Pedal (Orgel)

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Orgelpedal mit Schwelltritt und Trittschaltern für Koppeln und Sequenzer

Mit Pedal (v. lat. pes „Fuß“) wird bei der Orgel eine Klaviatur bezeichnet, die mit den Füßen gespielt wird im Gegensatz zu den Manualen, die mit den Händen gespielt werden.

Tonumfang[Bearbeiten]

Der Tonumfang des Pedals reicht heutzutage typischerweise von 7 bis 32 Tasten (bis etwa 2 ½ Oktaven, ebenfalls chromatisch ab C), in Ausnahmefällen bei sehr großen Orgeln von F1 bis f1 (3 Oktaven). Früher wurde das Pedal oft nur bis c1 oder d1 oder noch kürzer ausgeführt. In der Regel verfügt jede Orgel über ein Pedal und ein oder mehrere Manuale. Eine kleine Orgel ohne Pedal bezeichnet man als Positiv, ganz selten findet man auch Orgeln mit zwei Pedalklaviaturen. Bei elektronischen Orgeln sind außerdem sogenannte Stummelpedale in Gebrauch, die wesentlich kleiner mensuriert sind und nur eine Oktave umfassen. Stummelpedale finden sich auch an Barockorgeln auf der iberischen Halbinsel. Deren Tonumfang liegt bei ein bis anderthalb Oktaven.

Bauformen[Bearbeiten]

Es gibt verschiedene Bauweisen, unterschieden wird zunächst zwischen Parallelpedal, bei dem alle Tasten parallel zueinander liegen, und Radialpedal, bei dem die Tasten sternförmig von der Orgelbank ausgehend auseinanderlaufen. Das Pedal kann außerdem in horizontaler Richtung mit höher liegenden Tasten am Rand oder vertikaler Richtung mit längeren Obertasten am Rand geschweift sein, um dem Organisten das Erreichen der Pedaltasten in Randnähe zu erleichtern. Ein derart aufgebautes Pedal wird als „einfach geschweift“ bezeichnet. Werden horizontale und vertikale Schweifung kombiniert, wird das Pedal als „doppelt geschweift“ bezeichnet.

„doppelt geschweiftes“ Parallelpedal (BDO Standard)
Radialpedal (BDO Radial)
„doppelt geschweiftes“ Radialpedal (AGO)

BDO = Bund Deutscher Orgelbaumeister, AGO = American Guild of Organists

Klötzchen-Pedal[Bearbeiten]

Klötzchen-Pedal der spätbarocken Holzhey-Orgel in Weißenau

Bei einem Klötzchenpedal sind die Pedale nicht wie Tasten ausgeführt, sondern ragen als „Klötzchen“ aus dem Boden.

Stummelpedal[Bearbeiten]

Stummelpedal einer Hammond-Orgel

Bei der Minimalversion einer Pedalklaviatur, dem Stummelpedal, ragen 10 bis 20 cm kurze Tasten aus dem Gehäuse und können mit den Fußspitzen gespielt werden. Virtuoses Pedalspiel im klassischen Sinn ist damit nicht möglich. Solche Pedale sind bei Pfeifenorgeln auch meist nur an das Manual angehängt, oft auf einfachste Weise mit einem Stoffband oder einer Schnur. Beispiele von Stummelpedalen finden sich hauptsächlich in Italien und Spanien, aber auch im Alpenraum. Viele Pedale an elektronischen Orgeln sind als Stummelpedal gebaut, sie dienen hier dem Spiel von Basslinien wie etwa einem Walking Bass.

Stöpselpedal[Bearbeiten]

Bei dieser Bauweise gibt es nicht die sonst üblichen länglichen Pedaltasten, sondern runde Knöpfe. Es erinnert eher an die Tastatur eines überdimensionierten einfachen Knopfakkordeons.

Angehängtes Pedal[Bearbeiten]

Als angehängtes Pedal wird ein Pedal bezeichnet, das nicht über eigene Register verfügt. Das Pedal ist dann fest an das in der Regel einzige Manualwerk gekoppelt und ist nicht eigenständig registrierbar.

