Stadtkirche St. Petri (Freiberg)

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Stadtkirche St. Petri, links der Hahnenturm, rechts der Petriturm

Die Stadtkirche St. Petri in Freiberg (örtlich: Petrikirche genannt) befindet sich auf dem höchsten Punkt der Freiberger Innenstadt am Petriplatz etwas westlich des Obermarkts. Sie wird von der Kirchgemeinde Petri-Nikolai genutzt.

Geschichte[Bearbeiten]

Errichtet wurde sie etwa um 1200 mit der Freiberger Oberstadt als spätromanische Basilika und war ehedem Hauptkirche der Stadt.[1] Die Kirche ist mit drei Türmen ausgestattet, ihr Hauptturm (örtlich Petriturm genannt) bestimmt mit seinen 72 Metern Höhe (bis zur Windrose) das Stadtbild und stellt eine weithin sichtbare Landmarke im unteren Osterzgebirge dar.

Der hohe Petriturm[Bearbeiten]

Stadtkirche St. Petri mit ihrem höchsten Turm von Westen
Der Petriturm ist eine weithin sichtbare Landmarke.

Auf dem höchsten Punkt des historischen Stadtkerns in Freiberg stehend (405 m ü. NN) ist dieser Turm mit seiner Höhe von 74,10 Metern (vom Grundsims bis zum oberen Abschluss der Turmbekrönung) nach wie vor das höchste Wahrzeichen der Stadt Freiberg. Er hat bis in die jüngste Zeit für die Entwicklung der Stadt eine wichtige Rolle gespielt.[2]

Bauwerk Turm[Bearbeiten]

In modernen Maßen hat der Turm einen fast quadratischen Grundriss mit einer Seitenlänge von 8 bis 9 Metern und eine Höhe des Bruchsteinmauerwerkes von knapp 42 Metern. Darüber befindet sich die untere Kuppel mit einer Höhe von etwas weniger als 11 Metern (Dach). Darüber befindet sich die Laterne mit einer Höhe von 10 Ellen (mehr als 5 Meter), die obere Kuppel von 21,5 Ellen (12 Metern) sowie die vergoldete Turmbekrönung mit einer Höhe von 6 Ellen (beginnend am unteren Ende des Turmknopfes).[3]

Im Innern gibt es die seit 1733 bestehenden Räumlichkeiten wie sie der spätere Ratszimmermeister Johann Gottlieb Ohndorff in seinem Riss durch den Turm 1730 maßstabsgerecht eingetragen hat. Darüber hinaus hatte Ohndorff 1730 dem Freiberger Stadtrat zwei Modelle der in ca. 34 m Höhe ansetzenden Holzkonstruktion des Glockenstuhls übergeben und die Bauleitung für den Turm entgegen dem ursprünglichen Beschluss des Rates alleine ausgeübt. Zu den Neuerungen dieser Konstruktion kam 1732 ein vom Stadtrat zusätzlich noch beschlossener „eiserner Austritt zum Abblasen“ (für die Stadtpfeifer) hinzu, von dem aus die Besucher noch heute den Blick über fast die gesamte Freiberger Altstadt haben.[4]

Rechtsverhältnisse[Bearbeiten]

Obgleich der Petriturm unstrittig ein Teil des Bauwerkes Petrikirche ist, hat doch die Kirchgemeinde bis in die jüngste Zeit kaum Einfluss auf die Nutzung und bauliche Gestaltung des Turmes gehabt. Die hier kurz skizzierten Verhältnisse sind jedoch typisch für viele Städte in Mitteleuropa. Über den rechtlichen Status des Turmes im Mittelalter ist nichts bekannt. Durch den Vergleich mit anderen Städten in der Region wird es jedoch wahrscheinlich, dass Vertreter der Freiberger Zünfte oder sogenannte „Zirkler“ im Verlauf der gotischen Zeit (konkret wohl in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts) von dem Turme aus Feuer- und Feindwache gehalten haben.[5]

Ein etwas helleres Licht fällt erstmals mit der Reformationszeit auf diesen Tätigkeitsbereich der damaligen Stadtverwaltung („Rath“). Nachdem 1526/1527 erstmals die Kuppel mit Kupfer wahrscheinlich auf Kosten der Stadtgemeinde gedeckt wurde, wird 8 Jahre später ein George der Hausmann erwähnt, der offenbar die für die Feuerwache fortan typischen und lukrativen Musikrechte der Stadtpfeifer hatte und daher mit dem Petriturm in Verbindung gebracht wird.

Während des gesamten 17., 18. und bis in die 80er Jahre des 19. Jahrhunderts war es völlig unbestritten, dass der Turm (wie der Faule Turm und der Hahnenturm bis an die Wende zum bzw. weit ins 18. Jahrhundert auch) zum sogenannten aedificium publicum gehörte.

