Tartarin von Tarascon

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Alphonse Daudet (1898)

Tartarin von Tarascon ist eine literarische Gestalt des französischen Schriftstellers Alphonse Daudet (1840–1897) und die Titelfigur der Romane:

  • Die wunderbaren Abenteuer des Tartarin von Tarascon (Aventures prodigieuses de Tartarin de Tarascon) (1872)
  • Tartarin in den Alpen (Tartarin sur les Alpes) (1885)
  • Port-Tarascon. Die letzten Abenteuer des berühmten Tartarin (Port-Tarascon. Dernières Aventures de l'illustre Tartarin) (1890).

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten]

Der erste Roman Die wunderbaren Abenteuer des Tartarin von Tarascon erschien 1872 in Buchform. Bereits zuvor war er als Fortsetzungsroman in einer Zeitung veröffentlicht worden, wobei die Titelfigur noch den Namen „Barbarin“ trug. Da in Tarascon jedoch eine alteingesessene Familie namens Barbarin lebte, die sich von Daudets Erzählungen beleidigt fühlte, änderte der Autor noch während der Drucklegung der Buchausgabe den Namen in „Tartarin“.[1] Noch früher, nämlich am 18. Juni 1863 war im Le Figaro Chapatin, der Löwenjäger erschienen. [2] In dieser Erzählung hat Daudet bereits Charakter und Handlung des Tartarin vorgezeichnet.

Die wunderbaren Abenteuer des Tartarin von Tarascon[Bearbeiten]

Der erste Teil des Tartarin-Zyklus ist zugleich der berühmteste. Der Roman ist geschrieben im Ton spöttisch-übertriebener Bewunderung für den „heldenmütigen“ Tartarin. Daudet nennt den „wackeren, kleinen Rentner“ fortwährend ironisch „großer Mann“, „Teufelskerl“, „der unerschrockene, der unvergleichliche Tartarin“. Doch er ist nur ein Aufschneider und Säbelrassler, ein Maulheld, der kaum je aus seiner Vaterstadt herausgekommen ist und seine Abenteuer nur in der Fantasie erlebt. Aber „der Südländer lügt nicht, er erliegt einer Täuschung.“ [3] Daudet beschreibt Tartarin als Don Quijote und Sancho Pansa in einer Person – hin und her gerissen zwischen Abenteuerlust und wehleidiger Bequemlichkeit.

Eines Tages entsteht das Gerücht, er werde auf Löwenjagd gehen. „Am meisten von allen in der Stadt war aber Tartarin überrascht, als er hörte, daß er nach Afrika reisen sollte. Doch da kann man sehen, was Eitelkeit vermag!“ [4] Bei der Überfahrt wird er seekrank, ebenso beim Ritt auf einem Kamel; er erschießt aus Versehen einen kleinen Esel, wird von einem Hochstapler betrogen und hat schließlich doch noch den ersehnten Jagderfolg: er erlegt einen alten, zahmen und blinden Löwen. Die Bevölkerung von Tarascon bereitet ihm bei seiner Heimkehr einen triumphalen Empfang.

Hintergrund[Bearbeiten]

Das Urbild des Tartarin war Daudets Cousin Henri Reynaud, der den Schriftsteller auch im Winter 1861/62 auf einer mehrmonatigen Reise durch Algerien begleitet hatte. [5] Ein anderes Vorbild war Jules Gérard, der „Löwentöter“,[6] den Daudet sowohl in Die wunderbaren Abenteuer des Tartarin von Tarascon, als auch in der Chapatin-Erzählung namentlich erwähnt. Charles-Laurent Bombonnel, ein damals bekannter französischer Abenteurer und Pantherjäger, „Le Tueur de Panthères“, [7] wird sogar in die Handlung miteinbezogen; ironischerweise – und im Gegensatz zu Tartarin – als kleiner, glatzköpfiger, alter Herr mit Regenschirm: „der richtige Notar vom Lande.“[8]

Mit dem Angeber Tartarin thematisiert Daudet die in Nordfrankreich weitverbreitete Ansicht, der Südfranzose nehme es mit der Wahrheit nicht so genau. [9] Außerdem parodiert er in den wunderbaren Abenteuer des Tartarin von Tarascon die literarische Mode der Jagdromane und weist auch darauf hin, dass es damals in Algerien überhaupt keine freilebenden Löwen mehr gab. Diese Tatsache lässt das martialische Jagdunternehmen des „Helden aus Tarascon“ noch absurder erscheinen.

Rezeption[Bearbeiten]

  • Tartarin von Tarascon ist in Frankreich zum Volksbuch geworden, und die Titelfigur bereits zu Daudets Lebzeiten zum Inbegriff des Angebers: „[...] wenn ich sagen höre: „Er ist ein Tartarin…“ Ich erbebe dann, erbebe im Stolz eines Vaters, der in der Menge verborgen steht, während man seinen Sohn feiert.“[10]
  • Der aufschneiderische Südfranzose „in der Linse der Kleinhumoreske gefangen, […] dessen Phantasie über alle Rückschläge triumphiert.“ [11]

Verfilmungen[Bearbeiten]

  • 1908 entstand der Stummfilm Tartarin de Tarscon von Georges Méliès als Kurzfilm.
  • Raimu ist in der Titelrolle des 1934 entstandenen Films Tartarin de Tarscon zu sehen. Raymond Bernard schrieb das Drehbuch und führte Regie.
  • Eine weitere Verfilmung stammt aus dem Jahr 1962, mit Francis Blanche als Tartarin und Michel Galabru.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Alphonse Daudet: Tartarin von Tarascon. 1 Auflage. Insel, Frankfurt am Main und Leipzig 1974, ISBN 3-458-31784-8.
  •  Alphonse Daudet: Briefe aus meiner Mühle. Reclam Verlag, Stuttgart 1999, ISBN 3-15-003227-X.
  •  Alphonse Daudet: Meistererzählungen. Manesse Verlag, Zürich 1959, ISBN 3-7175-1088-6.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Alexander Teuchert: Nachwort zu Alphonse Daudet: Die wundersamen Abenteuer des Tartarin von Tarascon. 1951, S. 139–146.
  2.  Alphonse Daudet: Meistererzählungen. 1959, S. 236.
  3.  Alphonse Daudet: Tartarin von Tarascon. 1974, S. 31.
  4.  Alphonse Daudet: Tartarin von Tarascon. 1974, S. 37.
  5.  Alphonse Daudet: Briefe aus meiner Mühle. 1999, S. 192.
  6.  Herbert Meier: Karl May und Jules Gérard, die „Löwentöter“. 1993, S. 207-221 (www.karl-may-gesellschaft.de, abgerufen am 28. November 2010).
  7.  Herbert Meier: Karl May und Jules Gérard, die „Löwentöter“. 1993, S. 207 (www.karl-may-gesellschaft.de, abgerufen am 29. November 2010).
  8.  Alphonse Daudet: Tartarin von Tarascon. 1974, S. 119.
  9.  Alphonse Daudet: Tartarin von Tarascon. 1974, S. 37.
  10.  Alphonse Daudet: Meistererzählungen. 1959, S. 323.
  11.  Alphonse Daudet: Lexikon der Weltliteratur. 1984, S. 221.
  12.  Alphonse Daudet: Tartarin von Tarascon. 1974, S. 2.

Weblinks[Bearbeiten]