Sotion (Lehrer Senecas)

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Sotion (griechisch Σωτίων Sōtíōn) war ein griechischer Philosoph und Lehrer Senecas. Er lebte im späten 1. Jahrhundert v. Chr. und frühen 1. Jahrhundert n. Chr. in Rom.

Leben und Lehre[Bearbeiten]

Sotion gehörte der Philosophenschule der „Sextier“ an, die Quintus Sextius im 1. Jahrhunderts v. Chr. in Rom gegründet hatte. In dieser Schule mischte sich stoisches mit neupythagoreischem Gedankengut, wobei letzteres anscheinend überwog: Quintus Sextius legte Wert auf die Feststellung, kein Stoiker zu sein,[1] und Sotion vertrat nachdrücklich pythagoreische Lehren.

Nach den Angaben einer sehr späten Quelle, der spätantiken Chronik des Kirchenvaters Hieronymus, stammte Sotion aus Alexandria in Ägypten und erreichte seine akmḗ (das als Höhepunkt des Lebens aufgefasste Alter von 40 Jahren) im Jahr 13 n. Chr. Bekannt ist Sotion als Lehrer Senecas. Seneca nahm als Jugendlicher (puer) und Jüngling (iuvenis), also im zweiten und vielleicht noch im dritten Jahrzehnt des 1. Jahrhunderts n. Chr., an Sotions Unterricht teil.[2] Zeitweilig übernahm er von diesem Lehrer den Vegetarismus. Sotion begründete die fleischlose Ernährung mit der Seelenwanderungslehre, wobei er sich auf Pythagoras berief, und auch – Quintus Sextius folgend – mit gesundheitlichen Erwägungen und der Forderung nach Vermeidung von Grausamkeit; außerdem gehörte diese Ernährungsweise für ihn zur philosophischen Genügsamkeit (frugalitas), denn Fleischnahrung wurde als Luxus betrachtet.[3] Bei Sotion erlernte Seneca auch die aus pythagoreischer Tradition stammende, schon von Quintus Sextius ausgeführte Übung der abendlichen Rekapitulation des Tages und Selbstbefragung vor dem Einschlafen: „Welches deiner (charakterlichen) Übel hast du heute geheilt? Welchem Laster hast du widerstanden? In welcher Hinsicht bist du besser (geworden)?“[4] Schon Cicero hatte diese Selbstprüfung als pythagoreischen Brauch gekannt.[5]

Unklar ist, ob der Lehrer Senecas mit dem gleichnamigen Verfasser einer Schrift „Über den Zorn“ (Peri orgḗs) zu identifizieren ist. Aus diesem Werk sind einige Fragmente bei Stobaios überliefert.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Seneca, Epistulae morales ad Lucilium 64,2.
  2. Seneca, Epistulae morales ad Lucilium 49,2 und 108,17.
  3. Seneca, Epistulae morales ad Lucilium 108,17–21. Siehe dazu Charles H. Kahn: Pythagoras and the Pythagoreans, Indianapolis 2001, S. 92f., 151.
  4. Seneca, De ira 36,1–3.
  5. Cicero, Cato maior de senectute 38; Charles H. Kahn: Pythagoras and the Pythagoreans, Indianapolis 2001, S. 92f.