Spanische Trompete

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Spanische Barockorgel (San Andrés, Valladolid, 1784) mit Horizontalzungenpfeifen
Spanische Trompete in einer modernen Orgel (Flintholm Kirke, Frederiksberg, Dänemark)
Spanische Trompete in einer modernen Orgel, Detailansicht (Jakobus-Kirche, Breckerfeld)

Die Spanische Trompete ist ein Orgelregister, das horizontal im Prospekt der Orgel angeordnet ist.

Geschichte[Bearbeiten]

Horizontale Zungenpfeifen verbreiteten sich in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts auf der iberischen Halbinsel und fehlten von da an in kaum einer der Orgeln in diesem Gebiet. Die älteste bekannte Erwähnung betrifft eine Trompete in der Orgel von Eibar 1659. Der optische Eindruck solcher Register scheint von Anfang an kalkuliert gewesen zu sein. Joseph de Echevarría, der erste Orgelbauer, von dem Horizontalzungen bekannt sind, vergleicht sie mit „Artillerie“. Horizontale Zungenpfeifen finden sich auch in Orgeln, die in den damaligen spanischen und portugiesischen Kolonien gebaut wurden.

Aus der späten Barockzeit ist ein Instrument in Frankreich (Orgel in St. Maximin, Département Var; erbaut von Jean Esprit Isnard, Fertigstellung 1773) erhalten, das über zwei Horizontaltrompeten 8' jeweils nur in Diskantlage verfügt.

Seit der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts werden auch in anderen Ländern horizontale Zungenregister gebaut. Sie werden wie zur Zeit ihrer Erfindung häufig wegen des besonderen optischen Eindrucks verwendet. Daneben spielen im modernen Orgelbau auch klangliche Aspekte eine Rolle.

Vorkommen[Bearbeiten]

In traditionellen iberischen Orgeln, bei denen die Manuale zwischen c¹ und cis¹ geteilt sind, findet man in einer voll ausgebauten „Trompetería“ (oder „Lengüetería“) in der Basshälfte (B) Horizontaltrompeten zu 8′, 4′ und 2′ und in der Diskanthälfte (D) Horizontaltrompeten zu 16′, 8′ und 4′. Der charakteristische Klang dieser Lingualpfeifen, die fast immer mit aufschlagenden Zungen ausgestattet sind, entsteht dadurch, dass sich die Schallwellen aus diesen Pfeifen ohne Hindernisse (andere Pfeifen, Orgelgehäuse) in den Raum ausbreiten können. In kleinen Instrumenten, aber auch in Instrumenten aus der Anfangszeit der Horizontalzungen, findet sich häufig nur eine Horizontaltrompete 4′ B / 8′ D und dazu ein horizontal angeordnetes regalartiges Register 8′ B/D.

In modernen Orgeln wird die Trompetería entweder in Anlehnung an die iberische Tradition gestaltet oder die horizontalen Zungenregister werden wie alle anderen Register in der jeweiligen Orgel durchlaufend gebaut. Häufig wird die Trompetería als eigenes Werk entweder mit eigenem Manual oder ohne eigenes Manual mit Koppeln zu den vorhandenen Manualen disponiert. Außerhalb der iberischen Halbinsel gibt es lediglich eine spanische Trompeteria, die original in Spanien gefertigt wurde: Sie befindet sich in der Abtei Marienstatt im Westerwald.

Register[Bearbeiten]

Gebräuchliche Namen sind:

  • Trompeta de batalla (8′ B/D)
  • Trompeta de campaña (8′ B/D)
  • Bajoncillo (4′ B)
  • Clarín claro (8′ D)
  • Clarín de batalla (8′ D)
  • Clarín de campaña (8′ D)
  • Clarín en quincena (2′ B)
  • Trompeta magna (16′ D)
  • Trompeta imperial (32′ D oder 16′ D)
  • Trompeta quinta (5 1/3′ D, B/D oder ohne Teilung, selten)
  • Chamade (16′, 8′ oder 4′ mit oder ohne Teilung)
  • Trompette en chamade (16′, 8′ oder 4′, mit oder ohne Teilung)
  • Spanische Trompete (16′, 8′ oder 4′, mit oder ohne Teilung)
  • Royal Trumpet (16′, 8′ oder 4′, mit oder ohne Teilung, in modernen Orgeln oft als Hochdruckregister)

Vereinzelt gibt es auch Horizontaltrompeten 16′ im Bass mit halber Becherlänge (Trompeta bastarda). Mit Trompeta magna kann auch eine innen stehende Trompete 16′ (D oder B/D, dann B mit halber Becherlänge) gemeint sein. Mit Trompeta imperial kann auch eine innen stehende Trompete 32′ D oder 16′ D gemeint sein. Trompeta real ist fast immer eine innen stehende Trompete, normalerweise zu 8′, die in nahezu jeder Orgel mit Horizontalzungenstimmen vorhanden ist.

Zur Trompetería gehören oft auch noch regalartige Lingualregister (Dulzaina, Orlos, Viejas, Viejos) mit kurzen konischen oder zylindrischen, mitunter teilgedeckten, Bechern in den Lagen 16′ B/D, 8′ B/D, 4′ B/D (D selten) und 2′ B.

Klangbeispiele[Bearbeiten]

Gespielt an den Orgeln der Kirche „San Juan Bautista“ in Marchena, Spanien:

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Klotz: Das Buch von der Orgel. Über Wesen und Aufbau des Orgelwerkes, Orgelpflege und Orgelspiel. 14. Auflage. Bärenreiter, Kassel u. a. 2012, ISBN 3-7618-0826-7.
  • Rudolf Reuter: Orgeln in Spanien (= Veröffentlichungen der Orgelwissenschaftlichen Forschungsstelle im Musikwissenschaftlichen Seminar der Westfälischen Wilhelms-Universität. Nr. 14). Bärenreiter, Kassel u. a. 1986, ISBN 3-7618-0769-4.
  • James Wyly: Historical Notes on Spanish Façade Trumpets. In: The Organ Yearbook. Bd. 8, 1977, ISSN 0920-3192, S. 41–55.
  • Ferdinand Klinda: Orgelregistrierung. Klanggestaltung der Orgelmusik. Breitkopf & Härtel, Wiesbaden 1987, ISBN 3-7651-0212-1 (Disposition der Orgel in St. Maximin, Var, mit Erläuterungen).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Spanische Trompete – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien