Städtischer Raum

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Städtischer Raum - auch städtisches Gebiet, dem englischsprachigen Kontext entlehnt auch Urbaner Raum - ist in der Siedlungsgeographie in Abgrenzung zum ländlichen Raum und zum nicht besiedelten Raum vorrangig ein städtisch besiedelter Raum. Insofern handelt es sich um einen Begriff der Stadtgeographie und der Stadtsoziologie.

Die Abgrenzung vom ländlichem und städtischem Raum ist so alt wie die Städte selbst. Sie wurde in der Antike und im Mittelalter sichtbar durch den Mauerring und ist bis heute noch erkennbar an Siedlungsbezeichnungen wie vor den Mauern (fuori la mura, usw.). Im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit bildeten sich außerhalb des städtischen Raumes die ersten vorstädtischen Räume[1]

Aufgrund der in mehreren Schüben zunehmenden Verdichtungsräume (Verdichtungsgebiet/Ballungsraum) gibt es heute oft keine klare Abgrenzung zwischen Stadt und Land mehr. Vielmehr fügt sich Stadt in den ländlichen Raum ein, aber auch Land in den städtischen Raum. Häufig wird dieser Prozess als Suburbanisierung gekennzeichnet.

Auch wenn Gerhard Isbary und andere die Begriffe ländlicher Raum und städtischer Raum bereits früh als unbrauchbar für die Siedlungsgeographie und Soziologie kennzeichneten[2], haben andere Forscher an dieser grundsätzlichen Unterscheidung festgehalten und lediglich die Postulierung eines Stadt-Land-Gegensatzes aufgegeben. Als städtisch gilt seither ein Raum mit großen Siedlungseinheiten, hoher Bevölkerungsdichte, fast ausschließlich nichtlandwirtschaftlicher Tätigkeit, Naturferne, Heterogenität der Bevölkerung, starke Stratifizierung und Mobilität, formale, sekundäre Sozialbeziehungen.

In der Regel werden zwischen städtisch und ländlich heute weitere Raumtypen angesiedelt. Damit wird der Begriff des städtischen Raumes häufig mit den Begriffen Kernstadt bzw. Innenstadt identifiziert.

Andrew Hacker unterschied zum Beispiel bereits Anfang der sechziger Jahre im englischsprachigen Kontext zwischen städtisch (urban), vor- und trabantenstädtisch (suburban), mittelstädtisch (midurban) und ländlich (rural). Als städtisch gelten dabei Räume, in denen 60 % oder mehr der Einwohner in einer zentralen Stadt leben.[3]

Reinhold Grotz stellte aus geographischer Perspektive zwischen den städtischen und den ländlichen Raum den verstädterten Raum und machte die Typisierung an der Verteildung von Zentrums- und Umlandsbevölkerung fest[4]:

Raum Zentrumsbevölkerung Umlandbevölkerung in Siedlungen mit 2000 Einwohnern und mehr Umlandsbevölkerung in Siedlungen mit weniger als 2000 Einwohnern
Ländlicher Raum 20-40 % 0-20 % 50-75 %
Verstädterter Raum 25-50 % 25-40 % 15-40 %
Städtischer Raum 25-50 % 45-75 % 0-25 %

Olaf Kühne kennt zwischen dem ländlichen und dem städtischen Raum den suburbanen Raum und macht für den städtischen Raum folgende Kriterien aus: im Bereich der polyvalenten Landschaften erster und zweiter Ordnung Stadtteile mit hoher symbolischer Aufladung (z.B. Reeperbahn), City, Parks, Shopping malls, an monovalenten Landschaften Wohn- und Industriegebiete und an non-valenten Landschaften Industriebrachen, aufgegebene Stadtteile sowie stillgelegte Gleisanlagen.[5]

Diese Dreiteilung wird zum Beispiel auch vom Schweizerischen Bundesamt für Statistik und Volkszählung verwendet.[6]

Die OECD-Typologie unterscheidet heute zwischen vorwiegend städtisch, vorwiegend ländlich und intermediär geprägten Raumtypen, mehrere deutsche Typisierungen sprechen von Kernstädten, ländlichen und verdichteten Bezirken, am differeznziertesten das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung.[7]

Literatur[Bearbeiten]

  • Herbert Kötter und Hans-Joachim Krekeler, Zur Soziologie der Stadt-Land-Beziehungen, in: René König, Handbuch der empirischen Sozialforschung, Bd. 10: Stadt-Land-Beziehungen, (2)1977, S. 1-41
  • Olaf Kühne, Stadt - Landschaft - Hybridität: Ästhetische Bezüge im postmodernen Los Angeles mit seinen modernen Persistenzen, 2012

Siehe auch[Bearbeiten]

Nachweise[Bearbeiten]

  1. Extra muros - vorstädtische Räume in Spätmittelalter und früher Neuzeit
  2. Gerhard Isbary, Neuordnung des ländlichen Raums als Aufgabe der Regionalplanung, in: Regionalplanung, Münster 1966; Kötter und Krekeler, in: René König, Handbuch der empirischen Sozialforschung, S. 24
  3. Andrew Hacker, Congressional Districting, in: The Issue of Equal Representation, 1963, S. 801f.
  4. Christoph Brocherdt, Reinhold Grotz u.a., Versorgungsorte und Versorgungsbereiche. Zentralitätsforschung in Nordwürttemberg, 1977, S. 178
  5. Olaf Kühne, Stadt - Landschaft - Hybridität: Ästhetische Bezüge im postmodernen Los Angeles mit seinen modernen Persistenzen, 2012, S. 151
  6. Bundesamt für Statistik und Volkszählung, Der städtische Raum im Vergleich zum ländlichen Raum: Monitoring Urbaner Raum Schweiz, 2003; dass., Eidgenössische Volkszählung: Die Raumgliederungen der Schweiz, 2005
  7. Vergleichstypen der Arbeitsagenturen 2008 (PDF-Datei; 667 kB)