1858 wurden der Petriturm und die Kirche getrennt versichert. Unter anderem daraus meinte der Rat ableiten zu können, dass der Turm städtisches Eigentum sei, und forderte den Gesamtkirchenvorstand im Oktober 1888 auf dies anzuerkennen. Es wurde angekündigt, das Grundstück, auf dem der Turm steht, fortan als eigene Parzelle zu führen. Anders als die Stadt betrachtete der befragte Petrikirchenvorstand aber die städtische Pflicht zum Unterhalt des Turmes nicht als Zeichen eines Eigentumsrechtes sondern als Gegenleistung für das ihr kostenlos zugestandene Nutzungsrecht. Der Stadtrat strich ihn darauf aus seinem Stammvermögensverzeichniss, behielt aber den Anspruch auf die Nutzung bei. Als noch im gleichen Jahr die Stadt Freiberg die Petrigemeinde aufforderte, nun für den baulichen Unterhalt des Turmes zu sorgen und dafür die Zahlung eines Mietzinses anbot, wurde dieses vom Kirchenvorstand zurückgewiesen. In dem Rechtsgutachten auf das der Kirchenvorstand seine Argumentation aufbaute heißt es:

„Mit Rücksicht darauf, dass die Benutzung des Turmes für die Zwecke der Kirche voraussichtlich kaum jemals in Frage kommen wird, andererseits die Stadt des Turms für die Zwecke der Feuerwache und des Stundenschlages nicht füglich wird entbehren können, die rein formale Eigentumsfrage aber ohne alle practische Bedeutung sein dürfte, möchte ich mich der Hoffnung hingeben … [dass die Stadträte] das bisherige Verhältniss unverändert fortbestehen lassen.“[6]

Damit war der Stadtrat zunächst einverstanden. Doch kam das Problem immer wieder auf den Tisch, wenn größere Investitionen notwendig wurden.

Auch nachdem am 1. Juli 1905 mit Carl-August Nepp der letzte Freiberger Türmer den Turm verlassen hatte und nun die Stadt „der Feuerwache und des [von Hand ausgeführten] Stundenschlages“ vom Turme nun doch „entbehren“ konnte war ein Argument auf Kirchenseite entfallen. Doch ließ es die Stadt mit einer abschlägig beschiedenen Bitte an den Kirchenvorstand bewenden.

Die in der Weimarer Reichsverfassung zur Regelung des Verhältnisses von Kirche und Staat enthaltenen Artikel sorgten für eine neue Diskussion, zumal sich 1920 eine Erneuerung der vermorschten und nun bedrohlich schwankenden Konstruktion der oberen Turmspitze notwendig machte. Die nun in Gang kommenden Gespräche zogen sich bis 1927 hin, ohne zu einem Ergebnis zu führen. Zunächst war die Inflation ein Problem, 1927 lehnte der Kirchenvorstand ein Monatsmiete von 300 RM unter Hinweis auf bauliche Mängel am Petriturm ab.[7]

Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs hat sich dann die Diskussion darüber nicht wieder belebt.[8] Während des Krieges war 1940/1941 eine Reparatur der vermorschten Turmspitze nötig geworden. Dies ging nicht ohne diese Arbeiten in die NS-Propaganda mit einzubeziehen.[9] Obwohl diese Arbeiten auch die untere Kuppel mit einbezogen, war es nicht möglich alle notwendigen Tätigkeiten auszuführen.

Im Jahr 1996 verzichtete die Stadt Freiberg zugunsten der Kirchgemeinde auf ihre Rechte am Petriturm sowie ihr dort vorhandenes Eigentum (z. B. die Stunden- und Sturmglocke sowie die Häuerglocke).[10]

Ausstattung der Kirche[Bearbeiten]

Die Innenraumgestaltung der Kirche stammt von Friedrich Press.

Die Silbermann-Orgel[Bearbeiten]

Silbermann-Orgel

In der Petrikirche befindet sich die größte zweimanualige Orgel des Freiberger Orgelbaumeisters Gottfried Silbermann. Das Instrument hat 32 Register (1784 Pfeifen) auf zwei Manualen und Pedal. Die Stimmtonhöhe beträgt 462,5 Hertz (Temperierung: Neidhardt II „für die kleine Stadt“ von 1732). Die Orgel wurde 2006–2007 umfassend restauriert.[11]

I Hauptwerk CD–c3

1. Principal 16′
2. Octav Principal 8′
3. Viol di Gamba 8′
4. Rohr-Flöte 8′
5. Octava 4′
6. Spitz-Flöte 4′
7. Qvinta 3′
8. Octava 2′
9. Tertia (aus Nr. 8) 13/5
10. Cornet IV (ab c1)
11. Mixtur IV
12. Cymbel III
13. Fachott 16′
14. Trompete 8′
Tremulant
II Oberwerk CD–c3
15. Qvinta dena 16′
16. Principal 8′
17. Gedackts 8′
18. Qvinta dena 8′
19. Octava 4′
20. Rohr-Flöte 4′
21. Nassat 3′
22. Octava 2′
23. Qvinta 11/2
24. Sufflöt 1′
25. Sechst Qvint altra 4/5′/11/3
26. Mixtur III
27. Vox humana 8′
Tremulant
Pedal CD–c1
28. Groß Untersatz 32′
29. Principal Bass 16′
30. Octaven Bass 8′
31. Posaune 16′
32. Trompete 8′

Glocken[Bearbeiten]

