Schlankbär

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Schlankbär
Bushy tailed olingo.jpg

Schlankbär (Bassaricyon gabbii)

Systematik
Überordnung: Laurasiatheria
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Überfamilie: Hundeartige (Canoidea)
Familie: Kleinbären (Procyonidae)
Gattung: Makibären (Bassaricyon)
Art: Schlankbär
Wissenschaftlicher Name
Bassaricyon gabbii
(J. A. Allen, 1876)

Der Schlankbär oder Olingo (Bassaricyon gabbii, auch Buschschwanz-Olingo oder Mittelamerika-Makibär), ist eine Art der zu den Kleinbären gehörenden Makibären (Bassaricyon) aus Mittel- und Südamerika. Die Körpergröße reicht von etwa 77 bis 95 Zentimeter, wobei etwas mehr als die Hälfte der Länge auf den Schwanz entfällt.

Merkmale[Bearbeiten]

Der Körper des Schlankbärs ist schlank mit relativ kurzen Vorderbeinen und etwas längeren Hinterbeinen. Er erreicht eine Körperlänge von etwa 77 bis 95 Zentimetern, wobei etwa 40 bis 48 Zentimeter auf den Schwanz entfallen. Das Körpergewicht liegt bei etwa einem Kilogramm. Unter vier vermessenen und gewogenen Tieren in Panama war das einzige in der Stichprobe enthaltene Weibchen etwas größer als die vermessenen Männchen. Zwei in Nicaragua und Costa Rica vermessene Tiere waren signifikant größer als die Tiere aus Panama.[1]

Das Fell ist dick und weich. Die Körperfarbe ist braun bis graubraun, selten goldbraun, wobei die Bauchseite etwas heller cremefarben bis gelb ist. Entlang der Mittellinie des Rückens ist das Fell in der Regel dunkler und es besitzt ein gelbliches Band, das sich über den Nacken zu den Ohren zieht. Das breite Gesicht ist grauer als der Körper, die Schnauze ist kurz und spitz. Die Augen sind groß mit zimtfarbener Iris und senkrechten, schmalen Pupillen. Die Ohren abgerundet, die Ohrlänge beträgt 3,5 bis 3,8 Zentimeter.[1]

Die Füße sind breit mit gebogenen Krallen, sie sind etwa 8 bis 9 Zentimeter lang. Der Schwanz ist etwas länger als der restliche Körper und macht etwa 51 bis 56 % der Körperlänge aus. Anders als beim Wickelbären (Potos flavus), mit dem der Schlankbär häufig verwechselt wird, ist der Schwanz bei diesem nicht greiffähig. Er ist leicht dorsoventral abgeflacht und kann 11 bis 13 dunkle Ringe aufweisen. Die Schwanzspitze ist buschig behaart.[1]

Verbreitung und Lebensraum[Bearbeiten]

Verbreitungsgebiet des Schlankbärss nach Angaben der IUCN[2]

Entsprechend den Angaben der International Union for Conservation of Nature and Natural Resources (IUCN) liegt das Verbreitungsgebiet des Schlankbärs in Mittel- und Südamerika und reicht von Nicaragua über Costa Rica, Panama und den Westen Kolumbiens bis in das nördliche Ecuador.[3][2] Nach Prange & Prange 2009 wurde die Art zudem in Honduras, Guatemala, Venezuela, Bolivien und Peru dokumentiert.[1]

Dabei kommt er vor allem in immergrünen Regenwaldgebieten und an Waldrändern vor. Die Höhenverbreitung reicht von Meereshöhe bis in Höhen von 2.000 Metern,[3] wobei die Hauptverbreitung in Höhen von 1.600 bis 2.000 Metern liegt.[1]

Lebensweise und Ökologie[Bearbeiten]

Der Schlankbär lebt vor allem in den höheren Bereichen des Waldes im Laub der Bäume. Nach Ansicht einzelner Wissenschaftler meidet er anthropogen beeinflusste Gebiete,[1] andere beschreiben eine gute Anpassung an Sekundärwälder und Plantagen.[3]

Ernährung[Bearbeiten]

Er ernährt sich überwiegend von Früchten, vor allem von Feigen, und kann sehr häufig in früchtetragenden Bäumen beobachtet werden. Daneben soll er auch Insekten und kleine Wirbeltiere erbeuten,[3], wobei Prange & Prange 2009 dies als Anekdote darstellen. Dokumentiert ist der Fall eines Schlankbärs im Biologischen Reservat Monteverde, Costa Rica, der ein Bunthörnchen (Sciurus variegatoides) gefangen und getötet hat. Ein weiterer Schlankbär soll regelmäßig Kolibris gefangen haben und ein dritter wurde beobachtet, wie er eine Mexikanische Hirschmaus (Peromyscus mexicanus) gefangen und gefressen hat.[1]

