Schloss Jelgava

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Schloss Jelgava und Lielupe im Winter

Schloss Jelgava (auch: Schloss Mitau, lettisch Jelgavas pils) ist das größte Barockschloss im Baltikum. Es wurde im 18. Jahrhundert nach Plänen von Bartolomeo Francesco Rastrelli als Herrschersitz der Herzöge von Kurland und Semgallen in ihrer Hauptstadt Mitau (heute: Jelgava) errichtet. Als Sommersitz diente den Herzögen das nahe gelegene, ebenfalls von Rastrelli geplante Schloss Rundāle.

Geschichte[Bearbeiten]

Schloss Jelgava vom Innenhof aus

Das Schloss wurde 1738 von Ernst Johann von Biron in Auftrag gegeben und auf einer Insel zwischen der Kurländischen Aa (Lielupe) und ihren Nebenarmen errichtet. An dieser Stelle war zuvor bereits ein Schloss der Herzöge der Dynastie Kettler und noch früher eine Burg der Deutschordensritter gestanden.[1]

Nachdem Biron 1740 in Ungnade gefallen war, wurden alle Bauarbeiten unterbrochen, obwohl zu diesem Zeitpunkt das Dach noch nicht aufgesetzt war. Die Arbeiten wurden erst 1763, nachdem Biron aus der Verbannung zurückgekehrt war, wieder aufgenommen. Neben Rastrelli, der sich nach dem Tod seiner Förderin Zarin Elisabeth in Kurland betätigte, war der Däne Severin Jensen als Planer beteiligt, der dem Schloss klassizistische Elemente zufügte.

Das Schloss wurde 1772 fertig, ein halbes Jahr danach starb Ernst Johann von Biron. 1779 beherbergte sein Nachfolger Peter von Biron den Abenteurer Alessandro Cagliostro im Schloss. Nachdem Kurland 1795 vom Russischen Reich annektiert worden war, wurde das Schloss zum Zufluchtsort für französische Adlige, die wegen der Französischen Revolution ihre Heimat verlassen mussten. Ludwig XVIII. und seine Familie lebten zwischen 1797 und 1801 im Schloss.[2] Marie Thérèse Charlotte von Frankreich heiratete hier 1799 den Thron-Prätendenden Louis-Antoine von Bourbon, den Fürsten von Angoulême.

1918 wurde das Innere des Schlosses zerstört, als Truppen der Westrussischen Befreiungsarmee unter Pawel Bermondt-Awaloff auf dem Rückzug plünderten und brandschatzten. Schwere Schäden erlitt das Schloss auch im Zweiten Weltkrieg während der Kämpfe im Sommer 1944. Zwischen 1956 und 1964 wurde das Schloss restauriert, wobei man sich auf die Gebäudehülle beschränkte.[1] Seit 1939 beherbergt das Schloss die Lettische Landwirtschaftliche Universität.

Architektur[Bearbeiten]

Die Herzogengruft

Schloss Jelgava wird nicht zu Rastrellis besseren Gebäuden gezählt. Kritikern missfällt die eher langweilige Fassade, der die abwechslungsreiche Formenvielfalt abgeht, die Rastrellis Arbeiten für Zarin Elisabeth auszeichnet. Ebenfalls untypisch ist der fehlende Park. Nicht einmal der Paradeplatz ist geschlossen, er ist zur Stadt hin offen. Ursprünglich bestand das Schloss aus zwei Flügeln, die mit dem Hauptgebäude in Form eines U verbunden waren. 1937 wurde der Anlage ein viertes Gebäude zugefügt, das den Perimeter schloss.[3]

Von historischer Bedeutung ist die Gruft der Herzöge von Kurland und Semgallen im südwestlichen Untergeschoss. Alle Herzöge aus den Häusern Kettler und Biron wurden hier zwischen 1569 und 1791 bestattet. Die Räumlichkeiten enthalten 21 steinerne Sarkophage und neuen hölzerne Särge. Die Krypta wurde 1819 ins Schloss verlegt.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Schloss Jelgava. www.pilis.lv. Abgerufen am 17. März 2012.
  2. Edward T. Corp, Edward Gregg, Howard Erskine-Hill: A Court in Exile. Cambridge University Press, 2004. ISBN 0521584620, S. 5.
  3. Елгавский дворец (russisch) Abgerufen am 30. Mai 2012.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jelgava Palace – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

56.655823.733Koordinaten: 56° 39′ 21″ N, 23° 43′ 59″ O