Unselbstständiges Pedal[Bearbeiten]

Bei Orgeln, in denen das Pedal gegenüber den Manualen nur sehr wenige Register, meist nur ein bis zwei Register zu 16′ und 8′, umfasst, ist auch die Bezeichnung unselbstständiges Pedal in Gebrauch, da hier häufig der Gebrauch einer Pedalkoppel erforderlich ist. Unselbständige Pedale finden sich in vielen Kleinorgeln, wo sie nur über ein eigenes Register, meist Untersatz 16′ oder Subbass 16′, verfügen. Standard sind unselbständige Pedale in Barockorgeln auf der iberischen Halbinsel. Diese oft als Stummelpedal oder Stöpselpedal ausgeführten Pedale verfügen meist nur über das eigene Register „Contras“, wobei es sich in vielen Fällen um ein Holzgedackt 16′ oder Holzgedackt 16′+8′ handelt. Die Abgrenzung zum selbständigen Pedal ist mitunter schwierig. So verfügen die Pedalwerke kleinerer französischer Barockorgeln nahezu einheitlich nur über die drei eigenen Register Soubasse 16′ (gedackt), Flûte 8′ (weit mesurierter Prinzipal) und Trompette 8′ (Metallbecher voller Länge), dennoch ist der Gebrauch der Pedalkoppel in der einschlägigen Literatur eher selten.

Kurze Oktave[Bearbeiten]

Beispiel einer kurzen Oktave

Bei alten Orgeln fehlt oft das große Cis, weil dadurch erheblich an Material und Arbeitszeit gespart wurde. Folglich fordert die Orgelliteratur dieser Zeit den Ton nicht. An historischen Orgeln findet sich häufig ein Pedal mit kurzer Oktave: Hierbei wird in der Regel auf die tiefsten vier Pedaltasten (C, Cis, D und Dis) verzichtet. Bei den realen Tönen im Verlauf der Oktave werden die in der alten Musik kaum genutzten Töne Cis, Dis, Fis und Gis weggelassen. Da sich dadurch die gewohnte Taste-Ton-Zuordnung ändert, ist die kurze Oktave für viele Organisten gewöhnungsbedürftig.

Spieltechniken[Bearbeiten]

Das Pedalspiel kann sowohl mit den Spitzen als auch mit den Hacken beider Füße erfolgen. Dadurch kann theoretisch bis zu vierstimmig gespielt werden. In der Praxis ist jedoch einstimmiges Pedalspiel üblich, bereits zweistimmiges Pedalspiel ist selten anzutreffen. Ein wichtiges Mittel ist das Vor- oder Hintersetzen eines Fußes, auch das Gleiten von Taste zu Taste wird eingesetzt. Der Fußsatz kann wie der Fingersatz durch spezielle Zeichen in die Noten eingetragen werden, die jedoch nicht von allen Organisten gleich verwendet werden. Bis ins 19. Jahrhundert wurde von vielen Organisten das Spiel mit der Spitze bevorzugt, oft schon wegen der Bauform der Pedaltasten, die den sinnvollen Gebrauch der Hacke nicht ermöglichte. Die Germani-Technik (nach Fernando Germani) stellt Spitze und Hacke gleich.

Diese Technik ist mit der heutigen Schuhmode nur schwer realisierbar. Daher verwenden viele Organisten separate Schuhe zum Spielen. Besonders Tanzschuhe sind aufgrund ihres schmalen und nahtlosen Schnittes, ihrer Wildledersohle und des Absatzes gut für virtuoses Spiel geeignet. Einige zeitgenössischen Organisten, so Willem Tanke und Helmut Kickton, praktizieren das Pedalspiel ohne Schuhe, nur mit Socken.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Klotz: Das Buch von der Orgel. Über Wesen und Aufbau des Orgelwerkes, Orgelpflege und Orgelspiel. 14. Auflage. Bärenreiter, Kassel u. a. 2012, ISBN 3-7618-0826-7.