Stadtwerke Tübingen

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Stadtwerke Tübingen GmbH
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Rechtsform GmbH
Gründung 1930
Sitz Tübingen, Baden-Württemberg

Leitung

  • Ortwin Wiebecke
  • Wilfried Kannenberg
  • Achim Kötzle
Mitarbeiter etwa 450
Umsatz 203,04 Mio. Euro (2012)[1]
Website www.swtue.de

Die Stadtwerke Tübingen GmbH (swt) sind ein kommunales Versorgungsunternehmen für Strom, Gas, Trinkwasser und Fernwärme. Die swt sind Grundversorger der Haushalte und Betriebe der Universitätsstadt Tübingen und Region. Außerdem betreiben die swt auch die Tübinger Bäder sowie Parkhäuser und Telekommunikationsanlagen. Sie organisieren den Busverkehr im Stadtgebiet und erbringen über ihre Tochtergesellschaft TüBus GmbH auch Verkehrsleistungen. Das Unternehmen befindet sich zu 100 Prozent im Besitz der Stadt Tübingen.

Geschichte[Bearbeiten]

swt-Zentrale

1862 wurde das erste Gaswerk speziell für die Gasbeleuchtung gegründet. 1879 war die Einführung einer zentralen Wasserverteilung. 1902 entstand das erste Tübinger Elektrizitätswerk in der Nonnengasse.

1930 erfolgte die Zusammenlegung der verschiedenen Werke zum städtischen Eigenbetrieb Stadtwerke Tübingen. 1951 betrieben die swt auch die städtischen Bäder: das Freibad, das „Hallenbad Nord“ und das historische Hallenbad „Uhlandbad“.

1982 erfolgte die Umgründung aus dem städtischen Eigenbetrieb in eine Eigengesellschaft in Form einer GmbH. 1984 zogen die Stadtwerke Tübingen von der Nonnengasse in ein modernes Unternehmensgebäude in der Eisenhutstraße in der Tübinger Südstadt. 1986 folgte die Übernahme der Stromnetze von Bühl, Hagelloch, Hirschau, Kilchberg, Pfrondorf und Weilheim. Gemeinsam mit dem Land Baden-Württemberg wurde 1994 die Gemeinschaftskraftwerk Tübingen GmbH (GKT) gegründet und auf Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) umgestellt. 1995 entstand in Kooperation mit den Busunternehmen Kocher und Schnaith die Stadtverkehr Tübingen GmbH (SVT).

1997 erfolgte eine Vereinigung der Parkhausgesellschaft Tübingen mbH mit den Stadtwerken Tübingen: Übernahme der drei Parkhäuser König, Stadtgraben und Metropol. 1998 wurde die Telekommunikationsgesellschaft TüNet GmbH wird als 100%-ige Tochtergesellschaft gegründet. 1999 wurde gemeinsam mit 30 weiteren Stadtwerken wird die Südwestdeutsche Stromhandels GmbH (SWS) gegründet. Das Blockheizkraftwerk (BHKW) Obere Viehweide wird gebaut. 2000 gründeten die Stadtwerke Tübingen mit fünf weiteren Stadtwerken in Baden-Württemberg die EnergiePartner Süd GmbH. 2001 gründeten die Stadtwerke gemeinsam mit den Technischen Werken Friedrichshafen und dem Siedlungswerk Stuttgart die ImmoTherm GmbH. 2003 wurde Bebenhausen an das Tübinger Wassernetz angeschlossen. 2004 wurde die Erdgasversorgung in Pfrondorf wird in Betrieb genommen. 2005 gründeten die Stadtwerke gemeinsam mit anderen Unternehmen der Energieversorgungsbranche die KommunalPartner Süd Beteiligungsgesellschaft mbH & Co. KG und die SüdWestStrom Kraftwerksbeteiligungs GmbH. 2006 wurden die beiden Tochtergesellschaften Stadtverkehr Tübingen GmbH und TüNet GmbH als Betriebszweige in die Stadtwerke Tübingen integriert. Die swt erhielten die Stromkonzession in Unterjesingen und nahmen die Erdgashochdruckleitung zwischen Tübingen, Herrenberg und Rottenburg - ein Gemeinschaftsprojekt der drei Städte und ihrer Stadtwerke - in Betrieb. 2007 vergab die Gemeinde Ammerbuch nach der Gaskonzession auch die Stromkonzession an die swt. In Waldenbuch eröffneten die swt das erste swt-Kundenberatungsbüro außerhalb Tübingens.

