Systemintegrator

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Der Begriff Systemintegrator wird für Tätigkeitsprofile in der Informationstechnik (IT), des Systems Engineering und der industriellen Automatisierungstechnik verwendet.

Systemintegrator (IT)[Bearbeiten]

Systemintegratoren sind Unternehmen der IT-Branche, die Software- und Hardware-Produkte anderer Hersteller vertreiben, anpassen, erweitern und in die IT-Landschaft ihrer Kunden integrieren. Zu den Kunden gehören u. a. mittlere und größere Unternehmen, Banken, Versicherungen und die öffentliche Verwaltung (Behörden, Verbände und dergleichen). Eine mögliche englische Bezeichnung für das Tätigkeitsfeld ist systems integration.

Da Verwaltungseinheiten den größten Bedarf an maßgeschneiderten Lösungen haben, stellen Datenbankanwendungen das Haupttätigkeitsfeld dar.

Markt für IT-Beratung und Systemintegration in Deutschland[Bearbeiten]

2013 bestimmten die folgenden Anbieter maßgeblich den deutschen Markt für IT-Beratung und Systemintegration:[1]

Rang Unternehmen Umsatz in Deutschland in Mio. Euro Mitarbeiterzahl in Deutschland
1 T-Systems 1)*) 1.400,0 4.700
2 IBM Global Business Services 2)*) 1.380,0 6.800
3 Accenture 2)*) 1.250,0 5.750
4 Capgemini Deutschland 2)*) 595,0 3.050
5 Lufthansa Systems *) 460,0 2.700
6 Atos IT Solutions and Services 1)*) 440,0 2.700
7 msg systems 417,4 3.562
8 Allgeier 384,6 2.822
9 CSC Deutschland Solutions *) 325,0 2.550
10 Hewlett-Packard Deutschland Services 1)*) 322,0 1.100
  • *) Umsatz- und/oder Mitarbeiterzahlen teilweise geschätzt
  • 1) Umsätze mit IT-Beratung und Systemintegration
  • 2) Umsätze enthalten auch die Umsätze mit Managementberatung

Die Aufnahme in dieses Ranking unterliegt genau definierten Kriterien. Mehr als 60 Prozent des Umsatzes werden mit IT-Beratung, Individual-Software-Entwicklung und Systemintegration erzielt.

Rolle, Vertriebswege[Bearbeiten]

Systemintegratoren übernehmen eine Mittlerfunktion zwischen Software- und Hardwareherstellern einerseits und den gewerblichen oder öffentlichen Endkunden andererseits und spielen dabei eine Schlüsselrolle bei der Vermarktungsstrategie der meisten Software- und Hardwarehersteller. Oftmals beziehen sie ihre Produkte dabei nicht einmal direkt von den Herstellern, sondern von Großhändlern (Distributoren).

Der Vertriebsweg über Systemintegratoren und ggf. auch noch über Distributoren wird „indirekter Vertrieb“ genannt, im Gegensatz zu den eher seltenen Direktverkäufen an Endkunden. Einige große Hersteller (z. B. IBM oder Canon) übernehmen allerdings auch selbst die Rolle des Systemintegrators, in dem sie hierfür eigenständig agierende Bereiche oder Tochterunternehmen gründen, welche dann, um ein gewisses Maß an Neutralität zu bieten, oftmals auch befugt sind, Produkte von Wettbewerbern zu vertreiben.

Die Systemintegratoren sind meist sehr vertriebslastig aufgebaut: sie beteiligen sich regelmäßig an Ausschreibungen und unterhalten einen personalintensiven Innen- und Außendienst-Vertrieb. Der Anteil der Vertriebskosten beträgt im Branchendurchschnitt etwa ein Drittel der Gesamtkosten der Unternehmen. Entsprechend rabattiert kaufen sie die Produkte ein, und entsprechend hochpreisig werden die Tagessätze für eigene Dienstleistungen angesetzt.

