart, 1966-1981, Seite 199-200
  3. Handbuch der historischen Stätten Ost- und Westpreußen, Kröner Verlag Stuttgart, 1966–1981, Seite 199–200