2009 mit der Netzübernahme in Ammerbuch, Dettenhausen und Waldenbuch wuchs das Stromnetz der swt um ca. 50 %. Die Gesellschaft Gemeindewerke Ammerbuch nahm ihre Arbeit auf. Gemeinsam mit den Volksbanken Tübingen und Ammerbuch wurde die Bürger-Energie Tübingen e.G. gegründet. Die swt beteiligten sich am Nordsee-Windpark BARD Offshore 1. Das nördliche Fernwärmenetz wurde saniert. Gemeinsam mit der Stadt Horb gründeten die swt die Energie Horb am Neckar. 2010 gründeten die swt gründen mit der TüBus GmbH eine eigene Busbetriebsgesellschaft, die ab 2011 über die Hälfte des Tübinger Stadtverkehrsangebots erbringen sollte. Auslöser für diese Änderung war die EU-Verordnung 1370. Die swt nahmen ihr erstes e-Mobil und die erste e-Ladestation an der Eisenhutstraße in Betrieb. Das Erweiterungsgebäude im Eisenhut wurde fertiggestellt.

Sparten[Bearbeiten]

TüStrom[Bearbeiten]

Den Großteil ihres Strombedarfs beziehen die swt über die Südwestdeutsche Stromhandels GmbH, ein Gemeinschaftsunternehmen zahlreicher Stadt- und Gemeindewerke aus Süddeutschland. 30 % des in Tübingen verbrauchten Stroms produzieren die swt selbst aus Erdgas, mit Wasserkraft und Sonnenenergie.

Nach § 42 EnWG zur Stromkennzeichnung sind alle Energieversorgungsunternehmen in Deutschland verpflichtet, die Herkunft des von ihnen gelieferten Stroms anzugeben. Die Stadtwerke Tübingen veröffentlichten für das Jahr 2012[2] folgende Werte (dazu Vergleichswerte von 2010):

Stromkennzeichnung
 
Strommix
Deutschland 2010
Strommix
TüStrom 2010
Strommix
Deutschland 2012
Strommix
TüStrom 2012
Erneuerbare Energien (gefördert nach dem EEG) 14,9 % 19,8 % 20,8 % 29,4 %
sonstige Erneuerbare Energien 3,1 % 10,5 % 3,5 % 7,0 %
Kernenergie 24,5 % 15,9 % 17,1 % 10,8 %
Kohle 42,5 % 32,2 % 45,6 % 37,1 %
Erdgas 11,7 % 18,5 % 9,8 % 12,5 %
sonstige Fossile Energieträger 3,3 % 3,1 % 3,2 % 3,2 %
Radioaktiver Abfall (mg/kWh) 0,7 0,4 0,5 0,3
CO2-Emissionen (g/kWh) 494 414 522 463

Kraft-Wärme-Kopplung

Der größte Teil der Stromerzeugung aus Erdgas stammt aus Anlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) in denen die bei der Stromerzeugung anfallende Wärme nicht als Abwärme an die Umwelt abgeben, sondern für die Fernwärmeversorgung genutzt wird.

Erneuerbare Energien

Der wichtigste erneuerbare Energieträger für die swt ist die Wasserkraft. In Wasserkraftwerken am Neckar wird schon seit Beginn des 20. Jahrhunderts Strom erzeugt. Das Flusskraftwerk der Energie Horb am Neckar, an der die swt zu zwei Dritteln beteiligt sind, produziert rund 2,3 Mio. Kilowattstunden pro Jahr an Strom aus Wasserkraft. Dies reicht aus, um etwa 600 Vier-Personen-Haushalte zu versorgen.

Darüber hinaus betreiben die swt mehrere Fotovoltaikanlagen im Stadtgebiet und der Region.

Stromproduktion und CO2-Einsparung 2010 Stromproduktion CO2-Einsparung
Durch Kraft-Wärme-Kopplung

inkl. Gemeinschaftskraftwerk Tübingen

80,6 Mio. kWh 10.774 t
Laufwasserkraftwerke 9,9 Mio. kWh 5.028 t
Fotovoltaikanlagen 0,3 Mio. kWh 152 t
Wasserkraft durch Entspannungsturbinen

(in Trinkwasserbehältern)

1,1 Mio. kWh 570 t
Wind 0,1 Mio. kWh 56 t
Gesamt 92,0 Mio. kWh 16.580 t

TüGas[Bearbeiten]

Haushalte, Gewerbe- und Industriekunden werden von den swt mit Erdgas versorgt. Fast das gesamte Tübinger Stadtgebiet und die meisten Stadtteile sind an die Erdgasversorgung angeschlossen.

