Schlüsselgerät 39

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Das Schlüsselgerät 39 war eine Rotor-Schlüsselmaschine, die in den 1930er-Jahren im Deutschen Reich von der Firma Telefonbau & Normalzeit entwickelt wurde. 1939 wurde ein Prototyp fertiggestellt und dem Heereswaffenamt vorgelegt. Er wurde jedoch wegen angeblich fehlender Serienreife von diesem nicht akzeptiert.[1] 1943 und 1944 wurde das Projekt zeitweilig wiederbelebt, zu einer Serienfertigung kam es dennoch nicht. Das Schlüsselgerät 39 wurde deshalb im Zweiten Weltkrieg nicht eingesetzt.

Funktionsweise[Bearbeiten]

Das Schlüsselgerät 39 ähnelte in seiner Funktionsweise stark der Enigma-M4. So besaß es, wie die Enigma-M4, drei im Laufe der Ver- oder Entschlüsselung weiterrückende Rotoren, einen vierten nicht automatisch weiterbewegten, aber von Hand setzbaren Rotor (Stator) sowie eine nicht bewegliche Umkehrwalze. Im Unterschied zu den meisten Enigma-Varianten war die Umkehrwalze über ein Steckerbrett änderbar. Das Schlüsselgerät 39 wies außerdem ein zweites Steckerbrett auf, das wie bei der Enigma die über die Tastatur eingegebenen Buchstaben vor und nach Durchlaufen der Rotoren zusätzlich permutierte. Ob dieses Steckerbrett im Unterschied zur Enigma nicht involutorisch war, lässt sich nicht eindeutig klären[2]. Die Ausgabe von Chiffretext und Klartext erfolgte über eine Druckeinrichtung und nicht wie bei der Enigma über ein Lampenfeld.

Der Hauptunterschied zur Enigma ist aber in der Art und Weise zu sehen, wie die Fortschaltung der Rotoren bei Ver- und Entschlüsselung ermöglicht wurde. Es gab drei Räder mit je 21, 23 und 25 Positionen. An jeder dieser Positionen konnte ein Stift entweder auf eine aktive oder inaktive Stellung gesetzt werden. Die Räder bewegten sich mit Ver- oder Entschlüsselung eines Buchstabens stets eine Position weiter. Der einem Rad zugeordnete Rotor rückte dann eine Position weiter, wenn sich der Stift an der jeweiligen Position des Rades in der aktiven Stellung befand. Darüber hinaus waren die Rotoren selbst mit weiteren setzbaren Stiften ausgerüstet, die deren Bewegung zusätzlich beeinflussten.

Bewertung[Bearbeiten]

Das Schlüsselgerät 39 vermied über die irreguläre Bewegung der Rotoren eine der Hauptschwächen der Enigma. Außerdem hätte ein eventuelles nicht involutorisches Steckerbrett den alliierten Kryptoanalytikern die Arbeit weiter erschwert. In der Dissertation von Michael Pröse wird erwähnt, dass andere Autoren sogar die Meinung vertreten, dass die Alliierten die mit dieser Maschine verschlüsselten Nachrichten nicht hätten entziffern können.[3] Auch der Verfasser eines Berichts über die im Rahmen von TICOM durchgeführten Untersuchungen kam 1946 zu dem Schluss, dass das Niveau der Sicherheit des Schlüsselgeräts 39 bei korrekter Verwendung wahrscheinlich dem der SIGABA entspreche[4]. Andererseits wird in[5] davon ausgegangen, dass auf Grund der schieren Notwendigkeit Methoden der Entzifferung entwickelt worden wären.

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael Pröse: Chiffriermaschinen und Entzifferungsgeräte im Zweiten Weltkrieg – Technikgeschichte und informatikhistorische Aspekte, Dissertation Technische Universität Chemnitz, Leipzig 2004. PDF; 7,9 MB

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Michael Pröse: Chiffriermaschinen und Entzifferungsgeräte im Zweiten Weltkrieg – Technikgeschichte und informatikhistorische Aspekte, Dissertation Technische Universität Chemnitz, Leipzig 2004, S. 42ff. PDF; 7,9 MB
  2. German Cipher Machines of World War II (englisch) (PDF; 1,1 MB), S. 23
  3. Michael Pröse: Chiffriermaschinen und Entzifferungsgeräte im Zweiten Weltkrieg – Technikgeschichte und informatikhistorische Aspekte, Dissertation Technische Universität Chemnitz, Leipzig 2004, S. 43. PDF; 7,9 MB
  4. European Axis Signal Intelligence in World War II – Volume 2: Notes on German High Level Cryptography and Cryptanalysis (englisch) (PDF; 7,5 MB), S. 17
  5. German Cipher Machines of World War II (englisch) (PDF; 1,1 MB), S. 29

Weblinks[Bearbeiten]