Systemisches Coaching

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Systemisches Coaching ist Beratung zu Fragen des beruflichen Kontextes mit dem Ziel einer Problem(auf)lösung durch konstruktiv(istisch)e Konversation.[1]

Systemisches Coaching betrachtet die Interaktion (Kommunikation beziehungsweise das Verhalten) im System, das heißt von mindestens zwei Personen – nicht einer ist „bad, mad or sad“. Der Klient analysiert seinen „Beitrag“ und seine Möglichkeiten in der Interaktion. Dann entwickelt er Alternativen zum Problemverhalten oder zu seinen Sichtweisen (lösungs- und ressourcenorientierter Ansatz). Die Veränderungen auf Seiten des Coachee finden bezüglich seines Verhaltens und / oder seiner Sichtweisen (Konstruktionen) statt. Hierbei helfen unter anderem auch sogenannte zirkuläre Fragen – der Coachee antwortet und reflektiert dabei die Situation aus einer anderen Perspektive; oder er imaginiert die Lösung durch die sogenannte Wunderfrage (entwickelt durch Steve de Shazer). Der Klient beschreibt die mögliche/gewünschte Lösung und analysiert die Faktoren, die zu ihrer Realisierung notwendig sind beziehungsweise die Lösung bedingen. Aus diesen Erkenntnissen heraus erlebt der Coachee sein imaginiert adaptiertes Verhalten und dadurch kann er seine Sichtweisen (Konstruktionen) auf das Problem eventuell auch längerfristig verändern.

Coaching wird dabei als ressourcen- und lösungsorientierte Prozessberatung verstanden: Der Coachee (Klient) sei Experte für seine Probleme und Lösungen, der Coach sei Experte für den Weg zum Finden der Lösungen. Der Coach unterstützt den Coachee dabei, individuell passende Lösungen zu (er-)finden und gibt selbst keine Lösungen vor. Dies geschieht durch verschiedene systemische Interventionen (meist Fragetechniken sowie Metaphern, Externalisierungs- und Verflüssigungstechniken, Tetralemma, etc.). Systemisches Coaching ist zielorientiert und sei anhand konkreter Zielkriterien evaluierbar.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Grundlagen des Systemischen Coachings bilden die Erkenntnisse der Systemtheorie (vor allem Niklas Luhmanns), die Philosophie des radikalen Konstruktivismus (Heinz von Foerster, Humberto Maturana und Ernst von Glasersfeld) und die Ansätze der Systemischen Therapie (Steve de Shazer, Insoo Kim Berg, Kurt Ludewig). Ein Modell des Systemischen Coachings ist das Kieler Beratungsmodell, das in den 80er Jahren von Uwe Grau begründet wurde.[2] Ein weiteres Konzept des Systemischen Coachings wurden von König/Volmer aus der Systemischen Organisationsberatung, die auf der Personalen Systemtheorie (Gregory Bateson und Paul Watzlawick) basiert, weiterentwickelt.

Rezeption[Bearbeiten]

Maren Fischer-Epe setzt kritisch mit der Bezeichnung Systemisches Coaching auseinander. Sie hält dieses Label für zu einschränkend. Das Systemische sei im Coaching immer nur eine neben weiteren wichtigen Grundlagen. „Mit gleicher Plausibilität könnte man von psychologischem, konstruktivistischem, phänomenologischem, entwicklungsorientiertem, humanistischem, dialogischem, neurowissenschaftlichem oder integrativem Coaching sprechen.“ [3] Außerdem sei die Bezeichnung „Systemisches Coaching“ verwirrend. Im Unterschied zur systemischen Organisationsberatung oder zur systemischen Familientherapie, in denen das ganze System in die Beratung einbezogen werde, könne das System im Coaching bloß reflektiert werden. „Die besondere Stärke und Bedeutung des Einzelcoachings ist aber gerade, dass hier das Individuum im Mittelpunkt steht. Die Organisation und die darin bestehenden Spielregeln, Wirkungen und Wechselwirkungen werden zwar reflektiert und der Coach kann den Coachee darin unterstützen, sich individuell besser im System zurechtzufinden und erfolgversprechender zu verhalten – und damit oft auch konstruktive Entwicklungen in seinem Umfeld anzustoßen. Aber es bleibt doch die individuelle Sicht eines Einzelnen, bestenfalls zweier Personen, auf ein System.“[4]

Berufsverbände/Ausbildungsträger[Bearbeiten]

European Association for Supervision and Coaching (EASC) Deutsche Gesellschaft für Coaching e.V. (DGfC) Deutscher Fachverband Coaching (DFC) Schweizerischer Berufsverband für Supervision, Organisationsberatung und Coaching (BSO) Deutscher Bundesverband Coaching e.V. (DBVC) Deutscher Verband für Coaching und Training e. V. (dvct) Deutsche Gesellschaft für Beratung (DGfB) Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie (DGSF) Österreichischer Coachingdachverband (ACC) Deutscher Coaching Verband e.V. (DCV) Bundesverband ausgebildeter Trainer und Berater e.V. (BaTB) Deutscher NLP Coaching Verband e.V. Deutscher Coaching und Mediations Verband e.V. gem. (DCMV) Verein deutschersprachiger Mentaltrainer und Coaches e.V. (VdMTC) Swiss Coaching Association (SCA)

Literatur[Bearbeiten]

  • Wilhelm Backhausen und Jean-Paul Thommen: Coaching. Durch systemisches Denken zu innovativer Personalentwicklung. Wiesbaden 2003.
  • Günter G.Bamberger: Lösungsorientierte Beratung, Weinheim 2005 (3. Auflage).
  • Maren Fischer-Epe: "Coaching - Miteinander Ziele erreichen", Reinbek 2011 (vollständig überarbeitete Neuausgabe)
  • Peter-W. Gester: "Systemisches Coaching", in: Papmehl und Walsh; (Hrsg.): Personalentwicklung im Wandel. Wiesbaden 1991.
  • Eckard König und Gerda Volmer: Systemisches Coaching - Handbuch für Führungskräfte, Berater und Trainer, Weinheim 2003.
  • Michael Pohl und Michael Braun: Vom Zeichen zum System - Coaching und Wissensmanagement in modernen Bildungsprozessen. Waltrop: ISB-Verlag 2004, ISBN 978-3936083040
  • Alexander Pschera (Hrsg.): "Bunter Staub. Ernst Jünger im Gegenlicht", Berlin 2008.
  • Sonja Radatz: Beratung ohne Ratschlag; Systemisches Coaching für Führungskräfte und BeraterInnen, Wien 2000(4. Auflage 2006)ISBN 3-902155-01-9
  • Bernd Schmid: Systemisches Coaching. Konzepte und Vorgehensweisen in der Persönlichkeitsberatung, Bergisch Gladbach 2004 (2. Auflage 2006).
  • Peter Steinkellner: Systemische Intervention in der Mitarbeiterführung, Heidelberg 2005.
  • Nino Tomaschek: Systemische Organisationsentwicklung und Beratung bei Veränderungsprozessen. Ein Handbuch. Heidelberg: Carl-Auer Verlag 2006.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Nino Tomaschek: Systemisches Coaching. Ein zielorientierter Beratungsansatz. Wien 2003. S. 19.
  2. Nino Tomaschek: Systemisches Coaching. Ein zielorientierter Beratungsansatz. Wien 2003. S. 11.
  3. Maren Fischer-Epe: Coaching. Miteinander Ziele erreichen. 2. Auflage. Reinbek 2011. S. 260.
  4. Maren Fischer-Epe: Coaching. Miteinander Ziele erreichen. 2. Auflage. Reinbek 2011. S. 261.