Profile von Systemintegratoren[Bearbeiten]

Die meisten Systemintegratoren sind mittelständische Unternehmen mit einem ausgeprägten regionalen (z. B. in der Schweiz Swisscom IT Services) und Branchenbezug. Größere Unternehmen (z. B. Accenture, EDS oder CSC) hingegen agieren mehr oder weniger global und bieten häufig auch Outsourcing- und Consulting-Leistungen an. Die Kombination von Beratungs- und Dienstleistung birgt dabei aber immer das Risiko von wettbewerbseinschränkenden Interessenkonflikten und wird daher in der Öffentlichkeit teilweise mit Misstrauen gesehen.

Während einige Systemintegratoren sich auf Individuallösungen spezialisiert haben, profilieren sich viele als Lösungsanbieter mit eigenen Branchenlösungen oder als Partner von Standardsoftware-Herstellern wie z. B. SAP.

Kunden erwarten von Systemintegratoren, ähnlich wie von Beratungsunternehmen, eine weitgehende Herstellerunabhängkeit, was aber in der Praxis nur selten gegeben ist. Viele sind durch enge und teilweise sogar exklusive Verträge an bestimmte Software- oder Hardwarehersteller gebunden und verwenden und vertreiben fast ausschließlich deren Produkte.

Systemintegrator (Berufsbild Systemingenieur)[Bearbeiten]

Der Systemingenieur integriert neue Anforderungen an ein Computer-System in komplexen Hard- und Softwaresystemen.

Systemintegratoren planen, installieren, administrieren, konfigurieren und pflegen die komplexen IT-Systeme. Weitere Haupttätigkeiten sind das Consulting und die Systemanalyse.

Das Einsatzgebiet liegt oft bei historisch gewachsenen IT-Strukturen.

Ausbildung[Bearbeiten]

Die Ausbildung in einem der von der IHK anerkannten IT-Berufe Fachinformatiker (in einer der Fachrichtungen Systemintegration oder Anwendungsentwicklung), Informatikkaufmann, IT-Systemkaufmann oder IT-Systemelektroniker dauert in der Regel drei Jahre. Sofern der Auszubildende die Allgemeine Hochschulreife besitzt, kann die Ausbildung nach Absprache mit dem ausbildenden Betrieb um ein halbes Jahr verkürzt werden.

Die Ausbildung erfolgt im so genannten „Dualen System“ d. h. man verbringt einen Teil der Ausbildung in einem Betrieb als „Azubi“ und den anderen Teil in einer Berufsschule.

Tätigkeitsfeld[Bearbeiten]

Das Tätigkeitsfeld ist sehr weit zu fassen, da es in sehr vielen Bereichen komplexere IT-Systeme gibt. Der Schwerpunkt liegt allerdings im Ingenieursbereich.

Systemintegrator (Industrie)[Bearbeiten]

In der Automatisierungstechnik sind Systemintegratoren spezialisierte Unternehmen, die einzelne oder verschiedene marktgängige technische Systeme (z. B. optische/elektronische/mechanische Sensoren sowie Aktoren von typischen Komponentenherstellern) in Fertigungsanlagen integrieren.

Anforderungsprofile[Bearbeiten]

Es werden detaillierte Branchenkenntnisse benötigt. Die zusätzliche Messtechnik oder Aktorik muss möglichst nahtlos in bestehende mechanische, elektronische und Softwaresysteme eingepasst werden.

Die Verfügbarkeit der eingebrachten Technik (und damit oft der gesamten Fertigungsanlage) muss häufig vertraglich garantiert und durch schnellen technischen Support (z. B. Servicetechniker vor Ort) erhalten bzw. schnell wieder hergestellt werden (unabhängig von Tageszeit und Feiertagen).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Lünendonk-Liste 2014 "Führende IT-Beratungs- und Systemintegrations-Unternehmen in Deutschland" (PDF; 333 kB)

Siehe auch[Bearbeiten]