Schirm (Forstwirtschaft)

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Ein Schirm ist in der Forstwirtschaft die Gesamtheit aller Kronen der Bäume der Oberschicht eines Waldes über der nachfolgenden Bestandesgeneration oder über Kulturpflanzen (beispielsweise Heidelbeeren).[1]

Bedeutung und Eigenarten[Bearbeiten]

Seine Bedeutung erlangt der Schirm durch die Beschattung der darunter wachsenden Vegetation. Er schafft ein Waldinnenklima auf einer gegebenen Fläche, das im Vergleich zu Freiland für einen mäßigen Gang der Luftfeuchtigkeit, der Temperatur und der Sonneneinstrahlung sorgt. Die verminderte Lichtversorgung der unter dem Schirm wachsenden Pflanzen führt dazu, dass diese im Frühjahr tendenziell später austreiben, wodurch deren Gefährdung durch Spätfrost vermindert wird.

Die Kultivierung einiger Baumarten in Europa ist aus diesem Grund oft nur „unter Schirm“ möglich. Speziell im deutschsprachigen Raum wurden teilweise komplexe Waldbausysteme entwickelt, die während der Verjüngungsvorgänge die Schutzbedürftigkeit der jungen Bäume gegenüber Spätfrösten berücksichtigen (Schirmschlag in seinen verschiedenen Variationen). Gefährdet durch Spätfrost sind vor allem schattenertragende Baumarten wie die Weißtanne und die Rotbuche, deren Anteile am Wald in Deutschland erhöht werden sollen. Der Umbau labiler, also standortferner Nadelwälder in naturnahe Laubholzmischbestände erfordert daher Verjüngungsmaßnahmen noch vor der endgültigen Entnahme der herrschenden Baumschicht. Zuweilen werden zum nachfolgenden Anbau von Rotbuchen speziell Vorwälder aus Birken begründet, unter welche später junge Buchen im Alter von 2 bis 4 Jahren gepflanzt werden.

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Reinhold Erlbeck, Ilse E. Haseder und Gerhard K. F. Stinglwagner: Das Kosmos Wald und Forstlexikon. Stuttgart: Kosmos, 2002. ISBN 3-440-09316-6