Heereswaffenamt

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ehemaliges Heereswaffenamt an der Hertz-Allee, Berlin
ehemaliges Heereswaffenamt (Hof) an der Hertz-Allee, Berlin
Cranzbau, frühere Militärtechnische Akademie auf dem Gelände des ehemaligen HWA

Das Heereswaffenamt (HWA) war die Zentralstelle für die technische Entwicklung und Fertigung von Waffen, Munition und Gerät des deutschen Heeres. Es hatte etwa 5000 Beamte und Offiziere.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Vorläufer der Organisation waren die Gewehr-Prüfungskommission und die Artillerie-Prüfungskommission, die 1918 aufgelöst wurden. Am 8. November 1919 wurde das Waffenamt (Inspektion für Waffen und Gerät) im Reichswehrministerium unter Oberst (später Generalleutnant) Wurtzbacher gegründet.

Umbenennung zum Heereswaffenamt (HWA)[Bearbeiten]

Das Waffenamt erhielt am 5. Mai 1922 die Bezeichnung Heereswaffenamt (HWA).

Unterstellung[Bearbeiten]

Das Heereswaffenamt war in Friedenszeiten dem Oberbefehlshaber des Heeres unmittelbar unterstellt.

Seit Beginn des Polenfeldzugs am 1. September 1939 war das HWA dem Chef der Heeresrüstung und Befehlshaber des Ersatzheeres unterstellt.

Gliederung Waffenamt Prüfwesen[Bearbeiten]

  • Wa Prüf 1 - Abteilung Munition und Ballistik
  • Wa Prüf 2 - Abteilung Infanterie
  • Wa Prüf 4 - Abteilung Artillerie
  • Wa Prüf 5 - Pionier- und Eisenbahnpionier-Abteilung
  • Wa Prüf 6 - Abteilung Panzer- und Motorisierung
  • Wa Prüf 7 - Nachrichtenabteilung
  • Wa Prüf 8 - Abteilung Optik, Messwesen, Heereswetterdienst, Feuerleitung und Kartendruck
  • Wa Prüf 9 - Abteilung Gasschutz
  • Wa Prüf 11 - Abteilung Sondergerät
  • We Prüf 12 - Abteilung Versuchsplätze

Aufgaben[Bearbeiten]

Im Zuge der Aufrüstung der Wehrmacht – sie begann kurz nach der Machtübernahme – wuchs die Bedeutung des HWA.

  • Entwicklung neuer Waffen, Geräte und Munition (Entwicklungs- und Prüfwesen)
  • Massenbeschaffung von Waffen, Geräten und Munition (industrielle Rüstung)
  • Technische Grundlagen, sowie Vorbereitung und Einrichtung von Massenfertigung bei der Industrie
  • Abnahme der fertigen Waffen, Geräte und Munition
  • Erfassung und Katalogisierung von Beutewaffen in „Kennblätter fremden Geräts“

Chefs des Heereswaffenamtes[Bearbeiten]

  • Ludwig Wurtzbacher (Generalleutnant, * 1870; † 1926), 1. Juni 1920 bis 1. März 1925[1]
  • Freiherr Erich von Botzheim (Generalmajor, * 1871; † 1961), 1925.
  • Max Ludwig (Generalleutnant, * 1871; † 1961), 1926–1929.
  • Alfred von Vollard-Bockelberg (Generalleutnant, * 1874; † 1945), 1929–1933.
  • Kurt Liese (Generalmajor, * 1882; † 1945), 1. Dezember 1933 bis 28. Februar 1938.
  • Karl Becker (General der Artillerie, * 1879; † 1940), 1. März 1938 bis 8. April 1940[2]
  • Emil Leeb (General der Artillerie, * 1881; † 1969), 16. April 1940 bis 1. Februar 1945.
  • Walter Buhle (General der Infanterie, * 1894; † 1959), 1. Februar 1945 bis 8. Mai 1945.
HWA Abnahmestempel 1939

Weitere Angaben[Bearbeiten]

Der Hauptsitz des Heereswaffenamtes war in Berlin, Hardenbergstraße 29. Das Gebäude wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und später abgetragen. Auch der Gebäudekomplex Spichernstraße Ecke Hertz-Allee wurde vom HWA genutzt.

Bei den Heeresversuchsanstalten Kummersdorf und Peenemünde sowie an weiteren Standorten wurden Waffen, Gerät und Ausrüstung erprobt.

Das Heereswaffenamt wurde während des Krieges mehrfach umorganisiert. Am 1. Juli 1944 bestand es aus dem Stab mit Forschungsabteilung und sechs Amtsgruppen: Zentralaufgaben, Entwicklung und Prüfwesen, Chefingenieur, Industrielle Rüstung Waffen und Gerät, Industrielle Rüstung Munition, Abnahme.

Die Personalstärke schwankte zwischen 7.000 und 195.000 Mitarbeitern (1944 im Vergleich zu 1939). Die vom Chef der Heeresrüstung, General der Infanterie Walter Buhle, zum 15. Januar 1945 angeordnete Erweiterung des Heereswaffenamtes zum Wehrmachtwaffenamt kam wegen der sich zuspitzenden Lage an den Fronten über Ansätze nicht hinaus. Mitte April 1945 wurde der größte Teil des Heereswaffenamtes, nebst dessen Chef, nach Südbayern verlegt und durch Befehl vom 27. April 1945 endgültig aufgelöst.

Berühmte Entwicklungen des HWA waren das Eisenbahngeschütz „Dora“, die V1 und die V2.

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter Zimmermann: Technik für Rüstung und Krieg. 4. Wehrtechnik und Wehrwissenschaft zwischen den Weltkriegen. (Mitteilungen aus dem Institut für Mechanik 89, 1.) Neubiberg 1989.
  • Helmut Maier: Forschung als Waffe. Rüstungsforschung in der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft und das Kaiser-Wilhelm-Institut für Metallforschung 1900-1945/48. 2 Bände. Wallstein, 2007, ISBN 978-3-8353-0109-2.
  • Rüdiger vom Bruch, Brigitte Kaderas (Hrsg.): Wissenschaften und Wissenschaftspolitik. Steiner, Stuttgart 2002, ISBN 3-515-08111-9.
  • Michael Heidler: Deutsche Fertigungskennzeichen bis 1945, Visier-Edition, VS-Medien GmbH, Bad Ems, ISBN 3-9811018-7-1.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Helmut Maier: Forschung als Waffe. S. 267 (s. Literatur).
  2. Burkhard Cielsa: Karl Becker. In: Wissenschaften und Wissenschaftspolitik. S. 263 (s. Literatur).