Streptococcus agalactiae

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Streptococcus agalactiae
Systematik
Abteilung: Firmicutes
Klasse: Bacilli
Ordnung: Milchsäurebakterien (Lactobacillales)
Familie: Streptococcaceae
Gattung: Streptococcus
Art: Streptococcus agalactiae
Wissenschaftlicher Name
Streptococcus agalactiae
(Nocard & Mollereau 1887)
Lehmann & Neumann, 1896
S. agalactiae im positiven CAMP-Test (pfeilförmig verstärkte β-Hämolyse) mit S. aureus.

Streptococcus agalactiae ist ein grampositives Bakterium, das verschiedene Infektionskrankheiten auslösen kann. Die Art wurde erstmals 1887 von Nocard und Mollereau als Streptococcus de la mammite beschrieben.[1] Sie gehört serologisch zur Lancefield-Gruppe B der Streptokokken und ist der Hauptverursacher einer bakteriellen Sepsis, Pneumonie und Meningitis bei Neugeborenen und des Kindbettfiebers. In zunehmendem Maße werden auch Infektionen von immunsupprimierten Personen bekannt. Obwohl Streptococcus agalactiae zur normalen Flora des Gastrointestinal- und Genitaltrakts gehört, kann er bei entsprechender Disposition eine lebensbedrohliche Infektion auslösen.

Wegen der Bedeutung als Verursacher schwerer Neugeboreneninfektionen (z. B. Neugeborenensepsis) wird bei Schwangeren eine Vorsorgeuntersuchung auf Streptococcus agalactiae am Ende der Schwangerschaft empfohlen (35.–37. Schwangerschaftswoche). Diese Untersuchung wird mittlerweile auch in Deutschland als B-Streptokokken-Screening bezeichnet. Im Rahmen dieser Untersuchung wird vom Frauenarzt ein bakteriologischer Abstrich aus dem Vaginaleingangsbereich und aus dem Enddarm entnommen; dieser Abstrich wird einem mikrobiologischen Fachlabor auf S. agalactiae untersucht. Die Untersuchung im Labor dauert 2–3 Tage. Wenn bei der Schwangeren S. agalactiae nachgewiesen wird, führt die Geburtsklinik bei der Geburt eine prophylaktische Behandlung mit Penicillin durch. Große Studien in den USA haben gezeigt, dass durch diese Vorgehen die meisten Neugeboreneninfektionen durch B-Streptokokken vermieden werden können.

Ein wichtiges Kennzeichen dieses Bakteriums ist eine vollständige Hämolyse (auch als beta-Hämolyse bezeichnet) auf Blutagar-Platten. Dies wird auch für diagnostische Zwecke verwendet. Die Identifizierung wird dann durch Agglutination mit einem Antiserum durchgeführt, welches gegen das Zellwandpolysaccharid von S. agalactiae gerichtet ist. Alternativ kann auch der sog. Granadaagar eingesetzt werden, ein Indikatornährmedium, auf dem B-Streptokokken durch einen Farbumschlag erkannt werden können.[2][3]

Quellen[Bearbeiten]

  • CDC Guidelines: Prevention of Perinatal Group B Streptococcal Disease (2002)
  • Empfehlungen der Dt. Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe 2004

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. UniProt Taxonomy: Streptococcus agalactiae
  2. E. García Gil, M. C. Rodríguez, R. Bartolomé, B. Berjano, L. Cabero, A. Andreu: Evaluation of the Granada Agar Plate for Detection of Vaginal and Rectal Group B Streptococci in Pregnant Women. In: Journal of Clinical Microbiology. 37, Nr. 8, 1999, S. 2648-2651.
  3. G Claeys, G Verschraegen, M Temmerman: Modified Granada Agar Medium for the detection of group B Streptococcus carriage in pregnant women. In: Clinical Microbiology and Infection: The Official Publication of the European Society of Clinical Microbiology and Infectious Diseases. 7, Nr. 1, 2001, S. 22-24. PMID 11284939. Abgerufen am 12. Februar 2012.