Strukturgröße
Die Strukturgröße oder auch Strukturbreite ist eine Größenangabe der Halbleitertechnik und beschreibt die Kantenlänge der bestimmenden Plotter-Einheit. Es handelt sich dabei also um das Maskenmaß, das heißt das Zielmaß. Die Abmessungen der damit erzeugten Strukturen sind durch Unterbelichtung und Diffusion in der Regel etwas kleiner als die für die Maske benutzte Plotter-Einheit.
Bei den kleinsten, auf einem Halbleiterträger erzeugten Strukturen handelt es sich üblicherweise um die Gate-Länge eines Metall-Isolator-Halbleiter-Feldeffekttransistors (MISFET). Sie wird in diesem Zusammenhang oft mit der Strukturgröße eines Herstellungsprozesses oder einer Technologie gleichgesetzt, dem sogenannten Technologieknoten, wenn man den Begriff auf das gesamte auf diese Strukturgröße ausgerichtete Herstellungsverfahren bezieht. Da jedoch auch innerhalb eines Technologieknotens die kleinsten Strukturbreiten je nach Produkt um mehrere Prozent schwanken können, ist dieser Zusammenhang nicht korrekt.
Der Begriff wird auch im Bereich der digitalen, optischen Speichermedien verwendet, meist für die Abmessungen der Lands und Pits von optischen Speichermedien wie CD, DVD und Blu-ray Disc. Auch bei der Nanotechnologie, die sich eher in einem physikalisch-technischen Kontext mit Strukturen bis hinauf zu 100 nm beschäftigt, wird der Begriff angewandt.
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[Bearbeiten] Bedeutung
Von der Angabe lässt sich grob auf die maximale Geschwindigkeit und die Verlustleistung des Bauteils rückschließen. Ebenfalls wird zusammen mit der Die-Größe bestimmt, wie komplex der Halbleiterchip ist, d. h. wie viele Transistoren auf die Chipfläche passen. Für einzelne, große Transistoren (z. B. MOSFETs) ist die Angabe prinzipiell ebenfalls zutreffend, jedoch weitaus weniger aussagefähig, da diese, um hohe Leistung zu erreichen, eher groß sein sollen.
Zusammen mit den Bemühungen von Forschung und Industrie, die Wafer-Größe bei der Halbleiterfertigung zu steigern, bildet dieses Element einen der zentralsten Aspekte der Weiterentwicklung der Halbleitertechnik im Rennen um die Erhaltung des Moore’schen Gesetzes, einer Faustregel nach der sich die Leistung von Halbleitern bislang über der Zeit weiter entwickelt hat.
Die Strukturgröße ist ein wichtiger Parameter, der zentral vom verwendeten Halbleiterprozess (CMOS, NMOS, TTL etc.) und dem dafür verfügbaren kleinsten bzw. gewählten Transistordesign bestimmt wird. Hierbei sind sowohl die Materialbeschaffenheit des Trägers, meist ein Silizium-Wafer, und der Dotierungen, als auch die eingesetzte Lithographietechnik und damit die erforderlichen Fertigungsparameter wie etwa Luftreinheit und ähnliches bis hin zur momentanen Verfügbarkeit von Fabrikkapazitäten wichtig. Auch auf den Preis solcher Produktionsleistungen lässt sich daraus in der Regel zurück schließen.
Nicht zuletzt bestimmt die Strukturgröße wie viele Transistoren auf einen Wafer passen und damit auch wie viele einzelne Halbleiter typisch daraus gewonnen werden können. Zusammen mit dem logischen Design des Halbleiters ergibt sich also eine Zahl an Chips je Wafer, die maßgeblich in die Chipfläche und somit in den Preis eingeht. So besitzen beispielsweise NOR-Flashs technologiebedingt bei gleicher Strukturgröße geringere Speicherkapazitäten als NAND-Flashs, da ihre Speicherzellen mehr Transistoren und damit Platz auf dem Die erfordern.
Bei sogenannten Die-Shrinks geht es darum, die Strukturgröße unter Beibehaltung der Halbleiterfunktionalität gegen eine kleinere auszutauschen. Ein und dasselbe funktionale Design kann somit in mehreren verschiedenen Strukturgrößen produziert werden. Die kleineren Strukturen weisen oftmals eine ihrer Transistor-Technologie entsprechende geringere Verlustleistung im Ruhezustand und bei Schalthandlung auf, so dass die für Halbleiter typisch erreichbare maximale Taktrate bei kleineren Strukturen für gewöhnlich höher ist. Wird die Die-Größe dagegen beibehalten, dann ergeben sich Möglichkeiten zur Erweiterung von skalierbaren Einheiten, z. B. der Caches eines Prozessors.
