Pawel Michailowitsch Bermondt-Awaloff

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Pawel Michailowitsch Bermondt-Awaloff (russisch Павел Михайлович Бермондт-Авалов; * 4. März 1877 [1] in Tiflis im Russischen Reich; † 27. Januar 1974 in New York City, USA) war ein russischer Abenteurer, Offizier im Ersten Weltkrieg und von Juli bis November 1919 Befehlshaber der sogenannten Westrussischen Befreiungsarmee im Russischen Bürgerkrieg.

Leben[Bearbeiten]

Bermondt-Awaloffs Herkunft, Adelstitel und militärischer Werdegang sind teilweise ungesichert. Vieles beruht auf seinen eigenen Angaben und ist zweifelhaft. Bis zum 6. Oktober 1919, als er den Angriff auf Riga befahl, nannte er sich Bermondt. Am 9. Oktober 1919 nannte er sich dann zum ersten Mal Fürst Bermondt-Awaloff. Wie er später behauptete, sei er der leibliche Sohn des georgischen Fürsten Michail Antonowitsch Awaloff (Mikhail Awalischwili), des ersten Ehemanns seiner Mutter. Der Name Bermondt stamme vom zweiten Ehemann seiner Mutter. Auf Fürsprache seines leiblichen Vaters habe er 1919 den russifizierten Namen Awaloff und den Fürstentitel angenommen.

In der Armee des russischen Kaiserreiches nahm Bermondt am Russisch-Japanischen Krieg teil. Im 1. Weltkrieg wurde er nach eigenen Aussagen zum Oberst befördert. 1918 stellte er in der Ukraine Weiße Truppen auf. Mit dem Untergang des Hetman-Staates wurde er zuerst gefangengesetzt, kam dann nach Deutschland und schloss sich den dort tätigen russisch-monarchistischen Gruppen an.[2] Er organisierte im Kriegsgefangenenlager Salzwedel eine kleine Truppe, die er „Korps Graf Keller“ nach dem ermordeten Führer der weißen Bewegung Theodor Arturowitsch Keller benannte. Anfang Juni 1919 verlegte die etwa 300 Mann starke Einheit nach Kurland. Er verweigerte den Befehl seines nominellen Vorgesetzten Nikolai Nikolajewitsch Judenitsch zur Verlegung nach Estland.

Mit Unterstützung des Generals Rüdiger von der Goltz und durch die Wahl einer Westrussischen Regierung in Berlin wurde Bermondt dann im Juli 1919 als Nachfolger des Fürsten Anatol Pawlowitsch Lieven mit der Führung der Westrussischen Befreiungsarmee beauftragt. In Mitau residierend, ließ Bermondt rauschende Feste feiern und vereinbarte die Übernahme deutscher Freikorps, die schließlich 80 % seiner Streitmacht ausmachten.Insgesamt soll die Truppe rund 50 000 Soldaten ausgemacht haben, 40 000 deutsche und deutsch-baltische Männer und rund 10 000 Russen. Der Übertritt der Deutschen sollte das Verbleiben der Freikorps im Baltikum ermöglichen, nachdem die deutsche Reichsregierung und die Entente-Staaten (USA, Großbritannien, Frankreich) die Truppen zurückgerufen hatten.[3]

Als die deutsche Regierung im Herbst 1919 die weitere Finanzierung der Armee aufkündigte, ernannte sich Bermondt zum Generalgouverneur von Westrussland mit eigener Zivilverwaltung. In Deutschland wurde illegal das sogenannte Bermondt-Geld gedruckt; als Deckung dienten die ehemaligen Staatswälder Kurlands. Er wurde unter anderem auch von einem obskuren Zweig des Johanniterordens und von J.P. Morgan jun. finanziell unterstützt.[4]

In seinem Buch Meine Sendung in Finnland und im Baltikum schildert Rüdiger von der Goltz die Zielsetzung des Korps Bermondt wie folgt: Da die deutschen Truppen aus Kurland abgezogen werden sollten und die Entente keine deutschen Eingriffe in Russland duldete, sollte ein Korps aus Freiwilligen unter russischer Leitung gegen die Bolschewiken kämpfen. Bermondt galt als deutschfreundlich und anti-bolschewistisch. Deshalb wurde er mit der Führung dieses Korps betraut. [5]

Bei den Kämpfen im November 1919 wurden seine Truppen von der Armee Lettlands geschlagen. Nach der Niederlage bei Riga im November 1919 setzte sich Bermondt zunächst nach Dänemark ab, beförderte sich selbst zum Generalmajor und lebte dann in Deutschland.