TüWasser[Bearbeiten]

75 % des Tübinger Trinkwassers kommen aus dem Bodensee, 25 % fördern die swt mit eigenen Brunnen aus dem Grundwasserkörper des Neckartals. Im Mischbehälter auf dem Sand werden Bodensee- und Eigenwasser gemischt, um einen Härtegrad von rund 14 °dH (Grad deutsche Härte) zu erreichen. Von hier aus werden sowohl die Kernstadt als auch die meisten Stadtteile mit Trinkwasser versorgt.

Die Ortsteile Unterjesingen, Hagelloch, Hirschau und Bühl werden von den Stadtwerken mit Wasser der Ammertal-Schönbuchgruppe beliefert; Pfrondorf und Herrlesberg erhalten reines Bodenseewasser. Das Tübinger Trinkwasser liegt im mittleren Härtebereich II.

Etwa fünf Millionen Kubikmeter Wasser fließen jährlich durch das Tübinger Wassernetz. Der Wasserverbrauch in Tübingen ist leicht rückläufig.

Etwa drei Viertel des Tübinger Trinkwassers stammen aus dem Bodensee. Tübingen ist seit der Gründung 1954 Mitglied der Bodensee-Wasserversorgung.

TüWärme[Bearbeiten]

Die Stadtwerke Tübingen betreiben mit Erdgas betriebene Blockheizkraftwerke, die durch die gleichzeitige Erzeugung von Strom und Wärme einen hohen Wirkungsgrad erzielen. Den Anteil der Kraft-Wärme-Kopplung an der Stromerzeugung haben die swt durch den Bau von Blockheizkraftwerken gesteigert.

TüNet[Bearbeiten]

Der Bereich Telekommunikation/TüNet der Stadtwerke bietet Datenleitungen, Telefonie, Internetdienstleitungen und Serverhousing für Geschäftskunden an. Die TüNet arbeitet dabei hauptsächlich mit Glasfasertechnik mit hohen Bandbreiten - aber auch mit Kupfer- und Funkanbindungen.

TüBus[Bearbeiten]

Seit den 2000er Jahren organisieren die swt zusammen mit Partnern den Nahverkehr in und um Tübingen. 1995 wurde der Tübinger Stadtverkehr aus der unmittelbaren städtischen Regie entlassen und der SVT – als Stadtverkehr Tübingen GmbH – gegründet. Neben den Stadtwerken Tübingen GmbH waren die Busunternehmen Kocher und Schnaith an der Gesellschaft beteiligt. Der SVT gehört dem 2001 gegründeten Verkehrsverbund Neckar-Alb-Donau GmbH (naldo) an. Zum Jahr 2006 wurde die GmbH aufgelöst und als Betriebszweig in die Stadtwerke Tübingen GmbH integriert. Den überwiegenden Teil der Verkehrsleistungen des Stadtverkehrs Tübingen erbringt seit dem 1. Januar 2011 die neu gegründete TüBus GmbH, eine Tochtergesellschaft der Stadtwerke Tübingen. Diese besitzt 38 eigene Busse.

TüBäder[Bearbeiten]

Die swt betreiben ein Freibad und zwei Hallenbäder: das Uhlandbad in der Innenstadt und das Hallenbad Nord auf Waldhäuser Ost.

Freibad

Das Tübinger Freibad ist am westlichen Stadtrand im Neckartal gelegen In den 1990er Jahren wurde es modernisiert. Das Tübinger Freibad verfügt über eine Solarthermieanlage mit einer Gesamtfläche von ca. 470 m². Die Absorber der Solarthermie-Anlage sind auf den Dächern der Betriebsgebäude installiert. Mit der so gewonnenen Wärme werden das Kinderplanschbecken und die Schwimmbecken beheizt. Durch die Solarthermieanlage werden pro Jahr rund 16.000 Kubikmeter Erdgas eingespart, die bei gleich hoher Wärmeerzeugung sonst für den Betrieb eines herkömmlichen Gasbrennwertkessel anfallen würden.

TüParken[Bearbeiten]

Die swt betreiben die öffentlichen Parkhäuser Metropol, Altstadt König und Altstadt Mitte im Bereich der Innenstadt.

In der Südstadt betreiben die swt zwei für Anwohner bestimmte Parkhäuser, die sowohl über konventionelle Stellplätze als auch über einen vollautomatischen Teil verfügen.