Südseite der Stadtkirche St. Petri mit dem Hahnenturm

Auf dem Petriturm, in der sogenannten Laterne, hängt die 1731 in Dresden gegossene Sturm- und Stundenglocke (sogenannte Saigerschelle), mit welcher noch heute die Stunden und halben Stunden geläutet werden. Früher diente sie auch als Sturmglocke bei Feuer- und Feindgefahr. Über ihr hängt die Häuerglocke mit der die Bergleute von 1509 bis 1905 zur Schicht gerufen wurden. Die Häuerglocke (gegossen 1874) läutet heute, außer an Sonn- und Feiertagen, jeweils 12.00 Uhr und 17.00 Uhr, nach der Stundenglocke, etwa 5 Minuten.[12] Die alte Häuerglocke wurde im Freiberger Stadt- und Bergbaumuseum ausgestellt.

In einem Bergmannslied heißt es dazu:

„Wenn das Glöcklein drei tut läuten, heißt’s: Bergmann, steh’ auf mit Freuden…“

Karl Gustav Wolf, 1828[13]

Sowohl die jetzige Häuerglocke als ihre Vorgängerin[14] im Museum tragen den Spruch:

„Auf, Auf, zur Grube ruf’ ich Euch, ich die ich oben steh; so oft Ihr in die Tiefe fahrt, so denket in die Höh.“[15]

Auf dem Faulen Turm befinden sich die 3850 Kilogramm schwere, im Jahre 1487 von Oswald Hilliger gegossene Große Glocke und die 1940 Kilogramm schwere, von seinem Enkel Wolf Hilger stammende Kleine Glocke.[16] Der dritte Turm, ein Rundturm, ist der Hahnenturm. Petriturm, Fauler Turm und Hahnenturm stammen in ihren Grundmauern noch aus romanischer Zeit.[17]

Grabstätten[Bearbeiten]

In der Petrikirche haben mehrere bedeutende Persönlichkeiten ihre letzte Ruhe gefunden. Die Grabstellen sind jedoch durch spätere Umbauten der Kirche nicht mehr zu erkennen. Neben der Nordkapelle befinden sich 3 dahin versetzte Grabsteine. Besondere Erwähnung verdienen hier:

  • Hans Carl von Carlowitz (Kameralist und Oberberghauptmann. Angesichts der Probleme des Bergbaus prägte er den Begriff der Nachhaltigkeit.)
  • Wolfgang Hilliger (Identisch mit Wolf Hilliger im vorigen Abschnitt; bedeutender Freiberger Glocken- und Kanonengießer)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: St. Petri (Freiberg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Herbert Pforr: Freiberger Silber und Sachsens Glanz. Lebendige Geschichte und Sehenswürdigkeiten der Berghauptstadt Freiberg. 1. Aufl., Sachsenbuch Verlagsgesellschaft, Leipzig 2001, ISBN 3-89664-042-9, S. 123.
  2. Walter Schellhas, Mitteilungen des Freiberger Altertumsvereins, Heft 70, 1941.
  3. Walter Schellhas, Mitteilungen des Freiberger Altertumsvereins, Heft 70, 1941, Seite 78.
  4. Walter Schellhas, Mitteilungen des Freiberger Altertumsvereins, Heft 70, 1941, Seiten 41ff.
  5. Walter Schellhas, Mitteilungen des Freiberger Altertumsvereins, Heft 70, 1941, Seite 79.
  6. Gutachten von Rechtsanwalt Geißler vom 8. Juli 1889, vorliegend im Archiv der Petri-Gemeinde. Das Zitat steht auch bei Schellhas.
  7. Walter Schellhas, Mitteilungen des Freiberger Altertumsvereins, Heft 70, 1941.
  8. Walter Schellhas, Mitteilungen des Freiberger Altertumsvereins, Heft 70, 1941, Seiten 90–96.
  9. Walter Schellhas, Mitteilungen des Freiberger Altertumsvereins, Heft 70, 1941, Seiten 62–77.
  10. Archiv der Petri-Nikolaigemeinde; Dort auch ein Brief von Altpfarrer und Stadtrat G. Breutel vom 8. Oktober 1996 an die Stadtverwaltung Freiberg (Kulturamt) mit entsprechendem Vorschlag und einer Alternative dazu.
  11. Silbermann-Orgel abgerufen am 24. April 2014
  12. Läuteordnung der Petri-Nikolai-Gemeinde
  13.  Wikisource: Bergmanns Lebenslauf – Quellen und Volltexte
  14. Fotos des 1756 gegossenen und bis 1874 geläuteten Häuerglöckchens in der Petrikirche in Freiberg
  15.  Walter Schellhas: Freibergs höchstes Wahrzeichen. Der Petriturm im Wandel der Jahrhunderte. In: Mitteilungen des Freiberger Altertumsvereins. Nr. 70, 1941, S. 31–34.
  16. Rainer Timmel: Glocken in Sachsen – Klang zwischen Himmel und Erde
  17. Vorstellung der Kirchgemeinde Petri-Nikolai mit ihrer Petrikirche

50.91650913.340793Koordinaten: 50° 54′ 59″ N, 13° 20′ 27″ O