Ab 1933 nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten war er Vorsitzender einer Russischen nationalsozialistischen Bewegung, die 1939 nach dem Molotow-Ribbentrop-Pakt aufgelöst wurde. Nach einer Haftzeit wurde Bermondt aus Deutschland ausgewiesen. Er siedelte erst nach Belgrad um, ging aber 1941 in die Vereinigten Staaten.

Sonstiges[Bearbeiten]

  • 1919 stiftete Awaloff-Bermondt eine Erinnerungsmedaille für die Kämpfer der Westrussischen Befreiungsarmee. Die Medaille bestand aus Bronze und wurde zwischen 1919 und 1921 verliehen.[6]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Werke[Bearbeiten]

  • Im Kampf gegen den Bolschewismus. Erinnerungen von General Fürst Awaloff. Oberbefehlshaber der Deutsch-Russischen Westarmee, Glückstadt, Hamburg: J. J. Augustin, 1925.

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Kurt von Braatz: Fürst Anatol Pawlowitsch Lieven. Chr. Belser, Stuttgart 1926.
  • Darstellungen aus den Nachkriegskämpfen deutscher Truppen und Freikorps. Bd 3: Die Kämpfe im Baltikum nach der zweiten Einnahme von Riga. Juni bis Dezember 1919, Berlin 1938.
  • Michael Kellogg: The Russian roots of Nazism: white émigrés and the making of National Socialism 1917–1945. Cambridge University Press, Cambridge, 2005, ISBN 0-521-84512-2 (S. 100)
  • Paluszyński Tomasz, Walka o niepodległość Łotwy 1914–1921, Warszawa 1999.
  • Paluszyński Tomasz, Walka o niepodległość Estonii 1914–1920, Poznań 2007.
  • Rüdiger von der Goltz: Meine Sendung in Finnland und im Baltikum. Verlag K F. Koehler, Leipzig 1920.

Anmerkungen und Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. nach eigener Angabe in seinem Buch „Im Kampf gegen den Bolschewismus“, 1884
  2. Die Kämpfe im Baltikum nach der zweiten Einnahme von Riga (1938)
  3. Jobst Knigge: Kontinuität deutscher Kriegsziele im Baltikum. Die deutsche Baltikum-Politik 1918/19 und das Kontinuitätsproblem, Hamburg 2003
  4. The baltic campaign of the Knights of Malta (englisch)
  5. Aus dem Kapitel „Die Entstehung des Korps Bermondt“, Seite 225: „Die Sicherstellung der höheren Führung war aber um so wichtiger, als von mir die Aufstellung des Korps Bermondt vor allem für den Fall vorgesehen war, dass die deutschen Truppen auf Befehl der Regierung der Entente das ehemals russische Gebiert zu räumen hatten. Da die deutschen Soldaten nicht in die Heimat zurück wollten, sie aber als Siedler nicht bleiben konnten, wenn sie sich der damals widerstrebenden Ulmanis-Regierung gegenüber nicht mit Gewalt durchgesetzt hatten, so blieb nur übrig, dass sie in russischen Dienst traten. Entstand hier im Baltikum ein russisch-deutsches Heer, das von Westen her über Dünaburg auf Witebsk-Wileijka vordrang, während Koltschak und Denikin von Osten und Süden den Bolschewiken zu Leibe gingen, so war der Abtransport des VI. Reservekorps auch für Ostpreußen nicht mehr bedenklich. Es konnte dann endlich die von der deutschen Regierung nicht gestattete Offensive ins Innere Russlands ausgeführt werden. Man konnte hoffen, mit Erledigung der Bolschewikenherrschaft in Russland der dauernden Beeinflussung der deutschen Bolschewiken durch russisches Geld und russische Propaganda ein Ende zu bereiten und auch den inneren Bolschewismus in Deutschland zu ertöten, der Hydra der immer weiter fressenden immer mehr nach links treibenden deutschen Revolution den Kopf zu zertreten.“
  6. Erinnerungsmedaille der Freiwilligen russischen Westarmee mit Bild
  7. http://www.hermann-historica.de/auktion/hhm48.pl?f=NR&c=33416&t=temartic_2_D&db=kat48_2.txt