Silâhdar Fındıklılı Mehmed Ağa

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Der Chronist Mehmed, genannt Silâhdar Fındıklılı Mehmed Ağa (* 1658; † 1723) stammt aus Fındıklı, einem Vorort von Istanbul. Er ist ein osmanischer Historiograph, sein Hauptwerk ist die Geschichte des Silâhdar.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Mehmed hatte sich bereits als Page am Sultanshof einen Namen als Geschichtsschreiber gemacht. Von Sultan Mustafa II. erhielt er den Auftrag, ein Buch zu schreiben, Inhalt sollte die Regierungszeit des Sultans unter dem Titel nusratname (dt. "Siegesbuch") sein. Er wurde zum Turbanbewahrer und unter Sultan Ahmed III. zum Silâhdar / ‏سلحدار‎ (arabisch ‏سلاح‎, DMG silāḥ ‚Waffe‘, persisch ‏دار‎ -dâr, ‚Bewahrer‘, also dt. „Waffenträger“) ernannt. Daher wird er seither Silâhdar Fındıklılı Mehmed Ağa und sein wichtiges Werk einfach "Geschichte des Silâhdar" genannt.

Über den ursprünglichen Rahmen hinausgehend, komprimiert und kommentiert er in diesem Werk Berichte anderer Chronisten, die er mit Zusätzen aus meist nicht genannten Quellen ergänzt. Doch wird manchmal auch der unveränderte Wortlaut wiedergegeben, z.B. beim Bericht des Großbotschafters Kara Mehmed Pascha, der 1665 am kaiserlichen Hof in Wien war (im Band I der Geschichte). Hat Evliya Çelebi dies im Band VII seines Reisebuches Seyâhatnâmesi mit vielen weiteren Informationen über Land und Leute verbunden,[1] so beschränkt sich der Silâhdar auf den politischen Bericht des Botschafters.

“Darauf antworteten wir, dass unser Herr, der großmächtige und hocherhabene, weltbeschützende Padischah uns diese Trommeln und Banner geschenkt und uns im Sinne des Freundschaftsverhältnisses entsandt habe; wenn wir also nicht nach osmanischer Weise einziehen dürften, wo bleibe dann die Freundschaft? [...] im übrigen dächten wir nicht daran, auf irgend eine andere Weise in Wien einzuziehen.”[2]

Auch den Feldzug Kara Mustafas gegen Wien beschreibt er nach dem Tagebuch des Zeremonienmeisters. Dieses Buch hat er gestrafft, indem er ihm unwichtig erschienene Stellen eliminierte, vor allem die wiederholten Anrufungen Allahs mit der Bitte um den Sieg. Der Silâhdar steht der Person Kara Mustafas und seiner Feldherrnkunst im Gegensatz zum Zeremonienmeister auf Grund des zeitlichen Abstandes und des Wissens um das Ergebnis des Feldzuges sehr kritisch gegenüber.[3]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Richard Franz Kreutel (Übersetzer): Die Geschichte des Silihdars. aus: Kara Mustafa vor Wien. Das türkische Tagebuch der Belagerung Wiens 1683, verfaßt vom Zeremonienmeister der Hohen Pforte. Band 1 der Reihe: Osmanische Geschichtsschreiber. Verlag Styria, Graz/Wien/Köln 1955, Erste Auflage.
  • Richard Franz Kreutel/Erich Prokesch/Karl Teply (Übersetzer): Im Reiche des Goldenen Apfels. Des türkischen Weltenbummlers Evliyâ Çelebi denkwürdige Reise in das Giaurenland und in die Stadt und Festung Wien anno 1665. Band 2 der Reihe: Osmanische Geschichtsschreiber. Verlag Styria, Graz/Wien/Köln 1987, ISBN 3-222-11747-0.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Richard Franz Kreutel/Erich Prokesch/Karl Teply (Übersetzer): Im Reiche des Goldenen Apfels. Des türkischen Weltenbummlers Evliyâ Çelebi denkwürdige Reise in das Giaurenland und in die Stadt und Festung Wien anno 1665. Band 2 der Reihe: Osmanische Geschichtsschreiber. Verlag Styria, Graz/Wien/Köln 1987, ISBN 3-222-11747-0.
  2. Richard Franz Kreutel/Erich Prokosch/Karl Teply (Übersetzer): Im Reiche des Goldenen Apfels. Des türkischen Weltenbummlers Evliyâ Çelebi denkwürdige Reise in das Giaurenland und in die Stadt und Festung Wien anno 1665. Band 2 der Reihe: Osmanische Geschichtsschreiber. Verlag Styria, Graz/Wien/Köln 1987, ISBN 3-222-11747-0, S. 257.
  3. Richard Franz Kreutel (Übersetzer): Die Geschichte des Silihdars. aus: Kara Mustafa vor Wien. Das türkische Tagebuch der Belagerung Wiens 1683, verfaßt vom Zeremonienmeister der Hohen Pforte. Band 1 der Reihe: Osmanische Geschichtsschreiber. Verlag Styria, Graz/Wien/Köln 1955, Erste Auflage, S. 135-137.