Tausend Gramm

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Tausend Gramm ist eine Kurzgeschichtenanthologie, in der Werke wichtiger Autoren der Kahlschlagliteratur gesammelt sind. Das Buch wurde im Jahr 1949 von Wolfgang Weyrauch im Rowohlt-Verlag herausgegeben.

Inhalt und Bedeutung[Bearbeiten]

Tausend Gramm gilt als eines der wichtigsten Werke der kurzen Strömung, die man Kahlschlagliteratur nennt. Neben den eigentlichen Werken der zu dieser Zeit tätigen Autoren und Autorinnen sind fünf Modellgeschichten aus der deutschen Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts enthalten. Anhand dieser Modellgeschichten lassen sich Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen der literarischen Tradition und den dreißig neuen deutschen Geschichten aufzeigen.

Inhaltlich werden die für die Literatur der unmittelbaren Nachkriegszeit typischen Themen behandelt. Traumatische Erlebnisse an der Front, in den Konzentrationslagern und in der Heimat während des Zweiten Weltkrieges werden thematisiert. Das Leben in den zerstörten Städten während des Kriegs und danach wird meist aus der Perspektive der einfachen Bevölkerung charakterisiert. Die Geschichten stehen oft in einem Spannungsfeld zwischen Nihilismus und vorsichtigem Optimismus. Die Annäherung an die Geschichte findet nach sprachlichen Gesichtspunkten meist einfach und schnörkellos statt.

Wolfgang Weyrauchs Nachwort[Bearbeiten]

Ebenso bedeutend wie die einzelnen literarischen Beiträge ist Weyrauchs Nachwort zur Anthologie, in dem er das Grundkonzept der Kahlschlagliteratur skizziert. Die folgenden wichtigen Punkte sind erwähnenswert:

  • Es muss zwei Literaturen geben. Die eine ist eine Literatur für Jedermann mit einem Anspruch auf Perfektion. Die andere ist eine experimentelle, die die Literatur der Zukunft einleitet. Dichtung, die nur für sich selbst da ist, kann keine Dichtung sein.
  • Wichtig für den Fortbestand der Literatur ist der Dialog über sie. Mit Tausend Gramm will Weyrauch Diskussionsanstöße geben.
  • Die Literatur befindet sich, ebenso wie die Wirklichkeit, in einem verschlungenen und finsteren Dickicht. Die Autoren müssen durch ihr Schaffen dieses Dickicht zurückschlagen und das Böse aus dem Menschen filtrieren. Diese Literatur kann aber nur von Menschen geschaffen werden, die sich der Gefallsucht, der Eremitage und der Menschenverachtung entsagen.
  • Die Literatur des Kahlschlag fängt in Sprache, Substanz und Konzeption von vorne an. Damit sieht sie sich als Gegenpol zur Weiterführung der literarischen Kalligraphie. „Dichter schreiben Wahrheiten“ (nach Elisabeth Langgässer). Diese Wahrheit erfolgt aber auf Kosten der Poesie. Schönheit ohne Wahrheit ist unmöglich, aber Wahrheit ohne Schönheit ist notwendig. Wichtig in diesem Streben nach Wahrheit ist das Stilmittel der Wiederholung, denn wer nicht wiederholt, irrt sich.
  • Der Betrachtungswinkel der Kahlschlagliteratur ist nicht deskriptiv, sondern analytisch. Die Literatur soll die Wahrheit röntgen, um sie genau erfassen zu können.
  • In das Dickicht der Nachkriegswirren haben internationale Autoren bereits "Wegweiser" gebaut. Die neue deutsche Literatur muss sich aber von diesen Wegweisern emanzipieren, um anerkannt zu werden. Literatur ist autochthon, jedoch gleichzeitig verpflichtet.

Enthaltene Werke[Bearbeiten]

Fünf Modellgeschichten[Bearbeiten]

Dreißig neue deutsche Geschichten[Bearbeiten]

Literatur und Quellen[Bearbeiten]

  • Wolfgang Weyrauch Hg.: Tausend Gramm. Ein deutsches Bekenntnis in dreißig Geschichten aus dem Jahr 1949. Überarb. u. erw. Neuausg. Rowohlt, Reinbek 1989. ISBN 3-499-12611-7. Daraus insb.: Weyrauch, Nachwort S. 175-183