Beteiligungen[Bearbeiten]

Südwestdeutsche Stromhandels GmbH[Bearbeiten]

Die Südwestdeutsche Stromhandels GmbH (SWS), ein Gemeinschaftsunternehmen zahlreicher süddeutscher Stadt- und Gemeindewerke, bietet Dienstleistungen im Bereich der Strom- und Erdgasversorgung für Stadtwerke an. Das Angebot reicht von der Beschaffung über Bilanzkreis- und Energiedatenmanagement hin zur Vollversorgung zu Festpreisen und Portfoliomanagement.

SüdWestStrom Kraftwerk GmbH & Co. KG[Bearbeiten]

Die SüdWestStrom Kraftwerk GmbH & Co. KG entwickelt mit Partnern Kraftwerksprojekte, an denen auch kleine Anteile erworben werden können. Durch diese soll eine langfristige Diversifizierung des Beschaffungsportfolios und damit eine größere Unabhängigkeit und Flexibilität bei der Energiebeschaffung und -verteilung gewährleistet werden.

EnergiePartner GmbH[Bearbeiten]

Die EnergiePartner GmbH ist ein Verbund von sechs Stadtwerken aus Baden-Württemberg, der gemeinsam innovative Energiedienstleistungen entwickelt.

KommunalPartner Beteiligungsgesellschaft mbH & Co. KG[Bearbeiten]

Die KommunalPartner Beteiligungsgesellschaft mbH & Co. KG, ebenfalls ein Kooperationsunternehmen von sechs Stadtwerken in Baden-Württemberg, unterstützt kleine und mittlere Stadtwerke im Wettbewerb durch Kapitalbeteiligung und Know how-Transfer. Ziel ist es, Konzepte zur Weiterentwicklung von Versorgungsunternehmen zu erarbeiten, deren Wert zu steigern und sie im Wettbewerb zu stärken.

ImmoTherm GmbH[Bearbeiten]

Die ImmoTherm GmbH entwickelt modulare Konzepte im Energiecontracting. Der Schwerpunkt liegt dabei in der Verwendung neuer, regenerativer Energien wie Sonne, Holz und Geothermie. Neben den swt sind die Technischen Werke Friedrichshafen sowie die Stuttgarter Siedlungswerk gGmbH an dem Unternehmen beteiligt.

Windpark Neunkirchen GmbH & Co. KG[Bearbeiten]

Windpark Neunkirchen

Die Windpark Neunkirchen GmbH & Co. KG betreibt im Windpark Neunkirchen zwei für 10 Mio. Euro erbaute Windkrafträder mit jeweils 2,4 MW, die im Winter 2013 in Betrieb gehen sollten.[3] Die Nabenhöhe dieser Turbinen beträgt mit Fundament 141 Meter: Die beiden etwa 80 Meter hohen Stahlbetontürme werden jeweils durch einen 58 Meter hohen Stahlturm verlängert, so dass die knapp 60m langen Rotorblätter eine Kreisfläche mit 117m Durchmesser durchlaufen.[4] [5]

Literatur[Bearbeiten]

  • Stadtwerke Tübingen GmbH (Hrsg.): Die Stadtwerke Tübingen im Dienste der Universitätsstadt. Ein Portrait. Tübingen 1984.
  • Stadtwerke Tübingen GmbH (Hrsg.): Als die Tübinger das Bad entdeckten. Geschichte und Geschichtchen um das Tübinger Badewesen. Tübingen 1997.
  • Stadtwerke Tübingen GmbH (Hrsg.): 140 Jahre Gas. 100 Jahre Strom. Energisch für Tübingen. Ein Streifzug durch die Geschichte der Tübinger Energieversorgung. Neuenbürg 2002.
  • Stadtwerke Tübingen GmbH (Hrsg.): Trinkwasser für Tübingen. 125 Jahre Tübinger Trinkwasserversorgung. Tübingen 2004.
  • Stadtwerke Tübingen GmbH (Hrsg.): Mobil für Tübingen. Der TüBus und seine Geschichte. Tübingen 2007.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Stadtwerke Tübingen:Kennzahlen abgerufen am 13. Mai 2013.
  2. http://www.swtue.de/strom/strommix.html
  3. Neugründung der Firma: Windpark Neunkirchen GmbH & Co. KG, HRA 729062
  4. Stadtwerke Tübingen: Startschuss für die Windkraftnutzung
  5. Ökostrom für 5000 Haushalte. Stadtwerke kaufen für zehn Millionen Euro zwei Windräder im Odenwald. Tagblatt vom 16. August 2013