Spätantiker Kammhelm

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Spätantiker Kammhelm
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Angaben
Waffenart: Schutzwaffe
Bezeichnungen: Kammhelm
Verwendung: Helm
Einsatzzeit: bis etwa 400 n. Chr.
Ursprungsregion/
Urheber:
Römisches Reich, Waffenschmiede
Verbreitung: Römisches Reich
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Der Spätantike Kammhelm (eng. Ridge Helmet) war ein ursprünglich wohl sassanidischer Helmtypus der Spätantike, der vor allem von den Römern verwendet wurde. Verwandte Formen, die sogenannten Nordischen Kammhelme oder auch Vendelhelme waren noch bis ins Frühmittelalter auf den Britischen Inseln und in Skandinavien verbreitet.

Beschreibung[Bearbeiten]

Die Kalotte des römischen Kammhelms besteht aus zwei Teilen, die in der Helmmitte durch einen vom Hinterkopf zur Stirn verlaufenden Metallbügel (bzw. Kamm) zusammengehalten werden. Er ist in der Regel aus Eisen gefertigt und hat oftmals ein Nasal (Nasenschutz). Die Wangenklappen und der Nackenschutz sind im Gegensatz zu den Helmen der früheren Kaiserzeit nicht mit Scharnieren befestigt, sondern mit dem Helmfutter oder durch Schnüre mit der Kalotte verbunden.

Römische Kammhelme erscheinen erstmals auf den Münzen Konstantins des Großen und wurden bis ins 4. Jahrhundert eingesetzt. Mit Ausnahme eines Fundes, der aus dem hunnischen Grab von Concești in Rumänien (Kreis Botoșani) stammt, wurden alle spätantiken Kammhelme auf ehemaligem römischen Reichsgebiet gefunden. Der Helm von Concești ist gleichsam einer der jüngsten Vertreter und stammt aus der Zeit um 400. Nach dem äußeren Erscheinungsbild unterscheidet man drei Typen, die nach bekannten Fundorten benannt sind:

  • Typ Dunapentele/Intercisa
  • Typ Berkasovo
  • Typ Augsburg

Eine Sonderform stellt ein Exemplar aus Dura Europos dar, der in der Bauart zwar römischen Kammhelmen sehr ähnlich ist, aber von diesen vor allem durch seine hoch gewölbte Form abweicht. Der Helm wurde 1932/1933 im Zuge einer französisch-amerikanischen Grabungskampagne in einem Tunnel unter einem Turm der Stadtbefestigung gefunden. Neben Skeletten römischer Soldaten, fanden sich auch die Überreste eines Sassanidischen Kriegers, dem dieser Helm zugeschrieben wird. Da der Tunnel im Zuge der Belagerung unter Shapur I. angelegt wurde, lässt sich der Helm recht gut auf die Zeit um 250 n. Chr. einordnen.

Spätrömischer Soldat mit Kammhelm (Hobbyrekonstruktion)

Die spätrömische Kavallerie brachte den Kammhelm mit nach Germanien und Britannien, wovon zahlreiche, manchmal mit Gravuren oder gar Edelsteinen (meistens aber Glasimitationen) verzierte Fundstücke zeugen.

Galerie[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Simon MacDowall: Late Roman Cavalryman. 236–565 AD. (Weapons, armour, tactics) (= Osprey Military. Warrior Series 15). Colour Plates by Christa Hook. Osprey, London 1995, ISBN 1-85532-567-5.
  • Mahand Vogt: Spangenhelme. Baldenheim und verwandte Typen (= Kataloge vor- und frühgeschichtlicher Altertümer. Bd. 39). Verlag des Römisch-Germanisches Zentralmuseum, Mainz 2006, ISBN 3-88467-100-6.
  • John Warry: Warfare in the Classical World. An Illustrated Encyclopedia of Weapons, Warriors, and Warfare in the Ancient Civilisations of Greece and Rome. Repronted edition. University of Oklahoma Press, Norman OK 2004, ISBN 0-8061-2794-5.
  • Peter Wilcox: Rome's enemies. Band 3: Parthians and sassanid Persians (= Osprey Military. Men-at-arms Series 175). Reprinted edition. Colour Plates Angus McBride. Osprey, London 1997, ISBN 0-85045-688-6.

Weblinks[Bearbeiten]