Für Panama wurden insgesamt 15 verschiedene Nahrungspflanzen für den Schlankbär nachgewiesen, zudem wird vor allem zum Beginn der Trockenzeit dem Nektar der Blüten des Balsabaumes (Ochroma pyramidale) eine besondere Bedeutung zugeschrieben.[1]

Zwischen den Schlankbärsen und dem teilweise im gleichen Lebensraum vorkommenden Wickelbären wird eine starke Konkurrenz um verfügbare Ressourcen, vor allem Nahrungspflanzen und Habitate, angenommen. Dabei geht man davon aus, dass der in einem deutlich größeren Gebiet vorkommende Wickelbär gegenüber den Schlankbärs konkurrenzstärker ist und diese entsprechend in Gebieten verdrängt, die nur über begrenzte Ressourcen verfügen.[1]

Fortpflanzung[Bearbeiten]

Der Schlankbär bringt in der Regel ein einzelnes Jungtier nach einer Tragzeit von 2,5 Monaten zur Welt. Die Geburt erfolgt dabei wahrscheinlich zum Beginn der Trockenzeit.[1]

Fressfeinde und Parasiten[Bearbeiten]

Zu den potenziellen Fressfeinden der Schlankbärs gehören vor allem die Jaguarundi (Herpailurus yaguarondi), der Ozelot (Leopardus pardalis) sowie große Schlangen. Die Tayra (Eira barbara) könnte sie ebenfalls erbeuten, während sie sich tagsüber in ihre Bauten zurückziehen.[1]

Über Parasiten der Schlankbärs liegen nur wenige Informationen vor. Zu den nachgewiesenen Parasiten gehören die Leishmanien Leishmania braziliensis und Leishmania panamensis. Experimentell konnten die Tiere weder mit Isospora arctopitheci noch mit Toxoplasma gondii infiziert werden.

Systematik[Bearbeiten]

Der Schlankbär wird als anerkannte Art den Makibären der Gattung Bessaricyon zugeordnet, die aktuell aus fünf Arten besteht.[4] Dabei besteht momentan keine Sicherheit über die tatsächliche Anzahl der Arten und in der Vergangenheit wurden von verschiedenen Wissenschaftlern auch nur zwei oder nur eine Art der Makibären anerkannt.[3][1]

Innerhalb der Art werden drei Unterarten unterschieden. Dabei handelt es sich neben der Nominatform B. g. gabbii um B. g. medius und B. g. richardsoni.[1]

Benannt wurde Bassaricyon gabbii nach William M. Gabb, der das erste wissenschaftlich beschriebene Exemplar der Art gefangen hat.[1]

Gefährdung und Schutz[Bearbeiten]

Die Art wird von der International Union for Conservation of Nature and Natural Resources (IUCN) global aufgrund des relativ großen Verbreitungsgebietes als „nicht gefährdet“ (Least concern) eingeschätzt.[3] Dabei wurde sie von 1996 bis 2008 „gering gefährdet“ (Lower Risk/Near Threatened) eingestuft.[3]

Die Art kommt in einer Reihe geschützter Gebiete in ihrem Verbreitungsgebiet vor und kann sich auch nach einer Veränderung des Lebensraumes gut an neue Lebensbedingungen anpassen.[3] Als Hauptbedrohung für einzelne Populationen wird der Lebensraumverlust durch Entwaldung angesehen. Eine Bejagung der Art findet nicht statt, allerdings werden lokal die Jungtiere gefangen und als Haustiere verkauft.[3] In Kolumbien ist der Schlankbär gesetzlich geschützt und wird im Anhang III des Washingtoner Artenschutzübereinkommens gelistet.[3]

Belege[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j k l m n  Suzanne Prange, Timothy J. Prange: Bassaricyon gabbii (Carnivora: Procyonidae). In: Mammalian Species. 826, 2009, S. 1–7.
  2. a b Verbreitungskarte zu Bassaricyon gabbii bei der IUCN
  3. a b c d e f g h i j Bassaricyon gabbii in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2011.2. Eingestellt von: F. Reid, K. Helgen, 2008. Abgerufen am 1. April 2012
  4. Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder (Hrsg): Bassaricyon gabbii in Mammal Species of the World. A Taxonomic and Geographic Reference (3rd ed).

Literatur[Bearbeiten]

  •  Suzanne Prange, Timothy J. Prange: Bassaricyon gabbii (Carnivora: Procyonidae). In: Mammalian Species. 826, 2009, S. 1–7.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bassaricyon gabbii – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Bassaricyon gabbii in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2011.2. Eingestellt von: F. Reid, K. Helgen, 2008. Abgerufen am 1. April 2012