Bei kleineren Strukturen muss der jeweilige Hersteller zunächst einige Schritte zur Prozessoptimierung unternehmen um die bis dahin üblichen Ausbeuten wieder zu erreichen. Entsprechend ist ein Umstieg auf eine Technologie mit kleinerer Strukturgröße immer auch mit Kosten und Risiken verbunden. Es wird natürlich versucht, diese durch geeignete Forschungen und Erprobungen bereits im Vorfeld möglichst gering zu halten, um möglichst frühzeitig eine wirtschaftliche Effizienz erreichen.
[Bearbeiten] Geschichte
Lange Zeit wurde diese Größe in der Dimensions- und Einheiten-Kombination Mikrometer (10−6 m) verwendet, wobei zuletzt Ziffern mit vorangestellter Null-Komma verwendet wurden. Mittlerweile ist hierbei der zweistellige Nanometerbereich (10−9 m) erreicht worden, so dass sich entsprechende Angaben nun wieder einfacher niederschreiben lässt.
Selbst in Fachkreisen kam es zum Ende der Mikrometerangabe hin, als der Schritt unter 1 µm getätigt wurde, gelegentlich formal fälschlich zur Weglassung der führenden Null-Komma-Sequenz in Fließtexten. Es wurde dann statt von einer 0,14-µm-Struktur nur noch verkürzend von einer 14er-Struktur gesprochen.
| Name | Hersteller | Jahr | Technologie | Strukturgröße |
|---|---|---|---|---|
| 4004-Prozessor | Intel | 1971 | PMOS | 10 µm |
| NMOS-Logik | 6 µm | |||
| HMOS-Halbleiter | 1,5 µm | |||
| i386DX | Intel | 1984 | 1,5 µm | |
| i486DX2-66 mit P24-Kern | Intel | 1992 | 0,8 µm | |
| Pentium P5 | Intel | 1993 | BiCMOS | 0,8 µm |
| Pentium P55C | Intel | 1997 | CMOS | 0,35 µm |
| Athlon (K7) | AMD | 1999 | 0,25 µm bis 0,18 µm | |
| VIA C3 (C5B-Revision) | VIA | 2001 | 0,15 µm | |
| 256-MBit-Speicherchip | Infineon | 2002 | 0,14 µm | |
| Storm-1 (DSP) | SPI | 130 nm | ||
| NEC und TSMC | 2001 | 100 nm | ||
| 2007 | 65 nm | |||
| Intel Core 2 Duo | Intel | 2007 | 45 nm | |
| XTREME (Jenoptik und Ushio, gefördert von Intel) | um 2009 | Extrem-Ultraviolett-Lichtquellen | anfangs: <40 nm, 2009: 32 nm, später: 13,5 nm |
|
| Speicher mit 45 GByte/cm2 | Universität Tokyo | 2004 | Optischer Speicher | 35 nm |
| Intel Core i3/i5/i7 | Intel | 2010 | 32 nm | |
| NAND-Flashspeicher | Intel, Micron | 2010[1] | 25 nm | |
| 2009 | Nanoröhren-Transistor | 18 nm | ||
| Lacke | Sematech | 2006 | Start neuer Forschungsbemühungen | Ziel: 13,5 nm |
| MIT | 2008[2] | Lithografietechnik | 25 nm |
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Intel, Micron Introduce 25-Nanometer NAND – The Smallest, Most Advanced Process Technology in the Semiconductor Industry. Intel News Release, 1. Februar 2010, abgerufen am 1. Juli 2010.
- ↑ Christof Windeck: MIT-Forscher zeigen Lithografietechnik für 25-nm-Strukturen. Auf: Heise Online. 11. Juli 2008 (Nachrichtenmeldung)
[Bearbeiten] Weblinks
- Wettlauf um neue Lithografie-Techniken verschärft sich, heise-Verlag, 2001: Bericht zur SPIE Microlithography conference mit Prognosen zur erwarteten Entwicklung – wurde durch die Realitäten bereits 2007 überholt.
- Sematech nimmt Forschungszentrum für EUV-Lithografie-Lacke in Betrieb, heise-Verlag, 2006: Lackentwicklung für Strukturgrößen bis 13,5 nm; Intel-EUV-Serienproduktion für 2009 geplant