Taizz

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum gleichnamigen Gouvernement siehe Gouvernement Ta'izz.
تعزّ
Taizz
Taizz (Jemen)
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Koordinaten 13° 35′ N, 44° 1′ O13.57888888888944.021944444444Koordinaten: 13° 35′ N, 44° 1′ O
Basisdaten
Staat Jemen

Gouvernement

Ta'izz
Höhe 1370 m
Einwohner 453.455 (2003[1])
Taizz mit der Aschrafiyya-Moschee
Taizz mit der Aschrafiyya-Moschee
Taizz

Taizz, gelegentlich auch Taʿizz, Taiz oder Tais (arabisch ‏تعزّ‎) ist eine Stadt im Jemen mit über 450.000 Einwohnern (Berechnungsstand 2003). Taizz liegt im gleichnamigen Gouvernement, dessen Hauptstadt sie ist.

Geografie[Bearbeiten]

Taizz liegt im Bergland des Jemen in einer Höhe von 1370 Metern am Jabal Sabir, dessen Gipfel 3006 m misst.[2] Sie liegt zwischen Aden und Sanaa im Süden des Jemen, hat mithin Verbindungen zu den Häfen am Roten Meer, al-Hudaida und Mokka. Das Bergmassiv fängt die von Süden und Westen vorstoßenden Luftmassen ab, weshalb die Stadt durch höhere Niederschlagsmengen als die sonstige Umgebung begünstigt wird. Hieraus resultiert die Möglichkeit intensiver Terrassenbau-Landwirtschaft und des Qat-Anbaus.[3]

Geschichte[Bearbeiten]

Unter den Herrschaftseinflüssen der Ayyubiden und Rasuliden war Taizz eine der Hauptstädte im Jemen, was in dieser Zeit zu starken Bautätigkeiten führte. Unter den Rasuliden wurde beispielsweise die Aschrafiyya-Moschee errichtet. Ibn Battuta berichtete im 14. Jahrhundert von einer blühenden Stadt.

Im 16. Jahrhundert wurde Taizz mehrmals von den Osmanen besetzt. Zu dieser Zeit soll es auch eine wichtige islamische Bildungsstätte am Ort gegeben haben.

Im Jahr 1763 hielt sich der Forschungsreisende Carsten Niebuhr für einen halben Monat in der Stadt auf.[4] Eine von ihm gefertigte Prospektansicht zeigt, dass die Stadt eine bis heute in Teilen erhaltene Ummauerung aufwies sowie die beiden erhaltenen Stadttore Bāb al-Kabīr und Bāb Mūsa und die Festung al-Qāhira.[5]

Im Oktober 1811 wurde in der Nähe der Stadt der deutsche Reisende Ulrich Jasper Seetzen, der mit 17 schwer beladenen Kamelen auf dem Weg zur Hafenstadt Mokka war, tot aufgefunden.[6] 1892 hielt sich der österreichische Forschungsreisende Eduard Glaser in Ta'izz auf und hielt in seinen Aufzeichnungen einen schwunghaften Qat-Handel vor den Toren der Stadt fest.

Unter Imam Ahmad ibn Yahya (1948–1961) wurde die Stadt letztmals Residenz und Hauptstadt im Nordjemen. Dessen Palast, erbaut im Stil eines Sanaa-Hauses, fungiert heute als stadthistorisches Museum.

Im Rahmen der jemenitischen Protestbewegungen war Taizz im Jahr 2011 ein Zentrum des Widerstandes gegen die staatliche Obrigkeit.[7][8] Im September und Oktober war Taizz regelmäßig Schauplatz von Kämpfen zwischen Regierungssoldaten und bewaffneten Stammeskämpfern. Am 5. Oktober starben bei einem Gefecht mit Mörsern sieben Personen.[9]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Ta'izz ist das Zentrum des Kaffeeanbaus.[10] Außerdem bestehen Textil- und Schmuckindustrien sowie Gerbereien. Eine wichtige Verkehrsanbindung bietet der Flughafen Ta'izz, sowohl für nationale wie auch internationale Flugverbindungen. Aufgrund von Investitionen aus den Golf-Emiraten, verfügt Ta'izz über ein Netz von asphaltierten Straßen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die Stadt beherbergt eine Vielzahl alter Stadtviertel. Zumeist sind die Privathäuser in typischer Ziegelbauweise gebaut. Die Moscheen sind zumeist in weißer Farbe gehaltenen, insbesondere die bereits oben erwähnte Aschrafiyya, sowie die weiterhin hervorzuhebenden Muctabiya und Mudhaffar; ebenso die alte Zitadelle und der Gouverneurspalast, der 450 m über der Stadt auf einer Bergspitze liegt.

Taizz verfügt über eine muslimische Madrasa, die sogar universitäre Ansprüche verfolgt.

Auf der Strecke nach At-Turba, einem Dorf, das als Wasserbeschaffungsrefugium gilt,[11] liegt die ebenfalls sehenswerte Moschee von Jufrus.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Horst Kopp: Zur Stadtentwicklung von Ta'izz. In: Jemen-Report 17/2, S. 11-17, 1986
  • Horst Kopp (Herausgeber): Länderkunde Jemen, Dr. Ludwig Reichert Verlag Wiesbaden, 2005, ISBN 3-89500-500-2

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Horst Kopp (Herausgeber), Länderkunde Jemen (2005), Dr. Ludwig Reichert Verlag Wiesbaden, S. 91 (Einwohnerzahlen jemenitischer Provinzhauptstädte 2003; Berechnung von World Gezatteer)
  2. Horst Kopp (Herausgeber), Länderkunde Jemen (2005), Dr. Ludwig Reichert Verlag Wiesbaden, S. 97
  3. Länderkunde Jemen, S. 98
  4. Josef Wiesehöfer, Stephan Conermann, Carsten Niebuhr (1733–1815) und seine Zeit; S. 163 f.
  5. Horst Kopp (Herausgeber), Länderkunde Jemen (2005), Dr. Ludwig Reichert Verlag Wiesbaden, S. 87
  6. Der Beduine ist wirklich ein humaner Räuber; in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 7. September 2011, Seite N4
  7. Taiz:15 Tote bei neuen Aufständen abgerufen am 19. April 2011
  8. Jemen: Tränengas und scharfe Munition gegen Demonstranten
  9. Tote bei Beschuss jemenitischer Stadt mit Mörsergranaten. In: ORF. 5. Oktober 2011, abgerufen am 5. Oktober 2011 (deutsch).
  10. G.W. Prothero: Arabia. H.M. Stationary Office, London 1920.
  11. Sheila Carapico, Civil society in Yemen: the political economy of activism in modern Arabia